FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026
A mazon.com wurde 1994 von Jeff Bezos gegründet und legte einen beispiellosen Aufstieg zum größten Onlinehändler der Welt hin. Über 800 Milliarden Dollar wird der Gigant in diesem Jahr voraussichtlich umsetzen. Und doch, mehr als 30 Jahre nach Amazons Grün- dung gibt es sie immer noch, die Einzelhänd- ler und Warenhäuser. Ein bisschen weniger als vor drei Jahrzehnten, aber doch noch an prak- tisch jeder Innenstadtecke und bei jedemAuto- bahnkreuz. Der viel beschworeneUntergangder „Bricks & Mortar“-Läden dauert ein bisschen länger als von den Internet-Enthusiasten immer wieder vorausgesagt. Aberwas sind schon eine Dekade oder drei, wenn es eine gute Zukunfts- story zu verkaufen gibt? Genau gleich wird es sich voraussichtlich mit den Umwälzungen verhalten, die die boomen- den Large Language Models (kurz LLMs) brin- gen sollen. Von echter künstlicher Intelligenz zu sprechen, erscheint uns immer noch unange- bracht, da es sich um wahrscheinlichkeitsge- triebene Nachahmermodelle handelt. Gleich- wohl sind die Leistungen der Modelle in Sachen Sprach- und Bilderkennung sowie deren Gene- rierung höchst bemerkenswert und verän- dern derzeit Wirtschaft und Gesellschaft. Wie beim Internet und später beim Smartphone ist die Frage nicht, ob es solche Veränderungen gibt, sondern wie schnell und dramatisch die Veränderungen kommen und wer die großen Gewinner und Verlierer seinwerden. Am Markt ist die Story klar: Die Gewinner des KI-Booms sind Chiphersteller und andere Infra- strukturausrüster. Diese Aktien konnten ihr starkes Kurs-Momentum vom Vorjahr auch 2026 fortsetzen. Ihre Kunden, die Tech-Hyper- scaler, haben ihre geplanten Investitionen in KI- Datenzentren für 2026 nocheinal auf 620 Mil- liarden Dollar aufgestockt. Wir bleiben skep- tisch, was das Tempo des Ausbaus angeht und bezüglichdermöglichenRenditenauf das inves- tierte Kapital. Aber zumindest bis vor Kurzem zeigte sich der Markt vom KI-Investitionsboom begeistert. Die Liste wächst Die Liste der Unternehmen, die als KI-Verlierer gehandelt werden, wächst. Am30. Januar wur- den Gaming-Aktien mit zweistelligen Prozent- verlustenabverkauft, weil Googlemit dem„Pro- jekt Genie“ einen Prototyp für einen virtuel- len Spielewelten-Generator publizierte. Am 3. Februar waren Anbieter von juristischen Datenbanken wie Wolters Kluwer dran wegen eines neuen Claude-Gesetzestext-Plug-ins. Am 9. Februar crashten die Versicherungsbroker, KI-Halluzinationen Der Hype um KI zieht immer weitere Kreise. Nach Software-Aktien sind weitere Sektoren bös abverkauft worden. Doch die Welt verändert sich langsamer, als uns die KI-Evangelisten glauben machen wollen. Immer mehr sind auch an den BörsenHalluzinationen bezüglich der Auswirkungen der KI festzustellen.
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