FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2025
Die Möglichkeiten der KI werfen ethische Fragen auf – auch für Anleger, meint der Theologe Wolfgang Palaver . Seine Argumente bringt der emeritierte Professor der Universität Innsbruck in den Beirat des Fondsbieters Arete Ethik Invest ein. B eiratsmitglied eines Fondsanbieters ist wohl kein gewöhnlicher „Nebenjob“ eines Religionswissenschaftlers. Wolfgang Palaver scheint aber Gefallen daran gefun- den zu haben: Seit mittlerweile mehr als 20 Jahren diskutiert der Innsbrucker Hochschullehrer Monat für Monat mit anderenWissenschaftlern im Ethik-Komi- tee von Arete Ethik Invest, welche Unter- nehmen für die Fonds des Zürcher Asset Managers infrage kommen – und welche nicht. Eine Konstante in all den Jahren: die Auswirkungen neuer Technologien. Herr Palaver, wie kommt es, dass Sie als Theologesichmit Technik-und Investment- themenbeschäftigen? Wolfgang Palaver: Ich bin Theologe und Sozialethiker und hatte bis zu meiner Pen- sionierung eine Professur für christliche Gesellschaftslehre inne. Als Sozialethiker arbeitet man an der Schnittstelle zwischen Theologie und Themen aus Wirtschaft, Politik und Technik. Es gehört also durch- aus zu unserer Aufgabe, über das Feld der Theologie hinauszugehen. Vor meinem Studium besuchte ich eine Höhere Tech- nische Lehranstalt für Nachrichtentechnik und Elektronik, daher schlagen zwei Her- zen in meiner Brust. Im Jahr 2003 wurde ich gefragt, ob ich eine Vorlesung „Ethik für Informatiker“ am Institut für Informa- tik in Innsbruck halten könnte. Also las ich mich intensiv in das Thema ein. Dabei hat mich überrascht, wie viel Theologie in vielen medien- und techniktheoretischen Schriften steckt. WiemeinenSiedas? Zwei Beispiele, ein älteres und ein neue- res: Marshall McLuhan, bis heute eine der bedeutendsten Medienphilosophen, argumentierte schon früh, das elektroni- sche Zeitalter könnte eine Art weltweites 3ljQJVWHQ EHZLUNHQ DOVR GD]X IĞKUHQ dass alle Menschen sich verstehen können. Und Yuval Noah Harari hat für sein Buch „Homo Deus“ den theologischen Bezug schon im Titel verdeutlicht. Für mich am interessantesten ist das letzte Kapitel, in der deutschen Übersetzung heißt es „Datenreligion“. Das Verhältnis der Men- schen zu mächtigen technischen Produk- ten hat interessanterweise immer eine religiöse Dimension. Unabhängig davon, ob es Gott gibt oder nicht, suchen wir Menschen bei solchen Themen eine Nähe zur Religion. Auch die künstliche Intelli- genz wirft da spannende Fragen auf. KI verspricht ja gewissermaßen Unsterblich- keit. Da müssten die Kirchen eigentlich protestieren – Unsterblichkeit ist schließ- lich ihre Domäne. Das erklärt Ihr Interesse an Technik. Und wie kamen Sie dazu, sich mit Fragen rund umInvestments zubeschäftigen? Ich hatte bereits relativ früh inmeiner wis- senschaftlichen Laufbahn zu „Kapitalis- mus als Religion“ publiziert, mich also schon mit dem Verhältnis von Wirtschaft und Religion beschäftigt. Wohl deshalb bat mich vor gut 20 Jahren ein Freund, der Finanzkammerdirektor der Diözese Innsbruck war, auf einer Tagung ein Refe- rat zur Frage zu halten, wie die Kirche mit Geld umgehen sollte. Seinerzeit wurde gerade ein Pensionsfonds für die Priester der Diözese eingerichtet. Die Hälfte des Geldes wurde von der Pax-Bank betreut, „ KI-Nutzung bedroht unser Denkvermögen“ » Entscheidend ist letzt- lich, die Menschenwürde nicht aus dem Blick zu verlieren. « Wolfgang Palaver, Universität Innsbruck MARKT & STRATEGIE Wolfgang Palaver | Universität Innsbruck 120 fondsprofessionell.de 1/2026
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