FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026

sagt er. „Denn je mehr Informationen aus unterschiedlichen Perspektiven man hat, GHVWR NODUHU ZLUG GDV %LOGĺ ljQGHW HU 'HU Fondsmanager ist viel unterwegs. Denn vor Ort, so sagt er, könne schon allein die Parkplatzsituation oder die Stimmung der Mitarbeiter viel mehr über eine Firma aussagen als eine gut vorbereitete Präsen- tation in einemMeetingraum der DWS. Immer wieder neue Themen Der Weg führt vorbei am Großen Boll- werk, dem stärksten mittelalterlichen Turmbauwerk der Stadt. „Und dort drü- ben ist der Hexenturm“, sagt Köttner. Der Name lässt Schlimmes vermuten, inWirk- lichkeit war der Hexenturm aber lediglich einmal Teil der Stadtbefestigung. Andre Köttner ist gern in seiner beschaulichen Heimatstadt, doch es zieht ihn auch hin- aus in die große weite Welt und immer wieder hin zu neuen Themen. 2018 hat er drei Monate lang vom Sili- con Valley aus gearbeitet, in China ist er regelmäßig. Zwar sind seine Fonds dort nicht investiert, aber Köttner möchte gerade in Sachen Technologie an spannen- den Unternehmen dranbleiben. Techno- logische Entwicklungen interessieren den ehemaligen Techfonds-Manager immer noch. Und er möchte sie in der Tiefe ver- stehen. „Vor Kurzem habe ich das Video mit den tanzenden humanoiden Robotern aus China gesehen und war völlig über- rascht, dass so etwas möglich ist“, berich- tet Köttner. Ummehr über den aktuellen 6WDQG GHU 5RERWLN ]X HUIDKUHQ WULȬW HU Ken Goldberg in Hongkong. Er ist Pro- fessor in Berkeley und einer der weltweit führenden Experten auf diesem Gebiet. Andre Köttner hat weltweit ein großes Expertennetzwerk. Das hilft dabei, neue Themen zu durchdringen. Goldberg erklärt ihm, die größte und wichtigste Herausforderung auf dem Gebiet der Robotik sei, mit künstlicher Intelligenz die extrem komplexen Funk- tionen der menschlichen Hand nachzu- bilden. Und so führt Köttners Recherche ihn weiter zu einer Firma, die Fitness-Stu- dios für Roboter entwickelt hat, in denen sie solche Funktionen trainieren können – möglicherweise eine spannende Aktie für seine Fonds. „So arbeite ich – und das macht mir unheimlich viel Spaß“, sagt der Portfoliomanager. Auch mal ein Thriller An neuen Denkanstößen mangelt es ihm nicht, denn Andre Köttner lauscht mit Leidenschaft Hörbüchern. „ImSchnitt sind es zwei Fachbücher jedenMonat, aber mich interessieren auch psychologische, philosophische und viele andere Themen“, sagt er. Im Urlaub darf es auch mal ein Buch mit Seiten zum Anfassen sein. „Und dann gern ein Thriller“, verrät Köttner zwinkernd. Er hat auch selbst zwei Bücher geschrieben, eines zum Thema Internet und Aktien, ein zweites mit dem Titel „Neuer Markt und Nasdaq“. Durch die schmucke Büdinger Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und Kopf- VWHLQSijDVWHUJDVVHQ JHKW HV ]XUĞFN ]XP Auto und dann in den kleinen Ort, in dem Köttners Elternhaus steht. Vor der Einfahrt steigt er aus, holt sein Fahrrad. „Tschüss, das hat Spaß gemacht, bis bald“, sagt er und will schon aufs Rad steigen. Aber eine Frage ist noch wichtig: Welche Eigenschaften braucht ein starker Mana- ger eines Aktienfonds eigentlich? „Man muss kritisch und skeptisch sein“, sagt Köttner. „Man braucht ein gutes ana- lytisches Denkvermögen und das Selbst- bewusstsein, Investments, an die man JODXEW GXUFK]XKDOWHQĺ ljQGHW HU (LQH Ľ2YHUFRQljGHQFHĺ VHL DEHU DXFK NRQWUD - produktiv. „Natürlich macht man Fehler“, erklärt Köttner. „Die Welt ist so komplex, man kann sie nicht mit irgendeinem Modell greifen und verstehen“, sagt er. Dann steigt er auf sein Rad, lächelt, winkt zum Abschied – und pfeift auf den launi- schen Mai. ANDREA MARTENS FP » Die Welt ist so komplex, man kann sie nicht mit irgendeinem Modell greifen und verstehen. « Andre Köttner, DWS Interviewmit Andre Köttner siehe nächste Seite 142 fondsprofessionell.de 2/2026 PORTRÄT Andre Köttner | DWS FOTOS: CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL Kleine Pause während der Sightseeing-Tour: Der heutige Portfoliomanager wollte eigentlichMathema- tiklehrer werden. Doch als er imStudiumeinen Nebenjob bei einer Sparkasse hat, investiert er zumerstenMal in Aktien – und erzielt gute Kursgewinne. Damit nimmt sein beruflicher Weg eine andere Richtung.

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