Kürzlich hat das Marketing Research Team Kieseler (MRTK) mit der Studie "Der Cyber-Monitor (gewerblich und privat) im Maklermarkt 2019" die Sicht der Makler zur Cyberversicherung präsentiert. Demnach haben 34 Prozent der befragten Makler 2019 bereits gewerbliche Cyberversicherungen vermittelt (Ende 2017: 21 Prozent). Bei privaten Cyberversicherungen waren es laut Umfrage erst 16 Prozent (2017: 7 Prozent). Wie die Studie unter 238 Maklern und Mehrfachvermittlern weiter zeigt, ist jeder Dritte bereits im gewerblichen Cybergeschäft aktiv (Ende 2017: jeder fünfte). Unter größeren Büros und jüngeren Vermittlern sei dieser Anteil deutlich höher, so Reiner Kieseler.

Als Favoriten nennen 40 Prozent der Vermittler spontan Hiscox. Dahinter rangieren Markel (23 Prozent) und Allianz (23 Prozent), gefolgt von Axa und VHV (je18 Prozent). Insgesamt ist der Anteil an den Beitragseinnahmen, den die Vermittler im gewerblichen Cybergeschäft machen, aber weiterhin gering. Laut MRTK vereinnahmen 87 Prozent der Makler und Mehrfachvertreter maximal fünf Prozent ihrer Einnahmen durch gewerbliche Cyberversicherungen (Ende 2017: 86 Prozent).

Wunsch und Wirklichkeit
Nach Ansicht der Makler sollten Cyberprodukte verschiedene Aspekte des Risikos abdecken: 24 Prozent nennen hier Hackerangriffe. Je 21 Prozent votieren für die Schadendeckung und die Wiederherstellung bei Datenverlust im Ernstfall. Jeweils 19 Prozent der Befragten finden die Deckung von Haftpflicht- und Fremdschäden sowie Betriebsunterbrechung wichtig.

Expertise der Versicherer erwarten die Makler vor allem bei der Beratung im Schadensfall, sagen 91 Prozent der Befragten. 88 Prozent erhoffen sich vom Versicherer Unterstützung bei der Risikoanalyse, auch mit Spezialisten, und 86 Prozent Hilfe bei der präventiven Beratung (Mehrfachnennungen möglich). Bei 23 Prozent der Vermittler besteht schon eine Kooperation mit IT-Dienstleistern in der gewerblichen Cyberversicherung. In größeren Maklerbüros und bei Maklerpool-Partnern sei dieser Anteil deutlich höher.

Anhang oder eigenes Produkt?
Die Anzahl der Schadensfälle ist aus Sicht der Umfrageteilnehmer kaum gestiegen. 16 Prozent geben aktuell an, dass es häufig zu Schadenfällen kommt (Ende 2017: 14 Prozent). 34 Prozent meinen, dass Schadenfälle weniger häufig zu beobachten sind (Ende 2017: 36 Prozent). Und nahezu unverändert knapp die Hälfte registriert bisher keine Schadenfälle.

Die Makler vermitteln gewerbliche Cyberversicherungen laut MRTK eher als selbstständiges Produkt (64 Prozent) denn als Zusatzbaustein eines anderen Produktes (vor allem Haftpflicht und Sach). Manche hatten die Fragen nicht einordnen können, was auf bislang nur geringfügige Beschäftigung mit dem Thema spricht.

Spannend zu beobachten wird der Trend sein, ob sich die Cyberversicherung als eigenständiges Produkt etabliert oder angestammten Sparten sogar das Wasser abgräbt. "Dann könnte zum Beispiel eine Betriebshaftpflichtversicherung zum Annex einer Cyberversicherung werden", bestätigte Michael Franke bereits im vergangenen Herbst anlässlich des ersten Cyber-Ratings von Franke und Bornberg (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Cyber-Rating zeigte große Bandbreite an Qualität
Untersucht wurden 34 Tarife von 28 Anbietern im jeweiligen Maximalumfang inklusive aller Bausteine und Deckungserweiterungen. Kein Tarif schaffte eine hervorragende oder sehr gute Bewertung. Gut schnitten die besten Tarife von AIG, HDI, Hiscox und Markel ab. Die Masse (47 Prozent) schaffte befriedigende Urteile, knapp ein Viertel ausreichende Werte.

Die Versicherer fürchten vor allem versteckte Cyberrisiken. Gemeint sind Verluste aus Vorfällen, die nicht durch entsprechende Verträge abgedeckt sind, wie eine weltweite Umfrage zeigt (FONDS professionell ONLINE berichtete). Hinzu kommt: Mangels Erfahrung entstünden die Versicherungsbedingungen entweder auf der grünen Wiese oder durch Kopieren von US-Wordings, so Franke und Bornberg. Es gebe auch noch keine Schadenhistorie. Weil Versicherer die sich dynamisch entwickelnden Cyberrisiken nicht einschätzen können, versuchten sie, das Risiko an vermeintlich besonders kritischen Stellen in den Bedingungen zu begrenzen. (dpo)


Die Studie "Der Cyber-Monitor (gewerblich und privat) im Maklermarkt 2019" ist in einem 46-seitigen Powerpoint-Dokument zusammengefasst. Es kann beim Marketing Research Team Kieseler erworben werden. Die Konditionen werden auf Anfrage per E-Mail unterreiner@kieseler.com oder Telefon (0162/ 2497777) genannt.