VIG-Chef Löger: "Deutschland bleibt für uns ein Spezialmarkt"
Hartwig Löger, Vorstandschef der Vienna Insurance Group, über die geplante Übernahme der Nürnberger Versicherung, seine Pläne mit der Fürst Fugger Privatbank, ambitionierte Wachstumsziele und die Zukunft der Lebensversicherung.
Mit der geplanten 1,4 Milliarden Euro schweren Übernahme der Nürnberger Versicherung steht die Vienna Insurance Group vor einem der größten strategischen Schritte ihrer Firmengeschichte. Im Interview erklärt Vorstandschef Hartwig Löger die Hintergründe der geplanten Übernahme der Nürnberger Versicherung. Er betont, dass sich die grundlegende Strategie des Unternehmens nicht verändert hat: Der Fokus bleibt klar auf Zentral- und Osteuropa (CEE) als Kernmarkt. Deutschland wird weiterhin als "Spezialmarkt" betrachtet – also kein Markt, in dem die VIG dominant sein will, sondern einer, der zur Stärkung der Profitabilität und zur Diversifikation beiträgt. Die Übernahme der Nürnberger sei eine günstige Gelegenheit gewesen, um in einem stabilen Markt nachhaltige Erträge zu erzielen.
Know-how-Transfer
Ein zentrales Ziel der Übernahme ist neben der Profitabilität auch der Know-how-Transfer innerhalb der Gruppe. Besonders hervor hebt Löger die Stärke der Nürnberger im Bereich der Lebensversicherung, vor allem bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Dieses Wissen soll künftig gruppenweit genutzt werden, etwa in Form eines Kompetenzzentrums. Außerdem bringt die Nürnberger eine solide Kapitalbasis sowie ein etabliertes Vertriebsnetz mit, was die strategische Position der VIG weiter stärkt.
Im Hinblick auf mögliche Veränderungen stellt Löger klar, dass aktuell keine konkreten Aussagen zu Einsparungen oder Fusionen getroffen werden können. Die bestehende Struktur mit mehreren Marken – etwa auch die Interrisk in Deutschland – soll grundsätzlich erhalten bleiben. Auch die zur Nürnberger gehörende Fürst Fugger Privatbank steht nicht unmittelbar zum Verkauf, obwohl das Bankgeschäft nicht zum Kerngeschäft der VIG zählt.
Geopolitische Risiken dominieren
Für die Zukunft sieht Löger mehrere Herausforderungen: geopolitische Risiken wie den Ukraine-Krieg, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie den technologischen Wandel, insbesondere durch künstliche Intelligenz. Mit dem Programm "Evolve28" will die VIG Innovationen bündeln und gleichzeitig ambitionierte Ziele erreichen – darunter starkes Wachstum, höhere Gewinne und stabile Finanzkennzahlen.
Abschließend betont Löger die weiterhin wichtige Rolle der Lebensversicherung. Trotz früherer Schwierigkeiten in der Niedrigzinsphase gewinnt sie wieder an Bedeutung – vor allem als Absicherung gegen Risiken wie Berufsunfähigkeit. Auch nachhaltige Fondsprodukte und die zunehmende Bedeutung privater Vorsorge tragen dazu bei, dass die Lebensversicherung ein zentraler Bestandteil der zukünftigen Strategie bleibt. (gp)
Ausgewählte Aussagen aus dem Gespräch mit Hartwig Löger finden Sie in der Bilderstrecke oben – einfach durchklicken! Das vollständige Interview lesen Sie in FONDS professionell 1/2026 ab Seite 274 oder nach Anmeldung hier im E-Magazin.















