SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026
F atih Birol, Leiter der internationalen Energieagentur, fand wenige Wochen nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran deutliche Worte: „Betrachtet man die drei großen Öl- und Gaskrisen der Vergangenheit, so ist die aktuelle Krise schwerwiegender als die von 1973, 1979 und 2022 zusammen.“ Seine Diagnose gab auch den Ton auf demPetersberger Klima dialog vor, der kurz darauf in Berlin stattfand. An dem jährli- chen Treffen nehmen Minister verschiedenster Länder, EU- und UN-Vertreter teil und eruie- ren – im Vorfeld der jährlichen UN-Klimakonferenzen – mög- liche Konsens-Schnittmengen. Die Bundesregierung hat sich dabei erneut zu den Pariser Kli- mazielen bekannt. Fossile Energiekrise Am Rande der Veranstaltung sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider: „Die fossile Energiekrise, die wir derzeit erle- ben, bringt Menschen weltweit in Bedrängnis. Die zentrale Erkenntnis ist: Wir müssen unabhängiger werden von teurem und unsicheremÖl und Gas.“ Und er benennt auch umgehend die erfor- derliche Maßnahme: „Die erneuerbaren Energien in Deutschland werden weiter ausgebaut. Wir werden im Jahr 2030 auf einen Anteil von 80 Prozent kommen.“ Derzeit haben die Erneuerbaren einen durchschnittlichen Anteil am Strommix von zirka 55 Prozent (siehe Grafik nächste Seite), über mehrere Jahre betrachtet sind es bereits um die 60 Prozent. „Erneuer- bare Energien sind die günstigsten, die wir zubauen können und wir müssen sie nicht importieren“, sagt Schneider. Systemorientierung Für die Planung der deutschen Energie- versorgung geht es aber längst nicht mehr allein um den Zubau von immer mehr Stromerzeugungskapazität. Der bisherige Ausbau von Solar- und Windkraftwerken entwickelte sich schneller als der Ausbau der Netzkapazitäten, was zu dem – nicht nur aus Investorensicht – kaum zu ertra- genden Phänomen negativer Strompreise geführt hat: Wenn bei einer „Hellbrise“ mehr Solar- und Windstrom produziert wird, als Nachfrage seitens der Abnehmer besteht, hat der Strompreis plötzlich kein positives Vorzeichen mehr. „Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt das Fundament der Ener- giewende – doch 2026 markiert zunehmend den Übergang von einem volumengetriebenen Aus- bau hin zu einem stärker system orientierten Energiemarkt“, sagt Torsten Heidemann, Leiter Infrastructure & Energy bei Berenberg. Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien und der Netzkapazitäten sowie die Ver- besserung der Systemsteuerung werden künftig stärker Hand in Hand gehen müssen. Für Investoren würde diese Entwicklung attraktive Oppor- tunitäten eröffnen, befindet Hei- demann: „Der Kapitalbedarf ent- lang der gesamten Wertschöp- fungskette bleibt hoch, während steigende Komplexität Raum für Erneuerbare Energien sind die günstigsten, die wir zubauen können, und wir müssen sie nicht importieren. Carsten Schneider, Bundesumweltministerium 2026 markiert den Übergang von einem volu- mengetriebenen Ausbau zu einem systemorientier- ten Energiemarkt. Torsten Heidemann, Berenberg Extrem sensibel Energiepreisentwicklung nach dem Angriff auf den Iran Erneuerbare Energienmüssen nicht importiert werden. Sie sind resistenter gegen externe Schocks. Quelle:EuropäischeStrombörse 0 20 40 60 80 100 120 140 160 Gas Strom 6. 5. 4. 3. 2. 1. 28. 27. Angri auf den Iran Spotmarktpreise in Euro je Megawattstunde März | Feb Euro/ MWh Strom Gas fondsprofessionell.de 2/2026 65 FOTO: © BMUKN SASCHA HILGERS, BERENBERG
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