Nicht alle unsere Entscheidungen sind rational begründet – die Kurzsichtigkeit in der eigenen Altersvorsorge bei vielen Deutschen ist dafür ein gutes Beispiel. Wer die Wahl hat, jetzt Geld für später beiseite zu schaffen oder es für ein Konsumprodukt auszugeben, entscheidet sich häufig  für den sofortigen Nutzen. Um private Vorsorge attraktiver zu machen, müssen daher äußere Anreize gesetzt werden. Das kann zum Beispiel mittels der Methode des Nudgings passieren. Das bedeutet, das Verhalten der anderen in eine Richtung zu lenken, ohne Zwang auszuüben. Ein einfaches Beispiel für das Prinzip: Tauscht man die Süßigkeiten aus dem "Quengelregal" direkt an der Supermarktkasse gegen Obst aus, würden vermutlich mehr Einkäufer den Laden mit einem Apfel als mit einem Schokoriegel im Korb verlassen.

Wie sich mithilfe dieses Prinzips die Altersvorsorge attraktiver machen lässt, hat eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) untersucht. "Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, um mit Nudges in der Altersvorsorge das Verhalten zu beeinflussen", sagt Studienautorin Nora Stampfl. Die Studie präsentiert zehn solcher Ansätze mit unterschiedlicher Wirksamkeit. In der Praxis erprobt wurde in Spanien zum Beispiel der "Save-More-Tomorrow-Ansatz", mit dem sich unser menschlicher Hang zu irrationalen Entscheidungen gewissermaßen austricksen lässt: Probanden gaben ihre Zusage, einen Teil ihrer künftigen Gehaltserhöhungen in die Vorsorge zu investieren bereitwilliger, als die Zusage sofort mit dem Sparen zu beginnen. Besonders effektiv sind der Studie zufolge auch sogenannte Default-Regeln, die darauf bauen, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist: Werden Sparquoten mit der Zeit automatisch erhöht, lassen wir das eher geschehen, als müssten wir uns jedes Mal  aktiv dafür entscheiden.  

Eine Gratwanderung
Eine mögliche neue staatlich organisierte Altersvorsorgelösung mit Abwahlmöglichkeit (Opt-Out-Modell) könnte über eine Default-Setzung also eine größere Breite erreichen. Es sei bei dem Prinzip ganz besonders auf Transparenz zu achten, betont DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. Mitunter ist Nudging nämlich eine Gratwanderung: So sei zu unterscheiden zwischen Nudges, die es dem Einzelnen erlauben, selbsterkannte Unzulänglichkeiten zu beheben, und jenen, die auf eine Art und Weise lenken, ohne dass dies dem Einzelnen bewusst wird. (fp)