Wie hält es die Assekuranz mit dem verantwortungsvollen Wirtschaften? Zum zweiten Mal geht die in Aachen ansässige Zielke Research Consult dieser Frage nach und hat hierfür die CSR-Berichte deutscher Versicherer unter die Lupe genommen. Das Kürzel steht für den englischen Begriff "Corporate Social Responsibility", gemeint ist die Verantwortung in Bezug auf soziale und ökologische Aspekte sowie die Unternehmensführung. Seit 2018 sind alle börsennotierten Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern verpflichtet, einen entsprechenden Bericht vorzulegen, in dem sie ihr Engagement gegenüber Kunden, Angestellten und Eigentümern aufzeigen.

Als Basis für die aktuelle Analyse haben Carsten Zielke und sein Team die Berichterstattung für das Jahr 2018 herangezogen, die Reports über das vorige Jahr werden erst in einigen Monaten vorliegen. "Nachhaltigkeit spielt in der deutschen Versicherungsbranche eine immer größere Rolle", zeigt sich der Gründer der Zielke Research Consult mit den grundsätzlichen Fortschritten der Assekuranz zufrieden.

Insgesamt 41 Berichte haben die Analysten gecheckt. "Wir haben uns dabei auf die Bereiche 'Soziales' und 'Umwelt' konzentriert", so Zielke, weil der Bereich 'Unternehmensführung' schon durch die Analyse der sogenannten SFCR-Berichte abgedeckt wird." SFCR steht für "Solvency and Financial Condition Report", gemeint ist ein Bericht, in dem schon seit 2016 die Öffentlichkeit in allgemeinverständlicher Form über die Finanzlage, die Risiken sowie die allgemeine Geschäftsentwicklung eines Versicherungsunternehmens informiert werden muss. 


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"Leider sind viele CSR-Berichte noch zu unkonkret, außerdem hat sich noch immer kein Standard in der Berichterstattung herausgebildet", bemängelt Zielke, gesteht den Branchenteilnehmern aber zu, dass es erkennbar Fortschritte gegeben habe. Auf einer Skala, die von – 4 bis + 4,3 Punkte reicht, lag im Vorjahr der Schnitt noch bei – 1,8 Punkten, inzwischen kommt die Branche auf durchschnittlich + 0,3 Punkte.

Nur wer sucht, der findet
"Auch wenn die Bedeutung von Nachhaltigkeit bei der Mehrheit der deutschen Versicherer offensichtlich angekommen ist", so der Analyst, "bleibt es aus unserer Sicht ein Rätsel, warum es immer noch so schwierig ist, die CSR-Berichte auf den Webseiten der Unternehmen zu finden." Nachhaltigkeit sei nicht zuletzt für die Nachwuchswerbung wichtig.

Auf einen erheblichen Nachholbedarf in der CSR-Berichterstattung wies Projektleiter Christian Ploennes gesondert hin. "Besonders aufgefallen ist uns bei der Analyse, dass viele Versicherer ihren CO2-Ausstoß entweder falsch berechnen, indem sie sich nicht an die Definition des allgemein anerkannten 'Scope 1' nach dem sogenannten 'Greenhouse Gas Protocol' halten, oder erst gar keine Hinweise darauf geben, wie die entsprechenden Werte berechnet wurden." (hh)