FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026

passieren dürfen. Jetzt wartet jeder darauf, wer zuerst beigibt. Und solange das so ist, können wir die langfristigen Folgen nicht wirklich beurteilen. DieAktienmärktebleibentrotzdemverblüf- fend entspannt. Ist das noch echte Rationa- litätoderschongefährlicheKurzsichtigkeit? Bisher haben Unternehmen kaum Folgen gemeldet. Wir sind mitten in der Berichts- saison für das erste Quartal, und die gemeldeten Gewinne liegen deutlich über den Erwartungen. Auch die Guidance, der Blick nach vorn, ist bisher nicht kata- VWURSKDO DXVJHIDOOHQ :DV URKVWRȬDEKÌQ - gige Unternehmen verlieren – etwa Halb- leiterhersteller wegen der Heliumversor- gung oder Nahrungsmittelproduzenten wegen der Düngemittelpreise –, wird auf Indexebene von Energieunternehmen überkompensiert. Es könnte sogar sein, dass wir aus dieser Saison gehen, ohne dass der Gewinnkonsens nach unten kor- rigiert wird. Und dementsprechend gibt es eben keine Notwendigkeit für denMarkt, zu korrigieren. Bisher ist vieles um den Ölpreis noch Spe- kulation.Wasmusspassieren,damitdaraus echte, flächigeKnappheitwird? Die Lager müssen leerlaufen. Was wir heute schon in Nepal, Bangladesch oder auf den Philippinen sehen, sprich Schlan- gen vor Tankstellen, weil einfach kein Diesel mehr ankommt; das ist physische Knappheit im Wortsinn. Dem globalen 0DUNW IHKOHQ WÌJOLFK UXQG ]HKQ0LOOLRQHQ Barrel aus dem Persischen Golf. Ein Teil kommt noch über die Ost-West-Pipeline durch Saudi-Arabien nach draußen, etwas über die emiratische Pipeline, und ein SDDU 6FKLȬH IDKUHQ GXUFK $EHU 0LO - lionen Barrel strategische Reserven wur- den bereits freigegeben. Das ist die größte Freigabe jemals. Wenn das Tauziehen über den Sommer hinausgeht, werden wir diese physische Knappheit auch hier sehen. Davon bin ich relativ überzeugt. Apropos Emirate: Deren OPEC-Austritt hat nicht den erwarteten Preisrückgang gebracht. Hat Siedasüberrascht? *UXQGVÌW]OLFK PXVV PDQ DOV %HIĞUZRU - WHU IUHLHU 0ÌUNWH VDJHQ -HGHU $XVWULWW DXV HLQHP .DUWHOO GHU GDV .DUWHOO VFKZÌFKW ist gut. Mehr Marktwirtschaft, freiere 3UHLVELOGXQJ 'DKHU KÌWWH PDQ HLJHQWOLFK erwarten können, dass der Preis runter- geht. Nur sind dann unterschiedliche Faktoren am Werk. In dem Moment, da Trump kommuniziert, die Sperrung der 6WUDĕH YRQ +RUPXV ZLUG QRFK OÌQJHU durchgezogen, treibt das den Ölpreis auf 'ROODU XQG GUĞEHU 'LHVH JHRSROLWL - VFKH 3UHLVEHZHJXQJ KDW GHQ (ȬHNW GHV OPEC-Austritts schlicht überkompensiert. Da reden wir über ganz andere Größen- RUGQXQJHQ $EHU JUXQGVÌW]OLFK DXV PHL - QHU 6LFKW -HGHV 0LWJOLHG GDV GLH 23(& verliert, ist gut für die Welt. ZurGeldpolitik:DasLehrbuchsagt, Zentral- banken sollten bei Angebotsschocks nicht reflexhaft reagieren. Hält sichdieEZBnoch daran? Das Lehrbuch hat recht. Wer auf exogene Schocks mit Zinserhöhungen reagiert, ULVNLHUW HLQHQ 3ROLWLNIHKOHU (U ZĞUJW GLH :LUWVFKDIW DE RKQH GLH ,QijDWLRQ ZLUNOLFK » Das ökonomische Tauziehen rund um die Straße von Hormus hält die wirtschaftlichen Folgen viel länger am Laufen, als wir bisher gedacht hatten, und vor allem länger, als wahrscheinlich viele eingepreist haben. « Martin Lück, Franklin Templeton fondsprofessionell.de 2/2026 131 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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