Viele deutsche Versicherer, die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherungen für Manager, also sogenannte "D&O"-Policen (Director´s and Officer´s Liability Insurance), anbieten, würden ihre Offerten wohl lieber gestern als heute zurücknehmen. Der Grund: Sie schreiben damit erneut tiefrote Zahlen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) unter Verweis auf eine Statistik des Branchenverbandes GDV meldet. Demnach lag die Schadenquote nach Abwicklung 2020 bei 110 Prozent. Mit anderen Worten: Der Schadenaufwand überstieg die Beitragseinnahmen um zehn Prozent, wobei die internen Kosten noch nicht einmal berücksichtigt sind. Die Beiträge für die "Pflichtverletzungs-Policen" steigen zwar seit Jahren, viel stärker wachsen aber die Schadenfälle, nicht zuletzt wegen spektakulärer Fälle wie dem Dieselskandal bei Volkswagen oder dem Bilanzbetrug bei Wirecard.

"Unterm Strich stehen erhebliche Verluste, die sich aus den immer größeren Haftungsrisiken für Manager ergeben", zitiert die FAZ Jörg Asmussen, den Hauptgeschäftsführer des GDV. So habe sich VW sich mit einem Konsortium von D&O-Versicherern in diesem Jahr auf einen Vergleich geeinigt. Die Versicherer zahlen 270 Millionen Euro für das Fehlverhalten ehemaliger Konzernmanager. Asmussen verwies weiter darauf, dass Insolvenzverwalter nach Unternehmenspleiten immer häufiger millionenschwere Forderungen gegen die Geschäftsführer stellen. Auch bei gesunden Unternehmen stiegen die Anforderungen an die Manager immer weiter, künftig etwa durch das Lieferkettengesetz und ein internes Hinweisgeber-System, sagte Asmussen.

Beitragsvolumen von 560 Millionen Euro
Der GDV schätzt laut der Zeitung die Beitragseinnahmen seiner Mitglieder aus der Manager-Haftpflicht auf knapp 400 Millionen Euro pro Jahr. Einschließlich ausländischer Anbieter liege das Beitragsvolumen bei etwa 560 Millionen Euro. Mit D&O-Policen sichern Unternehmen ihre Manager gegen fahrlässige Pflichtverletzungen ab. Zu den führenden Anbietern zählen die Allianz, Talanx (HDI-Gerling), die R+V Versicherung und die US-amerikanische AIG. (jb)