SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026
Jahren war der Goldpreis schon öfter volatil“, relativiert er. Kulp führt aus, die Blockade der Straße von Hormus zu Beginn des Iran-Kriegs habe die Einschät- zung der Marktteilnehmer bezüglich der US-Leitzinsen verändert. Waren Ende Februar noch mindestens zwei Leitzins- senkungen bis zum Jahresende einge- preist, wurde zuletzt phasenweise sogar mit einer Zinsanhebung an den US-Geld- märkten geliebäugelt. Knackpunkt: Hohere Zinsen machen es vergleichsweise unattraktiv, Gold zu halten. „Der Zinsfaktor hat seit Beginn des Iran-Kriegs die Oberhand gegenüber geopolitischen Sorgen angesichts des Handelns der US-Regierung“, sagt Kulp. Als Beispiele für die eskalierenden geo politischen Spannungen nennt er die Ent- führung des venezolanischen Präsiden- ten Nicolás Maduro im Januar und die Trump-Äußerungen zu Grönland. Blockbildung Auch sogenannte Margin Calls im Aktienbereich haben den Goldpreis belas- tet. Kulp: „Die Verluste an den Aktien- märkten erzwingen Goldverkaufe, um Liquiditat für Nachschussforderungen zu beschaffen.“ Da in der Regel zuerst jene Assets verkauft würden, die sich zuletzt positiv entwickelt haben, hätten Goldan- leger einen Teil ihrer Gewinne realisiert. Dennoch ist sein langfristiger Ausblick weiterhin positiv, als Grund nennt er die „übergeordnete Blockbildung“ in der Welt seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine und den beiden Präsidentschaf- ten Donald Trumps: „Für Gold spricht langfristig, dass die Zentralbanken unab- hängiger vomDollar werden wollen.“ Die Prognose der DZ Bank bis Ende 2026 lau- tet 5.000 Dollar pro Feinunze Gold. Nachfrage Das Goldangebot selbst ist seit Jahren weitgehend konstant – weder Minen- produktion noch Recycling steigen der LBBW zufolge in großerem Umfang. Es gibt nur Umschichtungen zwischen den einzelnen Abnehmergruppen (siehe Gra- fik nächste Seite). 2025 haben vor allem die Investoren von Gold-ETCs das Edel- metall nachgefragt, getrieben von geo- und wirtschaftspolitischer Unsicherheit. „Anleger haben auch viele Münzen und Barren gekauft“, sagt Schallenberger. Die Zentralbanken dagegen hätten im ver- gangenen Jahr 21 Prozent weniger Gold erworben als 2024, und die Nachfrage nach Goldschmuck sei um 19 Prozent gesunken – beides wohl eine Folge des hohen Goldpreises. Schließlich ist dieser im Lauf des Jahres 2025 um rund 65 Pro- zent gestiegen. Bei den institutionellen Anlegernmacht Schallenberger noch weitere Kaufinteres- senten am Goldmarkt aus: Kryptowäh- rungsdienstleister wie Tether, dessen Stablecoin Ende April eine Marktkapita- lisierung von rund 189 Milliarden Dollar hatte. Dem Experten zufolge hat Tether im dritten und vierten Quartal 2025 „mit 26 beziehungsweise 27 Tonnen sogar mehr Gold gekauft als die aktivsten Zen- tralbanken im zweiten Halbjahr 2025“. Hier nennt er die Zentralbanken Brasi- liens mit 43 Tonnen sowie Polens und Kasachstans mit je 35 Tonnen. „Langfris- tig sollen zehn bis 15 Prozent der Reser- ven in Gold investiert werden“, so Schal- lenberger. Publikumsfonds Keine Prognosen für den Goldpreis gibt Nico Baumbach ab, Leiter Dach- fonds und Portfoliomanager bei Signal Iduna Asset Management. „Ich hätte lie- ber einen Goldpreis von 2.000 Dollar pro Feinunze, und die Welt wäre wieder in Ordnung“, sagt er, hält aber in geopoli- tischen Extremsituationen auch deutlich höhere Preise, als man aktuell sieht, nicht für ausgeschlossen. Baumbach: „Wenn es eine Krise an den Fundamenten des Kapi- talismus geben sollte, wäre Gold auf jeden Fall ein guter Schutz.“ Baumbach managt die Publikums- fonds Hansa Gold und Hansa Werte. Ersterer investiert bis zu 30 Prozent des Fondsvermögens in physisches Gold und bis zu 30 Prozent in ETCs, die mit Gold hinterlegt sind. Die restlichen bis zu 40 Prozent stecken in anderen Edelmetallver- briefungen, überwiegend in Silber-ETCs, beziehungsweise liegen in Kasse. „Es geht Ich sehe Gold langfristig als Krisenwährung, auch wenn es sich im März nicht so angefühlt hat. Carsten Fritsch, Commerzbank Gold ist eine Art Unfallver- sicherung. Es stabilisiert das Portfolio und nimmt die Volatilität raus. Nico Baumbach, Signal Iduna Asset Management SACHWERTE Edelmetalle SPEZIAL 72 fondsprofessionell.de 2/2026 FOTO: © COMMERZBANK, SIGNAL IDUNA
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