Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) wird im Dauerstreit mit dem Vergleichsportal Check24 nicht locker lassen. Neuer Anlass ist, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) meldet, ein aktueller Bericht des Bundeskartellamtes. Diesem zufolge gebe es Hinweise auf mögliche Rechtsverstöße bei Vergleichsportalen aus allen Bereichen.

Der Vermittlerverband ging schon Mitte 2015 juristisch gegen Check24 vor. Der Vorwurf des BVKs drehte sich im Kern darum, dass das Portal seinen gesetzlichen Beratungsvorschriften nicht nachkomme. Das Oberlandesgericht München hat in seinem viel beachten Urteil vom 6. April 2017 aber klar gestellt, dass Check24 dies im Prinzip macht. Allerdings schrieb das Gericht auch vor, wo das Internetunternehmen nachbessern musste. 

In einem anschließenden Verfahren ordnete das Landgerichtgericht (LG) München auf Betreiben des BVK an, dass das Portal die Erstinformation über seinen Maklerstatus verbessern und transparenter machen muss. Und im Oktober hat der Verband Check24 wegen angeblicher Verstöße gegen das Provisionsabgabeverbot abgemahnt und beim LG München eine Klage eingereicht, die derzeit noch läuft.

Untersuchung von Kartellamt ist Rückenwind für BVK
Daher kommt es dem BVK sehr zu pass, dass das Bundeskartellamt in einer 2017 gestarteten Untersuchung festgestellt hat, dass Vergleichsportale für Hotels, Strom, Kredite oder Versicherungen nicht durchgängig objektive und transparente Ergebnisse liefern. So würden einige Anbieter laut Medienberichten weniger als 50 Prozent des Marktes abdecken. In einigen Fällen beeinflusse auch die Höhe der den Portalen gezahlten Vermittlungsprovisionen die Resultate. Check24 wurde sogar namentlich erwähnt – allerdings in Bezug auf seine Stromtarife: So sieht es die Behörde kritisch, dass die Gesellschaft zusätzliche Boni für bestimmte Energietarife anbieten, wodurch sich das Ranking ändere. Die betroffenen Unternehmen haben bis Anfang Februar Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

"Der Bericht des Kartellamts ist Rückenwind für unsere Position", sagte BVK-Präsident Michael Heinz der FAZ. "Es kann darauf hinauslaufen, dass unsere Bedenken komplett bestätigt werden." Sobald der Abschlussbericht vorliege, will der Verband diesen laut FAZ im laufenden Verfahren um das Provisionsabgabeverbot vor dem LG München einsetzen. "Der Abschlussbericht hat hoheitlichen Charakter", sagte BVK-Präsident Heinz.

Vergleichsportal betont rechtmäßiges Vorgehen
Check24 reagiert der Zeitung zufolge gelassen auf die Klage und die Untersuchung des Bundeskartellamts. Letztere zeige vielmehr, dass "Vergleichsportale erheblich dazu beitragen, die Suchkosten der Verbraucher zu reduzieren und die Entscheidungsfindung zu verbessern", teilte Check24 der FAZ mit. Ein Sprecher des Münchner Unternehmens sagte ferner, dass ein zentraler Vorwurf, nämlich dass gezahlte Provisionen das Ergebnis beeinflussten, bei den Versicherungsvergleichen nicht belegt worden sei: "Provisionen und deren Höhe spielen hierbei keine Rolle." 

Und dass zahlreiche Portale keinen eigenen Vergleich durchführten, sondern auf Datensätze und Tarifrechner anderer Vergleichsseiten zugriffen, treffe auf Check24 ebenfalls nicht zu. "Wir haben eigene Tarifrechner und vergleichen selbst", sagte der Unternehmenssprecher. (jb)