Der Durchschnittsdeutsche gilt als arbeitsam, detailversessen und redlich. Bei Schadensmeldungen an den Versicherer nehmen es einige mit der Wahrheit aber nicht so genau. Dennoch kommt das Delikt "Versicherungsbetrug" seltener vor, als mancher meint.

Nur etwa jeder elfte Kunde oder umgerechnet 9,2 Prozent aller Vertragsnehmer haben ihren Anbieter schon einmal absichtlich betrogen. Dies ist das Hauptergebnis der aktuellen Studie "Versicherungen – Schadensfälle und Falschangaben", die die Auskunftei Creditreform Boniversum aus Neuss anhand einer im Mai 2018 unter 1.008 online befragten Verbrauchern erstellte. Hochgerechnet haben damit etwa 2,4 Millionen Versicherungsnehmer nach eigener Aussage schon einmal bewusst Falschangaben bei einem gemeldeten Schadensfall gemacht. 

Gängigste Praxis ist demnach die Angabe einer überhöhten Schadensumme. 51 Prozent der Befragten, die zugaben, unehrlich gewesen zu sein, haben diesen Weg gewählt. 39 Prozent der geständigen Versicherungsbetrüger haben den Schaden vorsätzlich herbeigeführt; 30 Prozent haben einen solchen komplett vorgetäuscht.

Gelegenheit macht Diebe
Immerhin 87 Prozent der befragten Verbraucher wissen, dass bewusste Falschangaben bei Schadensmeldungen eine Straftat darstellen und einen einseitigen Kündigungsgrund auslösen können. Nur 13 Prozent stufen derartigen Schmu als verzeihliches Kavaliersdelikt an. Der überwiegende Teil aller Befragten zeigt zudem ein geringes Verständnis (64%) für eine solche Tat. Je höher das Einkommen und der Bildungsstand, desto größer ist auch das Unrechtsbewusstsein. Interessant auch: Männer sind mit 21,3 Prozent "verständnisvoller" für Falschangaben als Frauen (15,1%).

Viele Verbraucher sehen laut der Pressemitteilung zudem keinen hohen Schwierigkeitsgrad, die Versicherung durch bewusste Falschangaben zu täuschen. 68 Prozent der Befragten schreiben jeweils der Hausrat und Privathaftpflicht einfache oder sehr einfache Betrugsmöglichkeiten zu. 32 Prozent sehen Falschangaben bei der Wohngebäudeversicherung und 36 Prozent bei der Kfz-Haftpflicht sowie ebenfalls 36 Prozent bei der Kfz-Kasko als einfach zu realisieren an. (ps/jb)