SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026
Der perfekte Sturm Die Zinswende und ihre Folgen haben offene Immobilienfonds in Liquiditätsnöte gebracht. Drei von ihnen sind bereits eingefroren. Mehr als eine Milliarde Euro Kapital steht im Feuer. T homas Beyerle, Professor für Immo- bilienwirtschaft an der Hochschule Biberach, hat 15 Jahre seiner Karriere bei einem der früher mal großen Anbieter offener Immobilien-Publikumsfonds ver- bracht, der Degi – Deutsche Gesellschaft für Immobilienfonds. Doch von den einst gefeierten Anlageprodukten hat der Ökonom keine gute Meinung mehr. „Für indirekte Immobilieninvestments gibt es bessere Alternativen“, sagt Beyerle. Das Urteil überrascht nicht. Die Fonds stecken nicht nur – einmal mehr – tief in der Krise. Sie drohen angesichts der durch den Iran-Krieg wieder aufflammenden Inflation und der daraufhin anziehenden Zinsen in einen perfekten Sturm zu gera- ten. „Das Anlageprodukt steht an einem Wendepunkt“, sagt Beyerle. Mit dieser Einschätzung steht der Ökonom nicht allein. Die Verbraucherzentrale Nord- rhein-Westfalen warnt inzwischen Anle- ger: Offene Immobilienfonds seien „keine sichere Kapitalanlage“. Drastische Mittelabflüsse Seit drei Jahren flüchten Anleger in Scharen aus den Investmentvehikeln. Wie dramatisch die Situation ist, zeigt die Statistik des Beratungsunternehmens Barkow Consulting. Danach flossen allein im vergangenen Jahr 7,7 Milliarden Euro aus den Fonds ab (siehe Grafik nächste Seite). Laut der Statistik des Bundesver- bands Investment und Asset Manage- ment (BVI), der Interessenvereinigung der deutschen Fondsgesellschaften, belief sich im September 2023 das gesamte Anlage- vermögen der offenen Immobilienfonds noch auf 132 Milliarden Euro. Zu Beginn dieses Jahres war der Betrag auf 113 Mil- liarden Euro geschrumpft – ein Einbruch um 14,5 Prozent. Drei Fonds mussten in den vergange- nen Monaten sogar eingefroren werden, weil ihre liquiden Mittel nicht mehr aus- reichten, um die Kapitalrückforderungen der Kunden zu erfüllen: der Wertgrund Wohnselect D, der Intreal Fokus Wohnen Deutschland und der UBS Euroinvest Immobilien. Mehr als eine Milliarde Euro an Anlegerkapital stehen im Feuer. Zinserhöhungen Die gegenwärtige Krise der Branche beginnt im Sommer 2022. Notenban- ken rund um den Globus heben die Leitzinsen massiv an, um die durch die Covid-Pandemie und den Ukraine-Krieg massiv gestiegene Teuerung einzudäm- Die Zinswende, dadurch interessanter werdende Anlagealternativen, sich verteuernde Finanzie- rungen und nicht zuletzt der Iran-Krieg und seine Folgen haben demoffenen Immobilienfonds stark zugesetzt. Er erweist sich zunehmend als Schönwetterprodukt – bei nur leichtenWinden. SACHWERTE Offene Immobilienfonds SPEZIAL 52 fondsprofessionell.de 2/2026 FOTO: © AUCARTSTUDIO | STOCK.ADOBE.COM
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