FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026

Moment mal Mit Momentum-Strategien nutzen Anleger den Schwung positiver Kursbewegungen. Langfristig sind solche Ansätze sehr erfolgreich. Kurzfristig könnten aber Überhitzungserscheinungen auftreten. M it Momentum-Strategien wetten Anleger gewissermaßen auf die Trägheit der Masse bei starken Aktien. „Die Gewinner von gestern sind auch die Gewinner von morgen“, könnte man das Konzept auch einfach charakterisieren. Momentum-Strategien setzen darauf, dass die Aktien, die in der Vergangenheit stark abgeschnitten haben, mit hoher Wahr- scheinlichkeit auch weiter gut performen werden. Damit reiht sich der Ansatz ein in die Faktorstrategien wie Size oder Value – im Gegensatz zu diesen hat Momen- tum in den vergangenen Jahren aber einen nahezu phänomenalen Mehrertrag geliefert. Der Ansatz geht zurück auf die wissen- schaftlichen Arbeiten zur relativen Stärke von Robert A. Levy aus dem Jahr 1967. In den 1990er-Jahren bestätigten die Finanz- marktforscher Narashiman Jegadeesh und Sheridan Titman das Phänomen Momen- tum praktisch über alle Anlageklas- sen, Regionen und Zeiträume hinweg. „Momentum gehört zu den am besten dokumentierten Faktoren in der akade- mischen Literatur“, sagt David Striegl, Aktienchef von Kepler-Fonds. Tatsächlich haben bereits die relativ einfach konstru- iertenMomentum-Indizes vonMSCI und anderen Indexanbietern über verschie- denste Zeiträume eine deutliche Outper- formance gegenüber den Standardindi- zes hingelegt. So hat der MSCI Europe Momentum sein Pendant in den vergan- genen drei Jahren um 18 Prozentpunkte, über fünf Jahre gar um rund 36 Prozent- punkte hinter sich gelassen. Ähnlich ist das Bild für denMSCI WorldMomentum und den MSCI World. Da schlicht in die Aktien mit der besten Wertentwicklung investiert wird, können Momentum- Aktien aus unterschiedlichsten Regionen, Sektoren und auch Kategorien wie Value und Growth stammen. Wesentlich rascher als die meist alle drei oder sechs Monate rekalibrierten Indizes reagieren die Modelle, mit denen aktive Fondsmanager ihre Strategien umsetzen. Der Quantion X3 von Prome- theus Asset Management überprüft das Momentum-Scoring seines Portfolios auf wöchentlicher Basis und verwendet einen vollständig selbst entwickelten Ansatz, erklärt Geschäftsführer André Kunze. „Die Stärke unseres Konzepts liegt darin, nur Aktien aufzunehmen, deren Momen- tum im Zeitablauf eine hohe Konstanz aufweist. Einmalige, zumeist nachrichten- getriebene Kurssprünge blendet unsere Systematik weitestgehend aus“, so Kunze. Risiken absichern Sein Momentum-Modell ergänzt der Asset Manager um ein systematisches Risi- komanagement. „Wir legen besonderen Wert auf die Absicherung des Risikos“, sagt Kunze. Denn auch Momentum- Aktien durchlaufen Phasen mit kräfti- gen Korrekturen. Diese soll das Konzept Trends imBlick: DieWahrscheinlich- keit, dass eine Aktie, die gut gelaufen ist, weiterhin gut abschneidet, ist gar nicht so klein. Diesen Umstand machen sichMomentum-Fonds und entsprechende ETFs zunutze. » Je überlaufener ein Trade wird, desto heftiger fällt die Korrektur aus. « Chloé Duban, BNP Paribas 146 fondsprofessionell.de 2/2026 MARKT & STRATEGIE Momentum-Strategien FOTO: © KASTO | STOCK.ADOBE.COM

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