FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2025
die andere Hälfte von der Dr. Höller Vermögensverwaltung, deren Gründerin Elisabeth Höller ich auf der Tagung ken- nenlernte. Sie fragte mich, ob ich ins Ethik-Komitee des Vermögensverwalters, aus dem schließlich Arete Ethik Invest hervorging, einziehen würde. Mittlerweile sitzen Sie seit gut zwei Jahr- zehnten indiesemGremium. Die Arbeit imBeirat ist für mich nach wie vor ein schönes Lernfeld, weil ich abglei- chen kann, wie die eigenen theoretischen und theologischen Überlegungen in der Praxis eines Unternehmens umgesetzt werden können. Zugestimmt hatte ich seinerzeit nicht zuletzt deshalb, weil ich selbst in der Diözese Innsbruck lebe und eine Art Wächterfunktion übernehmen konnte, wie mit dem Geld der Kirche umgegangen wird. AufdemFONDSprofessionellKONGRESSin Mannheim haben Sie über „Konsequenzen derKI fürdie Investmentethik“gesprochen. Schon früher war es für Unternehmen und Anleger alles andere als leicht, sich ethisch korrektzuverhalten.Inwiefernnimmtdiese HerausforderungdurchKI nochzu? In erster Linie deshalb, weil künstliche Intelligenz eine sehr mächtige Technolo- gie ist. Selbst einige KI-Gründer warnen ja, dass diese Technologie die Menschheit als Ganzes gefährden könnte. Tatsächlich wissen wir kaum, auf welche Konsequen- zen wir uns einstellen müssen. Darum ist im Umgang mit KI besondere Sorgfalt geboten, ohne die Technik gleich funda- mentalistisch abzulehnen. Mein Kollege Peter Kirchschläger, der in Luzern lehrt, zieht eine Analogie zur Kernkraft, eine (UljQGXQJ GLH SRVLWLY JHQXW]W ZHUGHQ NDQQ DEHU HEHQ DXFK IĞU $WRPZDȬHQ (U wirft die Frage auf, ob wir nicht eine UN- Organisation bräuchten, die sich um KI kümmert – ähnlich der Internationalen Atomenergiebehörde. WelcheRisikensehenSiealsSozialethiker? 'D VLQG ]XP HLQHQ GLH RȬHQVLFKWOLFKHQ Probleme wie der große Energiever- brauch, der übrigens auch einen enormen Wasserverbrauch zur Folge hat. Ganze %HUXIH XQG YLHOH $UEHLWVSOÌW]H IDOOHQ durch die neue Technologie weg. Auf GHQ HUVWHQ %OLFN ZHQLJHU RȬHQVLFKWOLFK ist, dass eine intensive KI-Nutzung unser Denkvermögen bedroht. Es ist mühsam, Dinge wirklich zu durchzudenken, aber es handelt sich um eine sehr wichtige .RPSHWHQ] GLH YHUORUHQ JHKHQ NĆQQWH Entscheidend ist letztlich, die Menschen- würde nicht aus dem Blick zu verlieren – und das schon bei der Produktentwick- lung. Man könnte von „Ethik by Design“ VSUHFKHQ 'DV =LHO PXVV VHLQ PĆJOLFKH Gefahren von Anfang an mit zu beden- ken, statt nach dem Motto zu handeln: Wir entwickeln möglichst schnell, wird schon alles gut gehen! Ein Formel-1-Auto hat ja aus gutem Grund nichtnureinenstarkenMotor,sondernzahl- reicheSicherheitsfunktionen. Genau. Ein in diesem Zusammenhang wichtiges Leitbild hat Hans Jonas ent- ZLFNHOW GHU PLW Ľ'DV 3ULQ]LS 9HUDQWZRU - tung“ eine Ethik der Zukunft vor dem Hintergrund der technologischen Ent- wicklungen geschrieben hat. Im Kern argumentiert er, dass es auch in Zukunft noch eine Menschheit und eine Natur geben muss. Sie gilt es um ihrer selbst wil- len zu erhalten. Mit Blick auf die rasante Entwicklung der KI wird derzeit gern die Frage gestellt, ob es in 100 Jahren noch Menschen geben wird. Das wiederum » Das Verhältnis der Menschen zu mächtigen technischen Produkten hat interessanterweise immer eine religiöse Dimension. « Wolfgang Palaver, Universität Innsbruck fondsprofessionell.de 1/2026 121 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL
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