Hinsichtlich der Vertriebskanäle für Lebensversicherungen in Deutschland haben sich im Jahr 2017 nur leichte Verschiebungen ergeben. Dies zeigt die Vertriebswege-Studie, die Willis Towers Watson zum 19. Mal erhoben hat. Führend waren erneut die Einfirmen-Vermittler mit einem Anteil von 32,5 Prozent. Die Gruppe der Makler und Mehrfachagenten liegt wie im Vorjahr bei knapp 29 Prozent, sie konnte ihren Anteil im Unterschied zu 2016 jedoch nicht weiter steigern.

Lediglich bei den "Sonstigen Vertriebswegen" gab es der Analyse zufolge nennenswerte Veränderungen. Diese konnten ihren Anteil im Vergleich zu 2016 um 30 Prozent auf 6,5 Prozent erhöhen. Bei den "Sonstigen" handelt es sich allerdings fast ausschließlich um fremdgeführtes Konsortialgeschäft. Einen Grund für den Anstieg in diesem Bereich sieht Willis Towers Watson in der Zunahme von Konsortialgeschäft in der der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). 

Neugeschäft rückläufig
Das Neugeschäftsvolumen in der Lebensversicherung nach APE, also der Summe aus laufenden Prämien plus zehn Prozent der Einmalprämien, ist 2017 um fast drei Prozent auf 7,6 Milliarden Euro gesunken. Während die Einmalbeiträge mit 24,8 Milliarden Euro nahezu unverändert blieben, reduzierte sich das Neugeschäft gegen laufende Beiträge hingegen um vier Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. "Dies ist nicht überraschend, denn die deutschen Lebensversicherer kämpfen weiterhin mit schwierigen Bedingungen wie den anhaltend niedrigen Zinsen", sagt Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson in Deutschland. Hinzu kämen die unter anderem durch zunehmende Regulierung steigenden Kosten sowie geringer werdende Vertriebskapazitäten. 

"Auch werden schrumpfende Bestände langsam zu einem Kostenproblem, vor allem für kleinere Unternehmen", erklärt Klüttgens. Um eine Lösung, etwa in Form einer Kooperation mit einem oder mehreren anderen Versicherern, kämen die betreffenden Gesellschaften bald nicht mehr herum. Dies zeigt auch die Zusammenstellung der Einzelgesellschaften und Versicherungsgruppen mit den größten Neugeschäftsanteilen, die Wills Towers Watscon für 2017 zum ersten Mal erstellt hat.

Hohe Marktkonzentration
So vereinen die Top Ten unter den Lebensversicherern 59 Prozent des gesamten Neugeschäfts auf sich. Ein noch deutlicheres Bild zeigt sich in der Gruppensicht: Hier entfielen auf die Top Ten-Versicherungsgruppen sogar 75 Prozent des Neugeschäfts nach APE. "Es gibt nur wenige Unternehmen, die trotz der schwierigen Bedingungen wachsen", sagt Klüttgens.

Die Marktkonzentration sei daher heute noch stärker ausgeprägt als vor einigen Jahren. Bei einzelnen Vertriebswegen sei sie noch deutlicher als in der Gesamtbetrachtung und werde weiter zunehmen. "Wir rechnen daher künftig mit weiteren Einstellungen von Neugeschäft", erklärt Klüttgens. (am)