FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026

ten im Gesamtmarkt. Man darf das aber nicht pauschalisieren. Auch innerhalb des BB-Spektrums gibt es große Unterschiede zwischen BB-Plus und BB-Minus, das schon an die Grenze zu Single-B reicht. Stichwort Recovery Rates: Welchen Unter- schiedmachtdiebessereBesicherungeuro- päischerAnleihen imKrisenfallwirklich? Einen erheblichen Unterschied. Bei besi- cherten Anleihen in Europa liegt die Recovery Rate im Schnitt bei rund 70 Prozent. Im Konkursfall erhält man also etwa zwei Drittel zurück. Bei unbesicher- ten europäischen Anleihen sind es zurzeit nur rund 25 Prozent. In den USA sind die Werte etwas niedriger: besicherte bei 50 bis 60 Prozent, unbesicherte bei 35 bis 50 Prozent, je nach Einzelfall. Das sind wesentliche Unterschiede, auf die wir in der Portfoliokonstruktion achten. Ausfallraten liegenbei einbiszwei Prozent, also unter dem historischen Durchschnitt. Wiewird sichdas indennächsten zwölf bis 24Monatenentwickeln? Ich erwarte, dass die Ausfallraten in die- sem Bereich verharren werden. Wichtig dabei: Die Ausfallrate ist letztlich ein Blick in den Rückspiegel, weil sich Konkurse schon ein bis zwei Jahre vorher abzeich- nen. Der aussagekräftigere Frühindikator ist die sogenannte Distressed-Quote, also der Anteil der Anleihen, die bereits mit sehr hoher Rendite handeln und bei denen das Risiko eingepreist ist. Diese Quote liegt bei rund fünf Prozent und war zuletzt stabil. Das ist ein gutes Zei- chen, vorausgesetzt, das gesamtwirtschaft- liche Umfeld bleibt so, wie es ist. BB-Ratings dominieren den Markt. Ist High Yielddamit heute „InvestmentGrade light“? Das wäre eine Übertreibung. Ja, rund 60 Prozent des Marktes entfallen auf BB- Anleihen mit moderaten Risiken. Aber 40 Prozent sind Single-B oder Triple-C. Und da sind die Kreditrisiken nach wie vor erheblich und real. Zudem ist das BB- Segment kein homogener Block: BB-Plus ist eine andere Welt als BB-Minus. Man muss immer genau hinschauen. High Yield ist und bleibt eine Assetklasse mit substanziellem Kreditrisiko. Covenant-light-Strukturenund schwächere Credits wandern verstärkt in den Bereich Private Credit ab. Entlastung oder Warnsi- gnal für denöffentlichenHigh-Yield-Markt? Im Wesentlichen Entlastung. Es sind ja die schwächeren Namen, die abgewandert sind. Das erklärt auch, warum wir weni- ger Ausfälle sehen. Die Zahl der Unter- QHKPHQ GLH DXV GHP ĆȬHQWOLFKHQ +LJK Yield-Markt in Private Credit gegangen sind, ist jedoch gering. Insgesamt haben wir einige Hochrisikopositionen verloren, was für die Markthygiene gar nicht schlecht ist. Auf die Liquidität hat diese Migration kaum Auswirkungen, weil die EHWURȬHQH =DKO DQ 8QWHUQHKPHQ VFKOLFKW zu klein ist. Das grundsätzliche Liquidi- tätsproblem bei Verwerfungen bleibt aber bestehen: Die Market Maker der Banken werden in Stressphasen vorsichtiger, wol- len keine neuen Positionen aufbauen, und gerade die riskanteren Anleihen lassen sich dann schwer handeln. DasStichwort„Fälligkeitsmauer“sorgtwie- der für Nervosität. Wie ausgeprägt ist der Refinanzierungsdruckaktuell tatsächlich? Ehrlich gesagt ist die Fälligkeitsmauer ein Thema, das gern dramatisiert wird. Die 5HDOLWÌW LVW 8QWHUQHKPHQ UHljQDQ]LHUHQ ihre Anleihen in der Regel anderthalb bis zwei Jahre vor Fälligkeit, manchmal noch früher. Wir sehen gerade, dass bereits HU $QOHLKHQ UHljQDQ]LHUW ZHUGHQ )ĞU JLEW HV NDXP QRFK RȬHQH )ÌOOLJNHL - ten, und auch 2027 ist weitgehend abge- räumt. Der nächste größere Block ist 2028, und der wird bereits angegangen. In guten Marktphasen werden global täglich fünf » Die Ausfallrate ist letztlich ein Blick in den Rückspiegel, weil sich Konkurse schon ein bis zwei Jahre vorher abzeichnen. « Axel Potthof, Fisch Asset Management MARKT & STRATEGIE Axel Potthof | Fisch Asset Management 172 fondsprofessionell.de 2/2026 FOTO: © LUKAS BARTH-TUTTAS FÜR FONDS PROFESSIONELL

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