Seit Jahresbeginn ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) in Kraft. Es ermöglicht Arbeitgebern in Zeiten von Minizinsen den Abschluss von Vorsorgeverträgen für ihre Mitarbeiter, die aber keine Garantien mehr enthalten – und für die sie deshalb auch nicht mehr finanziell geradestehen müssen. Vielmehr bieten diese neuen Verträge nur eine Zielrente an, die die fehlende Garantie mit der Aussicht auf höhere Renditen wettmachen sollen. Einzige Voraussetzung: Das neue bAV-Angebot kann nur im Rahmen eines Tarifvertrages gemacht werden, dem sogenannten Sozialpartermodell (FONDS professionell ONLINE berichtete). 

Man könnte meinen, dass die neuen Angebote, die es vonseiten verschiedener Versicherer und Asset Manager bereits gibt, reißenden Absatz finden würden. Einem Bericht des "Handelsblattes" zufolge ist das aber nicht der Fall: Viel habe sich hier noch nicht getan. Eine gemeinsame Studie der Axa und der V.E.R.S. Leipzig unter neun Gewerkschaften und 37 Arbeitgeberverbänden gibt aber Anlass zur Hoffnung: Sowohl eine deutliche Mehrheit der Gewerkschaften (77%) als auch der Großteil (65%) der befragten Arbeitgeberverbände wären grundsätzlich dazu bereit, ein Sozialpartnermodell zu vereinbaren. 

Ein Viertel der Gewerkschaften will gar nicht
"Die hohe Akzeptanz zur möglichen Umsetzung eines Sozialpartnermodells bestätigt uns in unserer Strategie, die Chancen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes zu nutzen. Wir haben bereits einen gesamthaften Lösungsansatz erarbeitet und freuen uns nun, mit Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden in Gespräche zur konkreten Umsetzung einzusteigen", resümiert Patrick Dahmen, Vorstand für das Vorsorgegeschäft bei der Axa das Studienergebnis.

Dem steht wiederum gegenüber, dass knapp ein Viertel (22%) der Gewerkschaften unter keinen Umständen in Verhandlungen zu einem Sozialpartnermodell einsteigen wollen, wie die Studienautoren schreiben. Auch sind die Gewerkschaften unterschiedlicher Ansicht über die bestehenden Lösungen zur Umsetzung: Ein Drittel bevorzuge weder die Möglichkeit eines eigenen Sozialpartnermodells noch eine branchenübergreifende Lösung. 

Konservative Zielrenten
Die Arbeitgeberverbände ziehen beide Lösungen zur Umsetzung in Betracht und spalten sich dabei in zwei Stimmungslager auf. Während die Hälfte (50%) die verbands- oder branchenübergreifende Lösung präferiert, sprechen sich 40 Prozent für die Umsetzung eines eigenen Sozialpartnermodells aus. 

Die Versicherer versuchen derweil dem Handelsblatt zufolge, die Skeptiker bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern umzustimmen, indem sie Konzepte entwickeln, die das im Hinblick auf die Renditen bewusst eingegangene Anlagerisiko trotz hoher Aktienquoten minimieren. Auch die Axa wirbt mit einem Produkt, das die Aussicht auf eine ungekürzte Rente mit 0,9 Prozentpunkten mehr Rendite als bei traditioneller bAV. (jb)