SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026

I st Gold in Krisenzeiten noch der sprich- wörtliche sichere Hafen? Zwei Abstürze in den ersten Monaten dieses Jahres las- sen daran zweifeln. Stand der Goldpreis pro Feinunze am 28. Januar auf einem Rekordhoch von fast 5.600 US-Dollar, fiel er danach auf weniger als 4.500 Dol- lar am 2. Februar. Unmittelbar vorher war bekannt geworden, dass US-Präsident Donald Trump Kevin Warsh als Nachfol- ger für Notenbankchef Jerome Powell vor- schlägt. „Offensichtlich hatten die Gold- bullen auf einen Vorsitzenden spekuliert, der fur eine deutlich laxere Geldpolitik steht“, heißt es aus demResearch der Lan- desbank Baden-Württemberg (LBBW). Anschließend erholte sich der Goldpreis, stieg am 1. März auf fast 5.500 Dollar – der Iran-Krieg hatte am 28. Februar begonnen – und stürzte dann bis Mitte März bis auf 4.400 Dollar ab. Volatilität Für Frank Schallenberger, Leiter Roh- stoffanalyse bei der LBBW, liegt auf der Hand: „Gold hat seinen Charakter geän- dert. Es ist mehr Risiko-Asset und weniger sicherer Hafen.“ Davon zeugten der Einbruch um über 1.000 Dollar von Anfang bis Ende März und die Volatili- tät in den vergangenen Mona- ten. „Beides hatten wir in dieser Intensität bisher noch nicht“, sagt er und erläutert: „Durch den Iran-Krieg stieg der Ölpreis heftig und damit die Inflation. Nun fürchteten die Märkte, dass es keine Zinssenkung in den USA geben wird – und das belastet den Goldpreis.“ Zudem seien Marktteilnehmer in die liquideste Wahrung geflohen, den US-Dollar, was diesen auf- gewertet habe. Das wiederum verteuere Goldkaufe außerhalb des Dol- larraums und dämpfe die Nachfrage nach dem Edelmetall. „Je länger die Energie- preise steigen, desto höher ist die Infla- tion, desto unwahrscheinlicher werden Zinssenkungen. Die aber wären wichtig für das Gold“, betont Schallenberger. Seine Prognose für Ende 2026 lautet 5.200 Dollar pro Feinunze Gold, bis Mitte 2027 erwartet er 5.500 Dollar (Stand: 24. April 2026). Die Goldhausse sieht er nach wie vor intakt, zumal er den Dollar zum Euro bis Mitte 2027 schwächer erwartet. „Das ist gut für Edelmetalle.“ Überhitzt Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank sah die Ankündigung von Trumps Wunschkandidat Kevin Warsh für die Nachfolge an der Spitze der Federal Reserve als „vermeintlichen Auslöser für Investoren, Gewinne im voll- kommen überhitzten Markt mitzuneh- men“. Den Rückgang des Goldpreises seit Beginn des Iran-Kriegs erklärt er so: „Der gestiegene Ölpreis führte dazu, dass die zuvor eingepreisten Fed-Zinssenkungsfan- tasien nach und nach ausgepreist wurden und in Europa Zinserhöhungen erwartet werden. Dadurch stiegen die Renditen und damit die Opportunitätskosten von Goldinvestments.“ Eine Folge: Nach Gold- käufen über Exchange Traded Commodi- ties (ETCs) im Januar und Februar 2026 stiegen die Anleger laut Fritsch im März wegen der höheren Opportuni- tätskosten vermehrt aus. War es das also mit der Rolle von Gold als sicherer Hafen? Für Fritsch nicht: „Ich sehe Gold langfristig weiterhin als Krisen- währung, auch wenn es sich im März nicht so angefühlt hat.“ Er rechnet bis Ende 2026 mit einemPreis von 5.000 Dollar pro Feinunze Gold und bis Mitte 2027 mit 5.200 Dollar (Stand: 24. April 2026). Widerspruch? Für den Analysten Thomas Kulp von der DZ Bank klingt es zwar widersprüchlich, dass eine Krisenwährung so schwankt wie Gold in den vergangenen Mona- ten. „Aber in den letzten zehn Gold hat seinen Charakter geändert. Es ist mehr Risiko-Asset und weniger sicherer Hafen. Frank Schallenberger, LBBW Beziehung mit Ups und Downs Goldpreis in Relation zum Silberpreis Am24. April 2026waren 62 Feinunzen Silber nötig, umeine Feinunze Gold zu kaufen. Quelle:LBBW 30 50 70 90 110 130 10-Jahresdurchschnitt Gold/Silber-Ratio I 2025 I I I I I 2020 I I I I I 2015 I I I I I 2010 I I I I ’06 10-Jahres-Durchschnitt Gold-Silber-Ratio Andere Schmuck Zentralbanken Investit ion fondsprofessionell.de 2/2026 71 FOTO: © LBBW

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