Eine Maklerfirma sollte gegen die häufigsten Haftungsrisiken abgesichert sein. Gegen Schadenersatzansprüche von Kunden, etwa wegen Falschberatung, ist eine Vermögensschadenhaftpflichtpolice (VSH) sogar gesetzlich vorgeschrieben – mit derzeit mindestens 1,276 Millionen Euro Deckungssumme für jeden Versicherungsfall und 1,919 Millionen Euro für alle Fälle eines Jahres.

Was viele Makler nicht wissen: Dieser Schutz reicht für Führungskräfte einer juristischen Person, etwa GmbH-Geschäftsführer, nicht aus, weil unternehmerische Pflichtverletzungen (Organhaftung) nicht in der VSH-Police abgedeckt sind. Dafür ist eine gesonderte D&O-Police nötig.

Stichwort "Organhaftung"
"Die VSH bietet lediglich Versicherungsschutz für Pflichtverletzungen bei Ausübung der beruflichen Tätigkeit", erklärt Marc Hinrichsen, Geschäftsführer des auf VSH-Policen spezialisierten Versicherungsmaklers Hans John. "Die gesetzlichen Regelungen zur Organhaftung treffen die Maklerfirma aber genauso wie jedes andere Unternehmen auch", ergänzt Richard Weber, Norddeutschlandchef des Spezialversicherers Hiscox. Die D&O-Versicherung wehrt dann Haftpflichtansprüche ab, die aus Fehlern bei der organschaftlichen Tätigkeit als Geschäftsführer, Aufsichtsrat oder Beirat resultieren. Verzwickt wird es insbesondere dann, wenn die Firma nicht vom Inhaber geführt, sondern ein Fremd-Geschäftsführer eingesetzt wird.

Die D&O-Versicherung deckt das persönliche Risiko des Managements ab. Das Kürzel steht für Directors & Officers Liability Insurance. Den "Directors" entsprechen die deutschen Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte, den "Officers" die leitenden Angestellten. "Diese Gruppe kann sich selbst im Anstellungsverhältnis praktisch nicht von der Haftung für mangelnde Sorgfalt freizeichnen", sagt Weber.

Streichung des VSH-Ausschlusses
Hiscox selbst bietet keine D&O-Versicherung für Makler an. Auch VSH-Makler Hans John tut dies nicht, er verweist Kunden im Bedarfsfall an den Spezialanbieter Hendricks. "Wir bieten den Schutz auch für Maklerfirmen, unabhängig von der Unternehmensgröße", sagt Hendricks-Geschäftsführer Marcel Armon. Geboten werden für Vermittler spezielle Deckungserweiterungen, etwa die Streichung des VSH-Ausschlusses.

Gängige Bedingungen am Markt sehen vor, dass Ansprüche aus der Fehlberatung von der D&O auch dann ausgeschlossen sind, wenn sie auf einem Organisationsverschulden beruhen. "Entstehen dem Maklerunternehmen mehrfach Schäden durch Falschberatung oder Umdeckung von Risiken durch eigene Mitarbeiter, stellt sich die Frage, ob das Management bei Auswahl und Ausbildung der Mitarbeiter sowie bei Qualitätskontrolle und Prozessdefinition ihrer Organisationspflicht ungenügend nachgekommen ist", so Armon.

Haftung begrenzen
Zum Thema werden solche Serien- oder Großschäden für die D&O-Versicherung regelmäßig dann, wenn die Deckungssumme der VSH zu gering ist, erklärt Armon. Ansprüche von Kunden aus der originären Beratungspflicht treffen Maklerfirmen meist deswegen so hart, weil Vermittler selten den Mut aufbringen, in Makleraufträgen mit ihren Kunden die Haftung zu begrenzen. Die Praxis zeigt, dass gerade mittelständische Makler selten VSH-Deckungssummen von 20 Millionen Euro besitzen, obwohl sie Umdeckungen und Platzierungen für große Industriekunden vornehmen. "Hier kann einiges schiefgehen und schnell steht auch die Frage im Raum, ob fehlende oder mangelhafte Prozesse im Unternehmen dafür verantwortlich sind", sagt Makler Armon.

In solchen Fällen steht eine D&O-Versicherung den Chefs von Kapitalgesellschaften zur Seite – sie deckt Vermögensschäden aus Pflichtverletzungen. Dazu gehört die Abwehr unberechtigter Schadenersatzansprüche ebenso wie die Erfüllung berechtigter Forderungen und natürlich die Übernahme der Rechtskosten. Inzwischen bieten rund 25 deutsche Gesellschaften und einige Konsortien wie VOV oder Dual solche Verträge an. (dpo)


Den vollständigen Artikel lesen Sie in FONDS professionell 2/2019 ab Seite 228 – inklusive einer Beispielrechnung, was eine D&O-Police für eine typische Maklerfirma kostet. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.