FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026

gar nicht von der Zukunft, wir reden von HLQHU 5HijHNWLRQ GHU 9HUJDQJHQKHLW GLH in der Zukunft liegt. Die Ursachen der NRPPHQGHQ GHPRJUDljVFKHQ (QWZLFN - lung sind ja schon gewesen. Wir können die Bevölkerungsentwicklung kurzfristig nicht mehr ändern. Deshalb müssen wir an anderen Stellschrauben drehen. Das haben wir zwar unter Schröder getan, aber dann haben wir alles wieder zurück- geschraubt. Warum ist die Politik Ihrer Meinung nach überhaupt vom Pfad nachhaltiger Renten- politikabgekommen? Der Medianwähler in Deutschland ist über 55 Jahre alt, diese Klientel ist enorm wichtig für die meisten Politiker, und man möchte ihnen auf keinen Fall zu viel zumuten. Das ist vielleicht politöko- nomisch logisch, aber volkswirtschaftlich und auch in Bezug auf die Generationen- gerechtigkeit falsch. Die Botschaft der Agenda 2010 in Bezug auf die Rente war ja: Hört zu, es gibt demnächst weniger Rente – und dafür müsst ihr auch noch länger arbeiten. Also: Renteneintrittsalter rauf auf 67 Jahre, dazu der Nachhaltig- keitsfaktor, der die Beiträge für junge Menschen konstant halten und das Ren- tenniveau adjustieren sollte. Dahinter steckte der Gedanke, dass man die jun- JHQ 0HQVFKHQ MD QLFKW IĞU GLH GHPRJUDlj - schen Lasten zur Kasse bitten kann. Dafür sind die Alten verantwortlich, nicht die Jungen, denn die können ja selbst nichts dafür, dass sie so wenige sind. Aber den Folgeregierungen waren die Wählerstim- PHQ GHU gOWHUHQ RȬHQEDU ZLFKWLJHU Die Diskussion dreht sich besonders ums Renteneintrittsalter.Wäreesnichtsinnvoller, nach Beitragsjahren zu zählen? Der Hand- werker,dermit16oder17Jahrenanfängtzu arbeiten,könntedannfrüherinRentegehen. :HQQ MHPDQG VLFK VHKU ODQJH TXDOLlj]LHUW hat er natürlich weniger Jahre zu arbeiten. Allerdings hat er meist deutlich höhere (LQNRPPHQVVWUĆPH XQG VDPPHOW VR LQ NĞU]HUHU =HLW PHKU (QWJHOWSXQNWH IĞU GLH Rente. Jemand, der weniger Arbeitsjahre hat, aber dafür mehr verdient, bekommt DP (QGH JHQDX GLHVHOEH 5HQWH 'DV LVW das Lebensleistungsprinzip in der Renten- versicherung. Im Umkehrschluss erhält jemand, der wenig einzahlt, auch wenig Rente, egal in welchem Zeitraum er ein- gezahlt hat. Wenig bleibt wenig. Aber der Dachdecker kann ja schon heute garnichtbiszumgesetzlichenRenteneintritt arbeiten.Wiesolltedasaussehen,wenndas Renteneintrittsalterweiter steigt? Das Dachdecker-Beispiel hört man immer wieder von Leuten, die von Rente nichts verstehen. Die meisten Menschen glau- ben ja, dass der Dachdecker, wenn er nicht mehr dachdecken kann, direkt eine Altersrente bekommt. Tatsächlich aber EHNRPPW HU HUVW HLQPDO HLQH (UZHUEV unfähigkeitsrente, und zwar so lange, bis er das gesetzliche Rentenalter erreicht. Was müsste die Regierung Ihrer Meinung nachkonkret umsetzen? Wir hätten beim Renteneintrittsalter das diskutieren müssen, was man in Skan- dinavien umgesetzt hat: eine deutliche (UKĆKXQJ GHV UHJXOÌUHQ 5HQWHQHLQWULWWV - alters, um die gestiegene Lebenserwar- tung zu berücksichtigen. Die heutigen Rentner haben in ihremBerufsleben auch 5HQWQHU ljQDQ]LHUW NODVVLVFKHV 8PODJH - verfahren eben. Aber in den 1960er- und 1970er-Jahren betrug die durchschnittli- che Rentenbezugsdauer zehn Jahre. Dafür haben die damaligen Rentner 45 Jahre gearbeitet, sie haben für jedes Renten- » Dass man die Bildung von Realkapital als Altersvorsorge fördern sollte, steht außer Frage. « Bernd Raffelhüschen, Universität Freiburg fondsprofessionell.de 1/2026 259 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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