FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026

Regel hochgradig illiquide, typischerweise noch illiquider als eine Wohnimmobilie. Deswegen wird es ohne merklichen Preis- nachlass selten kurzfristig zum geschätz- ten ‚Marktpreis‘ veräußerbar sein“, sagt Kommer. Hülsmann präzisiert: „Die Transaktionskosten von Kunst sind ex- trem hoch. Wenn Sie zu normalenMarkt- konditionen kaufen und verkaufen, dann müssen Sie dafür meiner Erfahrung nach pauschal mindestens vier Jahre Perfor- mance veranschlagen. Deshalb muss man andere Strategien verfolgen, damit sich Kunstinvestments rechnen können.“ Alternative Strategien Wie eine solche andere Strategie aus- sehen kann, lässt sich an einer speziellen Kunstanleihe zeigen, die Golden Circle emittiert hat: Der Hamburger Paul Schra- der ist promovierter Jurist, hat aber sein Hobby, die Malerei, zu seinem Hauptbe- ruf gemacht. Um ihm den Rücken für HLQH OÌQJHUH 6FKDȬHQVSHULRGH IUHL]XKDO - ten und von der Wertsteigerung seiner %LOGHU ]X SURljWLHUHQ KDW GLH (PLWWHQWLQ ihm in einer Art Forward-Deal ein Kon- volut von 13 Werken für insgesamt eine knappe halbe Million Euro abgekauft, um sie im Lauf von drei Jahren sukzessive mit Gewinn an den Markt zu bringen. „Auf Basis seiner bisherigen Trans- aktionsliste lässt sich eine jährliche Wert- steigerung seiner Werke von durchschnitt- lich acht Prozent belegen“, sagt Hüls- mann. Den Discount, den das Unterneh- men für den Paketdeal bekommen hat, kann die Emittentin – abzüglich ihrer Kosten – an die Anleger des Investment- portfolios weiterreichen. Erhöhte Sichtbarkeit Auch Arttrade geht bei den von ihr angebotenen Kunstinvestments Wege, die nicht mit dem Asset Management eines Immobilien- oder Aktienfonds ver- gleichbar sind. „Ein Werk der australi- schen Künstlerin Emily Kam Kngwarray, das Teil eines unserer Kunstportfolios ist, haben wir als Leihgabe in ihre erste euro- päische Retrospektive gegeben, die bis Januar dieses Jahres in der Tate Modern in London zu sehen war.“ Dafür habe Arttrade zwar keine Leihgebühr verein- nahmen können oder wollen, sagt Kut- zim, aber die erhöhte Sichtbarkeit und die Aufmerksamkeit, die demWerk in diesem renommierten Kontext zukomme, könne den Wert des Werks steigern. Eine weitere Strategie der Wertsteige- rung besteht für Arttrade aktuell darin, zwei kunsthistorisch und thematisch zusammenhängende Arbeiten, die sepa- rat erworben wurden, als Konvolut in die Vermarktung zu geben mit dem Ziel, einen insgesamt höheren Preis zu erzielen. Grundsätzlich gilt für Kunstinvest- ments, dass sie allenfalls eine kleine Bei- mischung imDepot bleiben sollten – auch wenn Rekorderlöse auf Auktionen immer wieder grandiose Gewinnchancen sugge- rieren. TILMAN WELTHER FP Resonanz-Barometer Die wichtigsten zeitgenössischen Künstler Platz Name Jahr- gang Land Kunstform (u.a.) Punkte- zuwachs Gesamt- punkte 1 Gerhard Richter 1932 Deutschland Malerei 4.700 187.850 2 Bruce Nauman 1941 USA MixedMedia 1.850 141.200 3 Georg Baselitz 1938 Deutschland Malerei 1.600 12 200 4 Rosemarie Trockel 1952 Deutschland MixedMedia 6.000 123.050 5 Tony Cragg 1949 Großbritannien Skulptur 9.400 115.000 6 Cindy Sherman 1954 USA Fotokunst 2.850 107.500 7 Olafur Eliasson 1967 Dänemark Skulptur, Installation 4.750 105.350 8 AnselmKiefer 1945 Deutschland Malerei 3.750 98.200 9 WilliamKentridge 1955 Südafrika Zeichnung, Filmkunst 5.050 93.250 10 Imi Knoebel 1940 Deutschland Malerei, Installation 2.750 87.050 Das Punktesystemmisst die Resonanz von Künstlern in der Kunstwelt. Quelle:„Capital“(Kunstkompass2025) 228 fondsprofessionell.de 2/2026 SACHWERTE Kunstinvestments FOTO: © MICHAEL GUETH | ARTTRADE, GOLDEN CIRCLE FINANCE Julian Kutzim, Arttrade: „Kunstinvestments folgen einer anderen Logik als die Börse oder Immobilien.“ Andreas Hülsmann, Golden Circle Finance: „Für die Transaktionskosten von Kunst müssen Siemin- destens vier Jahre Performance veranschlagen.“

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