SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026

men. In der Eurozone geht es von zuvor null Prozent bis auf 4,5 Prozent in der Spitze, bevor die EZBMitte 2024 beginnt, den Zinssatz schrittweise auf zwei Prozent zurückzufahren. Die steigenden Zinsen machen einer- seits Tages- und Festgeldkonten sowie Rentenfonds für Anleger wieder attrak- tiv. Andererseits drücken sie gleichzeitig die Marktwerte von Immobilien. Verteu- ert sich die Finanzierung, zahlen Käu- fer weniger für Bürotürme, Shopping- und Logistikzentren, weil sie nur so aus den laufenden Mieterträgen noch eine adäquate Rendite erzielen können. Negative Performance Unabhängige Sachverständige, die die Portfolios turnusmäßig prüfen, werten daraufhin zahlreiche Immobilien ab. Entsprechend sinkt der Preis der Anteils- scheine. Die Durchschnittsrenditen der Investmentvehikel notierten daher in den vergangenen Jahren durchgängig imnega- tiven Bereich. 2024 bescherten die Fonds nach einer Auswertung der Ratingagentur Scope ihren Anlegern im Schnitt einen Verlust von 1,3 Prozent, im ver- gangenen Jahr waren es 1,2 Pro- zent. „Auch zum 31. Januar 2026 lag der Durchschnitt der Bran- che bei minus 1,2 Prozent“, sagt Scope-Analystin Sonja Knorr. Immer mehr Anleger steigen aus. Allerdings können sie seit der Fondsreform von 2013 ihr Kapital nicht sofort aus den Investmentvehikeln abziehen, sondern erst nach einer Min- desthaltefrist von zwei Jahren und einer Kündigungsfrist von zwölf Monaten. Der Gesetz- geber reagierte damit auf das Fondsdebakel von 2010. Damals hatten Investoren einen Milliar­ denbetrag verloren, da 17 Investmentvehikel im Zuge der Finanzkrise in Schieflage geraten waren. Diese Regelung soll den Fondsmanagern genügend Zeit geben, um entweder fri- sches Kapital einzuwerben oder Immobi- lien zum angemessenen Wert veräußern zu können. Doch wie die drei eingefro- renen Fonds zeigen, genügt dieser Zeit- puffer in schwierigen Marktphasen nicht. „Es käme nicht überraschend, wenn weitere Fonds die Rücknahme von Anteilen aussetzen würden“, sagt Stefan Hoenen, Head of Commercial Real Estate bei der Hamburg Commercial Bank, die mit einem Kreditportfolio von 6,3 Mil­ liarden Euro zu den großen Finanziers von Gewerbeimmobilien in Deutschland zählt. Angesichts der unsicheren Lage dürften unterm Strich weiterhin mehr Anleger Kapital aus den Fonds zurück- fordern, als diese an frischen liquiden Mitteln generieren können. Inflation steigt Der Iran-Krieg, die Blockade der Straße von Hormus und unzählige Folgen davon nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Nahrungsmittellage wür- den „wesentliche Auswirkungen auf die Inflation haben“, sagt EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Bereits im März stieg die Teuerungsrate in der Eurozone auf 2,5 Prozent – nach lediglich 1,9 Prozent im Februar. In Deutschland erreicht die Inflationsrate im selben Monat sogar 2,7 Prozent. „Der Druck auf die EZB steigt, über eine Leitzinserhö- hung nachzudenken“, sagt Silke Günther, Ökonomin der Nord- deutschen Landesbank. Nach einer Auswertung der Finanz- nachrichtenagentur Reuters preisten die Finanzmärkte Mitte April eine Leitzinserhöhung der EZB um 75 Basispunkte auf 2,75 Prozent bis Jahresende ‌ein. Diese Erwartung der Investo- ren hat die Renditen von Staats- anleihen bereits in die Höhe getrieben. Rentierten zehnjäh- rige deutsche Bundesanleihen vor Beginn des Krieges mit 2,6 Prozent, schnellte die Rendite nach dem Überfall auf den Iran schnell auf ein Niveau von über drei Prozent. Für indirekte Immobilieninvestments gibt es bessere Alternativen. Thomas Beyerle, Hochschule Biberach fondsprofessionell.de 2/2026 53 FOTO: © CATELLA II Nicht endende Talfahrt Absatz offener Immobilien-Publikumsfonds Allein 2025 flossen netto fast acht Milliarden Euro aus offenen Immobilien-Publikumsfonds ab. Quelle:BarkowConsulting -1.000 -500 0 500 1.000 1.500 2.000 ’26I 2025 I 2024 I 2023 I 2022 I 2021 I 2020 I 2019 Mio. Euro Nettomittelaufkommen o ener Immobilienfonds in Deutschland SXI Real Estate Funds Broad Index (2021=100%)

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