Die Wiener Versicherungsgesellschaft VIG will bei der restrukturierungsbedürftigen Nürnberger-Gruppe einsteigen. Beide Unternehmen haben am Freitag (8.8.) eine Due-Diligence-Prüfung zum möglichen Erwerb einer kontrollierenden Mehrheit von mehr als 50 Prozent an der Nürnberger Beteiligungs-AG vereinbart, wie die VIG in einer Pflichtmitteilung meldet.

Laut den Angaben ist der Prozess exklusiv. Vorerst verhandelt die Nürnberger mit keiner weiteren Gesellschaft. Sie hat in den vergangenen Wochen mit mehreren Versicherungsunternehmen über einen Einstieg gesprochen. Die VIG zog dabei das Ticket. "Entscheidend dafür waren insbesondere die strategischen Optionen, die finanziellen Investmentindikatoren und die Zusagen zur Standortsicherung sowie zum Erhalt der Marke und Identität der Nürnberger", teilt die Nürnberger mit. Ob der Deal zustande kommt, ist offen. Eine Entscheidung könne es voraussichtlich im vierten Quartal geben.

Hohe Verluste
Im Jahr 2024 ist der fränkische Versicherungs- und Vorsorgekonzern mit einem Verlust von rund 77 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerutscht. Zu schaffen macht dem Unternehmen die aufgrund von Unwetterereignissen stark defizitäre Schadenversicherung.   

Bereits seit Längerem ist der Konzern auf Sparkurs. Ein Sanierungsprogramm mit 250 Maßnahmen sieht Einsparungen von über 75 Millionen Euro vor. Einheiten wurden verkauft – etwa die Nürnberger Pensionsfonds AG an Metzler. Bei den Dividenden kam es zu starken Kürzungen. Aus dem Sponsoring des 1. FC Nürnberg ist das Unternehmen ausgestiegen.

Dieses Frühjahr stellte die Führung zudem einen Verkauf zur Diskussion. Mit der VIG wurde nun offenbar eine Gesprächspartnerin gefunden.

Wem die Nürnberger gehört
Die Gruppe gehört mehrheitlich einer Reihe von Versicherungs- und Finanzunternehmen. Am Grundkapital hält die Münchener Rück (inklusive Tochtergesellschaften) mit 19,1 Prozent den größten Anteil (Zahlen von Solventis Research aus dem April). Gefolgt von der Neue SEBA Beteiligungsgesellschaft mbH mit 18,84 Prozent. Weitere Anteile halten die Versicherungskammer Bayern (16,27 Prozent) und die japanische Daido Life Insurance Company (14,99 Prozent). Der Freefloat beträgt 25,75 Prozent.

Die nun zum Verkauf stehende Nürnberger Beteiligungs-AG ist die Holding der Gruppe. Zu ihr gehören zahlreiche Gesellschaften und Geschäftsfelder: unter anderem die Nürnberger Lebensversicherung AG, die Nürnberger Pensionskassen AG, die Nürnberger Krankenversicherung AG und die Nürnberger Allgemeine Versicherung AG (Schaden) sowie die Fürst Fugger Privatbank und die Nürnberger Asset Management GmbH. Beherrschende Anteile gibt es außerdem an Unternehmen wie der italienischen Bene Assicurazioni – hier ist ebenfalls ein Verkauf geplant. (eml)