FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026
„Keasy KI-Agent“ aktiv, der unter ande- remKunden aus einer Ausweiskopie anle- gen, Bankverbindungsänderungen hin- terlegen und Schadendaten aus Formula- ren auslesen kann. Der größere Teil der befragten Gesellschaften hat solche Tools allerdings noch nicht. Sie arbeiten aber daran, versichern Apella, BCA, JDC, Net- fonds und Qualitypool. Kritik Auch wenn die Pools die Entwicklung der KI-Anwendungen forcieren und viele freie Vermittler an solchen Tools interes- siert sind: Die Euphorie in der Branche hält sich in Grenzen. „Aufgrund der aktuell sehr starken Präsenz des Themas KI in den Medien ist die Nachfrage nach KI-gestützten Systemen auch bei unseren Partnern sehr hoch. Für eine fundierte Aussage zum Nutzungsgrad ist der bishe- rige Betrachtungszeitraum allerdings zu kurz“, stellt Alexander Lehman fest, Vor- stand für Marketing und Vertrieb bei Fondskonzept. Das hat mehrere Gründe. „Grund- sätzlich wird das Thema KI sehr aufge- bauscht“, meint etwa Ralf Hüber, Versi- cherungsmakler aus Schwäbisch Gmünd. Seiner Erfahrung nach funktionieren einige Tools gut, etwa zum Abfassen von Texten und oder für Tarifvergleiche – andere dagegen nicht. Andere Vermitt- ler bestätigten der Redaktion diesen Ein- druck. „Beim Einsatz in der Schadenbe- arbeitung passieren den KI-Systemen noch so viele Fehler, dass ich sie besten Gewis- sens nicht nutzen kann – so jedenfalls meine Erfahrung“, sagt Hüber. Ähnlich kritisch sieht er Tools für Bestandsüber- tragungen. „Die KI-Systeme der Pools sind absatzorientiert, nicht kundenorientiert!“ Experten bestätigen, dass bei den KI- Anwendungen für Makler noch viel Luft nach oben ist – allerdings auch wegen eines Grundproblems: Die Datengrund- lage in den Systemen der Makler lässt oft zu wünschen übrig. „Ohne korrekte Daten kann auch eine KI nicht arbeiten“, betont Henning Plagemann, Geschäfts- führer des Branchenportals Deutsche-Ver- sicherungsboerse.de (DBV). Deshalb rät er Maklern, zunächst einmal ihre Daten und Datenimporte sowie die internen Prozesse zu verbessern. Immerhin setzen die Mak- lerpools KI wohl sehr erfolgreich für die interne Softwareentwicklung ein. „Diesen Bereich haben sie völlig umgekrempelt“, so Plagemann. Die Geschwindigkeit der Programmierung sei um ein Vielfaches gestiegen, da sie mittlerweile bis zu 90 Prozent KI-unterstützt erfolge. Risiken Viele Marktteilnehmer zögern auch, weil der Einsatz von KI und insbesondere von autonom handelnden Agenten mit rechtlichen Risiken behaftet ist: „Mit Blick auf den Datenschutz ist es zunächst wichtig, dass die eingegebenen Daten in der Europäischen Union verbleiben, die KI sie also nicht außerhalb der EU ver- arbeitet oder speichert“, sagt JDC-Vor- standschef Sebastian Grabmaier. „Auch muss sichergestellt werden, dass sämtli- che Datenschutzregularien eingehalten werden. Persönliche Daten dürfen bei- spielsweise nicht dauerhaft in den Model- len verbleiben.“ Ebenfalls problematisch sehen Experten wie Grabmaier autonome Beratungen, etwa bei Umdeckungen, da Haftungsfragen noch nicht geklärt sind. „Die Anbieter von Vermögensschaden- KDIWSijLFKWYHUVLFKHUXQJHQ IĞU 9HUPLWWOHU müssen für KI-induzierte Beratungsfehler erst ihre Deckung nachschärfen. Wie weit Berater beziehungsweise das Unterneh- PHQ KLHU YHUVLFKHUW VLQG LVW QRFK RȬHQĺ erklärt der JDC-Chef. Kritisch sind ferner Risikovoranfragen für den Abschluss einer privaten Kranken- versicherung. Gemäß der EU-KI-Verord- nung gelten „KI-Systeme, die bestim- mungsgemäß für die Risikobewertung und Preisbildung in Bezug auf natürliche Personen im Fall von Lebens- und Kran- kenversicherungen verwendet werden sollen“, als Hochrisiko-KI, an die entspre- chend hohe Anforderungen an Hersteller und Nutzer gestellt werden. Die Pools vertreten hier unterschiedliche Positionen, abschließend rechtlich geklärt ist noch nichts. Doch das wird die Entwicklung kaum aufhalten. JENS BREDENBALS FP 280 fondsprofessionell.de 2/2026 VERTRIEB & PRAXIS Technologie FOTO: © MARIUS BULLING | HÜBER VERSICHERUNGSMAKLER, MAXIMILIAN PORTNER | CLEVER FINANCE Ralf Hüber, Hüber Versicherungsmakler: „Beim Einsatz in der Schadenbearbeitung passieren den KI-Systemen noch viele Fehler.“ Maximilian Portner, Clever Finance: „Ich bin überzeugt, dass es in ein paar Jahren kaumnoch Makler gebenwird, die nicht mit KI-Tools arbeiten.“
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