FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026
qualitativ hochwertige Unternehmen, aber nicht zu jedem Preis. In den vergan- genen Jahren haben wir oft erlebt, wie „ewiges Wachstum“ in einzelnen Nischen einfach in die Zukunft extrapoliert wurde, etwa bei Spirituosenkonzernen – bis dann irgendwann klar ersichtlich wurde, dass Alkoholkonsum strukturell zurückgeht. Darüber hinaus investieren wir bewusst in zyklische Titel, aber nur, wenn wir sie nah DP ]\NOLVFKHQ 7LHISXQNW PLW NODU GHljQLHU - ten Kennzahlen kaufen können. Wer hier diszipliniert vorgeht, kann in Sektoren wie Finanzwerten oder Industrie sehr viel Alpha generieren. IstdieSektor-undLänderallokationamEnde eher ein Zufallsprodukt? Oder planen Sie bewussteÜber- undUntergewichtungen? Das Portfolio ist zunächst das Resultat unseres Stockpickings. Wir stellen uns Fragen wie: Vertrauen wir dem Manage- ment? Ist die Bewertung attraktiv? Stei- gen Rendite und Wachstum? Erst danach betrachten wir die Gesamtheit des Portfo- lios und fragen uns, was die logische Kon- sequenz dieser Einzeltitelentscheidungen ist und ob wir plötzlich sehr viele Halb- leiter, sehr viele Banken oder sehr viele Luxuswerte imPortfolio haben. Wenn das mit unserem makroökonomischen Bild und der Risikoanalyse übereinstimmt, ist das in Ordnung, manchmal sogar gera- dezu ideal. Wenn es nicht plausibel wirkt, justieren wir nach. Es gibt also eine Art Top-down-Reality-Check, aber nicht als Ausgangspunkt, sondern vielmehr als Korrektiv. Welche Sektoren sehen Sie 2026 auf der Gewinnerseite einer moderaten europäi- schen Erholung? Und welche meiden Sie bewusst? 3URljWHXUH ZHUGHQ DXV PHLQHU 6LFKW YRU allem Unternehmen und Sektoren sein, die unmittelbar mit europäischer Souve- ränität, Infrastruktur und industrieller Erneuerung zu tun haben. Dazu zählen Verteidigung, Teile der Industrie, Energie- infrastruktur, digitale Infrastruktur wie Rechenzentren oder Cybersecurity sowie ausgewählte Finanzwerte. Weniger attrak- WLY ljQGHQ ZLU ĞEHUODXIHQH 4XDOLWÌWVVHJ - mente, in denen Anleger jahrelang immer höhere Multiples bezahlt haben und strukturelle Risiken unterschätzt wurden. Das können die erwähnten Spirituosen- hersteller sein, aber auch vermeintlich „unkaputtbare“ Konsum- oder Luxus- geschichten, bei denen die Realität das Narrativ einholt. Wie gehen Sie mit der Bewertungsdiffe- renz zwischen vergleichsweise günstigen europäischen Aktien und hoch bewerte- ten US-Technologiewerten gerade vor dem HintergrunddesKI-Hypesum? Wir konzentrieren uns auf das, was wir HLQVFKÌW]HQ NĆQQHQ &DVKijRZV .DSLWDO - renditen, Wettbewerbsvorteile und Bewer- tungen. Viele US-Tech-Titel, insbesondere jene im KI-Umfeld, werden heute mit Annahmen bepreist, die Jahre oder Jahr- zehnte in der Zukunft liegen. Das ist nicht per se falsch. Aber es erhöht das Risiko von Enttäuschungen. In Europa sehen wir in vielen industriellen, zyklischen und auch technologienahen Geschäftsmodel- len deutlich geringere Bewertungen bei soliden Fundamentaldaten. MitwelcherKonsequenz? Unser Ansatz ist, diese Bewertungslücke auszunutzen, statt eine Wette auf die nächste KI-Narrativwelle im Nasdaq ein- zugehen. Wir beobachten die Entwick- lung sehr genau, aber wir müssen nicht alles besitzen, was gerade in Mode ist. WiesichernSiesichgegenRisikenwieHan- delskonflikte oder Stress im europäischen Kredit- undPrivate-Debt-Segment ab? =XQÌFKVW HLQPDO GXUFK 'LYHUVLljNDWLRQ innerhalb unseres konzentrierten Ansat- » Wir konzentrieren uns auf das, was wir einschätzen können: Cashflows, Kapitalrendi- ten, Wettbewerbsvorteile und Bewertungen. « Nicolas Walewski, Alken Asset Management MARKT & STRATEGIE Nicolas Walewski | Alken Asset Management 216 fondsprofessionell.de 1/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL
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