FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026

toren. Viele andere Quant-Manager ziehen auch alternative Daten wie Social-Media- Postings heran. Diese sind allerdings nicht für alle Unternehmen verfügbar – und nur für einen überschaubaren Zeitraum. Uns ist es aber wichtig, dass die KI meh- rere Jahrzehnte zurückblicken kann und so verschiedenste Konjunkturzyklen und ökonomische Umfelder kennenlernt. Das macht ihre Aussagen viel robuster. Allerdings ließe sich auch argumentieren, dasssichKIperfektanbietet, umunstruktu- rierteDatenzuanalysieren.FürFinanzkenn- zahlenbrauchtesnichtunbedingteineKI,da reichen traditionelleAlgorithmen. Ja und nein. Die großen Sprachmodelle, die seit ChatGPT einen enormen Auf- schwung erfahren, können super mit Texten und Bildern umgehen. Prognosen sind allerdings nicht ihre Stärke. Gene- rative KI macht zwar Fortschritte, aber denken Sie nur ein Jahr zurück: Wenn Sie damals ChatGPT dreimal die gleiche Frage gestellt haben, bekamen Sie mit- unter sehr unterschiedliche Antworten. Wenn Sie verlässliche Prognosen möch- ten, ist Stabilität aber entscheidend. Des- halb nutzen wir auch kein Sprachmodell, sondern Entscheidungsbäume, genauer gesagt eine Struktur aus Abertausenden von Entscheidungsbäumen. Eine solche KI kann deutlich besser mit Zahlen und Tabellen umgehen. GebenSievor,welcheEntscheidungsbäume dieKI einsetzendarf? 1HLQ GHU ljQDOH (QWVFKHLGXQJVEDXP ist das Ergebnis des Trainings des KI- Modells. Das Rahmenwerk dafür kommt von einem der großen Tech-Konzerne. Aber wir kontrollieren sehr streng unter anderem die Daten, die dem Training zugrunde liegen, und den Zeitraum, über den das Modell trainiert wird. Wir geben auch vor, was genau prognostiziert werden soll – in unserem Fall die Ent- wicklung der Kurse für alle Aktien aus unserem Anlageuniversum auf Sicht von 20 Tagen. Ihr Quest-AI-Fonds strebt nach Kosten 1,5 Prozentpunkte Outperformance zum MSCI Worldan.Dabei unterscheidet sichdiePort- foliozusammensetzungaufdenerstenBlick gar nicht wesentlich vom Index. Gehe ich recht inder Annahme, dass dasAlphaüber HundertekleineWettenerzieltwerdensoll? Ja, denn wir möchten fast ausschließlich DNWLHQVSH]LljVFKH 5LVLNHQ HLQJHKHQ 0LW Blick auf Sektoren, Länder oder Regionen soll der Fonds im Vergleich zur Bench- mark neutral aufgestellt sein. Das gilt auch hinsichtlich des Anlagestils, wir möch- ten also keinen Fokus auf Faktoren wie Momentum, Quality oder Value. Unser Modell prognostiziert deshalb auch nicht die absolute Performance, sondern den Ľ6SHFLljF 5HWXUQĺ DOVR GLH XP 6HNWRU Länder- und andere Risiken bereinigte Rendite. Das Alpha ist daher tatsächlich das Ergebnis Hunderter kleiner Wetten. WiesiehtdasWorst-Case-Szenarioaus?Was müsstepassieren,damitdasAlphaspürbar negativwird? Wollen Sie nicht lieber über den Best Case sprechen (lacht) ? Nein, im Ernst: Weil wir nicht nur in der Titelselektion, son- dern auch in der Portfoliokonstruktion großen Wert auf Risikokontrolle legen, ist ein Wort-Case-Szenario sehr unwahr- scheinlich, wenn auch nicht völlig aus- geschlossen. Problematisch wird es vor » 50 bis 100 schwache Signale können eine bessere Wirkung auf das Gesamtportfolio haben als drei oder vier richtig gute. « David Wright, Pictet AM fondsprofessionell.de 2/2026 117 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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