SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026

WiesiehtdasPortfolioeinesKreditfondsaus, das fürPrivatanleger interessant ist? Riebow: 80 bis 90 Prozent der institutionel- len Portfolios sind im Senior-Direct-Len- ding-Segment investiert. Sie öffnen sich jetzt für andere Bereiche wie Asset-Backed Finance mit realen Gütern wie Immobi- lien, Infrastruktur oder Maschinen. Das Thema Private Credit mit seinenmittleren bis hohen einstelligen Renditen ist inter­ essant, um in den Privatkundenmarkt einzutreten. Unserer Ansicht nach sind Evergreen-Strukturen am zielführendsten, weil die Produkte selbst eine inhärente Liquidität haben. Die Zinskupons wer- den zumeist vierteljährlich ausgeschüttet. Die Kredite haben eine relativ kurze Lauf- zeit von drei bis fünf Jahren. Das heißt, im Schnitt werden ungefähr 20 bis 30 Prozent eines Kreditportfolios pro Jahr refinanziert, wodurch Liquidität im Port- folio bleibt. Benjamin Mohr (Creditreform): Im Prin- zip sind die Produkte sehr ähnlich, aber im Detail gibt es Unterschiede. Es geht einerseits umCashflow-Stabilität, Kapital- strukturen und Seniorität. Andererseits betrachten wir die Managerqualität, auf die es ankommt, wenn es hintenraus ein bisschen eng wird. Worin bestehen denn die größten Unter- schiede? Mohr: In der Qualität der Asset Manager. Venc: Wichtig ist, dass der Privatanleger versteht, was Private Debt ist. Es handelt sich um Kredite mit festen Konditionen mit dem Unterschied, dass sie nicht von einer Bank, sondern von spezialisierten Managern wie uns vergeben werden. Das Geschäft ist nichts Komplexes, die Direkt- kredite sind eigentlich relativ transparent. Hoffmann: Zu beachten ist die Kapital- struktur. Denn im Kreditbereich geht es um die Minimierung des Ausfallrisikos und um eine risikoadjustierte Rendite. Gleichzeitig muss man darauf achten, in welchem Markt und in welchen Größen- ordnungen man unterwegs ist. Bei größe- ren Unternehmen beziehungsweise bei syndizierten Krediten sind die Konditio- nen wahrscheinlich härter zu verhandeln als bei kleineren Unternehmen. Darauf müssen die Manager achten, wenn sie ein Portfolio strukturieren. Sind Darlehen eines Kreditfonds recht- lich gesehen mit einem Bankdarlehen ver- gleichbar? Franziska Stuckenberg (Poellath): Zivil- rechtlich ist ein Darlehen eines Kredit- fonds grundsätzlich nicht anders einzu- ordnen als ein Bankdarlehen. Das KAGB verwendet zwar den Begriff „Kredit“, kennt jedoch keine eigenständige fonds- bezogene Legaldefinition. Regulatorisch bestehen im Ergebnis jedoch Unter- schiede, da Banken einem deutlich strengeren Aufsichts‑, Eigenkapital‑ und Liquiditätsregime unterliegen als Fonds. Kreditfonds dürfen in Deutschland auch keine Darlehen beziehungsweise Kredite an Privatkunden ausgeben. Wie bewerten Sie die Diskrepanz in Bezug auf dasRegulierungsniveau? Stuckenberg: Die unterschiedlichen Regu- lierungsniveaus sind historisch bedingt und spiegeln die jeweils unterschiedliche Rolle im Finanzsystem wider. Mit der zunehmenden Bedeutung von Fonds in der Kreditvergabe setzt der Gesetzgeber jedoch verstärkt auf ergänzende regula- torische Anforderungen, um eine kohä- rente und risikoadäquate Aufsicht sicher- zustellen. InwieweitsindKreditfondseineernstzuneh- mendeKonkurrenz für dieBanken? Mohr: Private Debt ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zu Bankenfinanzierun- gen. Das muss für die Investoren nicht riskanter sein, und über Credit Enhance­ ments können die Kreditrisiken mini- miert und handhabbar werden. Venc: Banken können Kreditgrößen von 20 bis 30 Millionen Euro bewerkstelli- gen. Größere Volumina werden in einem Club zusammengestellt, und dabei gibt es die Möglichkeit, mit Kreditmanagern zu arbeiten. Das schafft mehr Flexibilität und bedeutet nicht, dass Fonds ein höhe- res Risiko eingehen. Mittler: Häufig ist es so, dass die Bank für die Working-Capital-Finanzierung noch » Diversifikation ist die einfachste Risiko- minimierungsstrategie. In unserem ELTIF dürfen höchstens 1,5 Prozent des Fondsvermögens auf einen Kreditnehmer entfallen. « Veith Riebow , Stepstone Veith Riebow leitet bei der Stepstone Group das Business Development. 20 fondsprofessionell.de 2/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL SACHWERTE Roundtable SPEZIAL

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