FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026

Martin Lück von Franklin Templeton über die geopolitische Pattsituation, Fehlanreize hinter der neuen Fed-Führung, Skepsis gegenüber dem KI-Produktivitätsversprechen und eine Portfolio- strategie, die er in einemWort zusammenfasst: „Broadening“. D ie Straße vonHormus ist geschlossen, die strategischen Ölreserven schmel- zen, und in Asien stehenMenschen schon Schlange an den Tankstellen. Für viele bedeute die kriegerische Auseinanderset- zung im Nahen Osten bereits heute phy- sische Knappheit im Wortsinn, erklärt Martin Lück, Chefstratege für Deutsch- land, Österreich und Osteuropa bei Franklin Templeton, und warnt: Wenn das Tauziehen um eine Lösung des Kon- ijLNWV VLFK ĞEHU GHQ 6RPPHU KLQDXV]LHKW würden auch wir in Europa diese physi- sche Knappheit zu spüren bekommen. Mit entsprechenden Konsequenzen für die Portfoliologik, denen das traditionelle 60/40-Depot nicht gewachsen sei. Herr Lück, vieleMarktteilnehmer sprechen noch von einem Stagflationsrisiko. Sie klingen, als seienwir schonmittendrin. Wo ziehenSiedieTrennlinie? Martin Lück: Ich würde es gar nicht so hart machen, es ist eher ein gleiten- der Übergang. Es gibt nicht den einen Moment, in dem der Hebel umgelegt ZLUG 6WDJijDWLRQ KHLĕW HUVW PDO QXU VFKZÌFKHUHV :DFKVWXP EHL KĆKHUHU ,QijD - tion. Beides ist bereits sichtbar. Der IWF hat seine globale Wachstumsprognose von 3,4 auf 3,1 Prozent gesenkt. Das klingt nach wenig, ist aber eine markante Korrektur. Und der höhere Ölpreis macht VLFK LQ GHQ ,QijDWLRQVGDWHQ KLHU]XODQGH wie weltweit schon bemerkbar. Dass wir auf demWeg in dieses Szenario sind, lässt sich nicht von der Hand weisen. Was wird in der öffentlichen Kommentie- rung IhrerMeinungnachnochunterbetont? Die Trennung zwischen dem, was wirk- OLFK PLOLWÌULVFKHU .RQijLNW LVW XQG GHP was ökonomische Folge ist. Der Krieg ist de facto beendet, es wird kaum noch geschossen. Aber das ökonomische Tauzie- hen rund um die Straße von Hormus hält die wirtschaftlichen Folgen viel länger am Laufen, als wir bisher gedacht hatten, und vor allem länger, als wahrscheinlich viele eingepreist haben. WiekonntediesePattsituationeigentlichent- stehen? Der Iran galt lange als zu zögerlich für soeinenSchritt. 'HU ,UDQ KDW EHLP$XVEUXFK GHV .RQijLNWV zum ersten Mal wirklich verstanden, welches Druckmittel er in Händen hält. Noch im vergangenen Juni, als die Atom- DQODJHQ DQJHJULȬHQ ZXUGHQ ZDU LFK PLU sicher: Die werden die Straße von Hormus nicht sperren, weil eine Sperrung ihnen selbst schadet. Denn sie müssen ihr eige- nes Öl von der Insel Kharg durch eben- diese Straße bringen. Dann aber hat das 5HJLPH HLQHQ :HJ JHIXQGHQ GLH 6FKLȬ - fahrt zu bedrohen, ohne Minen zu set- zen. Indem sie einfach vom Gebirge aus in die Straße hineingeschossen haben. Die 6FKLȬH ZDUHQ NODU ]X VHKHQ XQG IĞU GLH Reedereien war das nicht mehr zumutbar. Daraufhin haben die Amerikaner ihrer- seits iranische Häfen blockiert und die .RQWUROOH ĞEHUQRPPHQ ZHOFKH 6FKLȬH „Die Notenbanken sind gebrannte Kinder “ » Stagflation heißt erst mal nur: schwächeres Wachstum bei höherer Inflation. Dass wir auf demWeg in dieses Szenario sind, lässt sich nicht von der Hand weisen. « Martin Lück, Franklin Templeton MARKT & STRATEGIE Martin Lück | Franklin Templeton 130 fondsprofessionell.de 2/2026

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