Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat seine Statistik zu Fondspolicen grundlegend überarbeitet, was erstmals seit Jahren präzise Aussagen über die Entwicklung dieses Segments erlaubt.

Aus dem soeben veröffentlichten Nachschlagewerk "Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen" geht hervor, dass es Ende 2017 in Deutschland 4,1 Millionen fondsgebundene Renten- und Pensionsversicherungen gab, was 4,9 Prozent der ausstehenden Lebensversicherungen entspricht. Im vergangenen Jahr wurden 222.400 neue Verträge abgeschlossen, was einen Marktanteil von 4,5 Prozent bedeutet.

Im Vorjahr sahen die Zahlen noch deutlich besser aus – zumindest auf dem Papier. 2016 wurden den GDV-Zahlen zufolge angeblich 805.600 neue fondsgebundene Renten- und Pensionsversicherungen abgeschlossen, also fast viermal so viele wie 2017. Und als Bestand weist das Zahlenwerk des Verbands zum Jahresende 2016 noch 10,7 Millionen fondsgebundene Rentenversicherungen aus, 6,6 Millionen mehr als im Jahr danach.

"Mischprodukte mit Garantien" galten als Fondspolicen
Der signifikante Unterschied liegt jedoch nicht an einem Einbruch des Fondspolicen-Marktes, sondern an einer Bereinigung der Statistik: Bis 2016 schlug der Verband sogenannte "Mischprodukte mit Garantien" teils den fondsgebundenen und teils den klassischen Verträgen zu. Zu den Mischformen zählen Indexpolicen und andere Versicherungen mit alternativen Garantiemodellen.

Sprich: Wo in der GDV-Statistik früher "fondsgebundene Versicherung" draufstand, war mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Police drin, die überhaupt nicht in Fonds investierte. Der Verband räumte diese Verzerrung in der Vergangenheit zwar auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE ein, wies in seinen Veröffentlichungen aber nicht explizit darauf hin – eine entsprechende Fußnote für die vergangenen Jahre findet sich erst in der aktuellen Version des Nachschlagewerks.

Relevant wurde diese Verzerrung insbesondere in der jüngsten Vergangenheit, in der Indexpolicen und Verträge mit alternativen Garantien einen regelrechten Boom erfuhren: Die klassische Lebensversicherung wurde wegen der niedrigen Zinsen immer unattraktiver, an "echte" Fondspolicen trauten sich viele Kunden nach schlechten Erfahrungen der jüngsten Börsenkrisen aber nicht heran.

25 Prozent Marktanteil
Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen, wie wichtig die "Mischformen mit Garantien" heutzutage sind: 2017 wurden 1,2 Millionen solcher Verträge abgeschlossen, was einen Marktanteil von 25,1 Prozent in der Lebensversicherung bedeutet. Inzwischen stehen 9,9 Millionen derartiger Verträge aus, das entspricht 11,8 Prozent des Bestandes. Dieses Segment hat die Sparte der Fondspolicen also längst überholt.

Das gilt auch mit Blick auf die Versicherungssumme des Neugeschäftes. Während die Kunden aus Deutschland 2017 fondsgebundene Renten- und Pensionsversicherungen im Wert von rund 8,9 Milliarden Euro abschlossen, liegt dieser Betrag bei Indexpolicen und alternativen Garantiemodellen bei stolzen 41,9 Milliarden Euro. Der Wert der neu abgeschlossenen klassischen Renten- und Pensionsversicherungen liegt nicht einmal halb so hoch bei nur 18,4 Milliarden Euro.

Neugeschäft in der Lebensversicherung schrumpft um drei Prozent
Über alle Segmente der Lebensversicherung hinweg war das Neugeschäft im vergangenen Jahr rückläufig. In Summe verkauften die Versicherer 4,9 Millionen neue Verträge, das sind 3,2 Prozent weniger als 2016. Die gesamte Beitragssumme ging um 2,8 Prozent auf 144,1 Milliarden Euro zurück. (bm/jb)