SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026

F inanzierungen sind der Treibstoff für die Wirtschaftsmotoren der Unter- nehmen. Traditionell stellen die Eigentü- mer und externe Investoren das Eigenka- pital zur Verfügung, während das Fremd- kapital von den Banken kommt. Das ändert sich, seit es Kreditfonds gibt, deren Geschäftsmodell es ist, Geld mit risiko­ adjustierten Unternehmensfinanzierungen zu verdienen. In den USA sind Fonds, die im Private- Debt-Markt tätig sind, schon eine Selbst- verständlichkeit, sie stehen allerdings auch in der Kritik, weil einige große Fonds Rücknahmen aussetzen mussten. In Europa ist dieses Investmentsegment noch nicht so stark ausgeprägt, es gewinnt allerdings immer mehr Aufmerksamkeit. Durch den ELTIF 2.0 wird es auch für Privatanleger zugänglich, da immer mehr Fonds auf den Markt kommen, die ent- weder allein im Kreditgeschäft tätig sind oder Private Debt ihrem Portfolio bei­ mischen. Ein Roundtable-Gespräch. HerrHoffmann,wiebeschreibenSieeinem Investor dasGeschäftsmodell PrivateDebt, das derzeit für die meisten Privatanleger nochNeuland ist? Jan Hoffmann (Finvia): Die private Kredit- vergabe abseits von Banken und Anleihen­ märkten bildet eine strategisch interessan- te Assetklasse mit laufenden Ausschüt- tungen. Außerdem bekommt man mit diesem Asset Robustheit ins Portfolio, weil die Volatilität geringer als bei den klassischen Anleihenmärkten ist. Des- halb ist Private Debt ein guter Baustein in einem größeren Portfolio. Sie halten Private-Debt-Fonds für weniger volatil alsandereAnleihenprodukte? Hoffmann: Ja, wenn wir über geschlos- sene Strukturen sprechen, die im Ver- gleich zu den anderen Anlagen langfristig eine geringere Volatilität zeigen. Und die risikoadjustierte Rendite ist besser als im liquiden Markt. Veith Riebow (Stepstone): Das gilt nicht nur für geschlossene Fonds, sondern auch für die Evergreen-Strukturen, solange sie nicht börsennotiert sind. Generell ist Pri- vate Credit aufgrund der inhärenten Cha- rakteristika deutlich weniger volatil als ein klassisches High-Yield-Portfolio oder ein anderes liquides Anleihenportfolio. Woran liegt das? Riebow: Das hat einfach damit zu tun, dass die Kredite im Senior Direct Lending zu 90 bis 95 Prozent variabel verzinst sind. Es gibt also eine dreimonatige Anpassung an den Zinszyklus, und dadurch besteht – anders als bei Festzinsanleihen – kein Durationsrisiko, das sich extrem auswir- ken kann, wie wir bei den letzten Zins- anstiegen gesehen haben. Sebastian Venc (Muzinich): Die Zinsset- zungsperioden sind im Private-Debt-Be­ reich normalerweise zwischen drei und sechs Monaten. Dadurch profitieren die Fonds von einemZinsanstieg, und gleich- zeitig wird das Inflationsrisiko minimiert. GiltdasfürdasalleFondsproduktegleicher- maßen?WiesehenSiedas? Andreas Mittler (Invesco): Für den Investor kommt es in der Risikobetrachtung einer- seits darauf an, was für ein Unterneh- men finanziert wird. Besteht eine starke Abhängigkeit von einem Kunden oder ist das Businessmodell diversifiziert? Anderer- seits kommt es auf die Kapitalstruktur an, also die Frage, in welchem Rang der Kre- dit steht. Das sind Risikoabwägungen, die man treffen muss. » Durch die technischen Regulierungsstandards für den ELTIF ist auch Private Debt besser in ein reguliertes Konzept eingebettet worden. « Franzisca Stuckenberg , Poellath Rechtsanwältin Franzisca Stuckenberg berät bei Poellath, einer Kanzlei mit Beratungsschwerpunkt Private Equity und Private Debt, insbesondere zu aufsichtsrechtlichen Fragestellungen. fondsprofessionell.de 2/2026 19 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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