FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
sonst zum Beispiel ein Zugunternehmen, das Bier in seinem Bordbistro ausschenkt, pauschal ausschließen müssten. Und schließlich gehören auch normbasierte Ausschlüsse dazu, etwa wegen Menschen- rechts- oder Arbeitsrechtsverletzungen oder kontroversem Wirtschaftsverhalten wie Korruption. Kölsch: AberwennSiedenBergbaualskom- plettausgeschlossennennen:Wiepasstdas zurdochauchvonIhnengewünschtenEner- giewende,dieaufRohstoffewieKobaltoder Kupfer angewiesen ist? Rätzel: Die Bergbauunternehmen dieser Welt haben sicher nicht das Problem, dass ihnen Kapital fehlt. Das müssen wir nicht auch noch mitfinanzieren, darin sehen wir nicht unsere Aufgabe. Natürlich benö- tigen wir etwa Kobalt für die Energie- wende, keine Frage. Aber wir verzichten eben bewusst darauf, Rendite zu erzielen, für die Menschen in Kobaltminen schuf- ten. Im Prinzip verhält es sich auch beim Thema Rüstung so. Ohne Zweifel benö- tigt die Ukraine Waffen. Aber wir wollen nicht diejenigen sein, die indirekt amLeid der dortigen Bevölkerung verdienen. Heuser: Der Rüstungssektor gilt bei vielen Marktteilnehmern inzwischen als so etwas wieeinGrenzfall.AuchbeiIhnen?Wiegehen Sieetwamit demAspekt „Dual Use“ um? Rätzel: Wir sind der Auffassung, dass das Thema Rüstung grundsätzlich in staatli che Hand gehört. Das ist nichts, womit wir Geld verdienen wollen. Waffenhandel, deren Produktion sowie entsprechende Schlüsselkomponenten sind daher wie gesagt mit null Prozent ausgeschlossen. Allenfalls für sonstige Rüstungsgüter gilt eine Fünf-Prozent-Schwelle, die wir aber in jedem Einzelfall prüfen. Ein Beispiel dazu: Der Hersteller von olivgrünemMili- tärlack wäre bei der Herstellung der rei- nen Farbe unproblematisch, für den Fall der Produktion von radarabsorbierender Beschichtung mit höherer strategischer Relevanz würde der Anlageausschuss dagegen ein Investment ablehnen. Häu- fig ist das wirklich kein trivialer Aspekt, und wir machen es uns da bewusst nicht leicht. Heuser: Wie gehen Sie mit Daten von ESG- Ratingagenturenum,wennderenEinschät- zungvon Ihrer eigenenabweicht? Hauser: Wir sind ein normativ getriebenes Haus mit durchaus eigenen Schwerpunk- ten. Deshalb vertrauen wir nicht unge- prüft den Daten einer ESG-Agentur. Wir nutzen solche Informationen vielmehr als Input zur Schärfung unseres eigenen Profils, etwa um Aspekte wie Umwelt- managementsysteme an Produktions- standorten oder den Gender-Pay-Gap zu berücksichtigen, die dann in unsere Ana- lysen einfließen. Bei Kontroversen kommt es durchaus vor, dass wir eine Ratingein- stufung ins Negative übersteuern: Wenn eine Agentur nur eine niedrige Warn- stufe vergibt, wir aber ein systematisches Problem erkennen, bringen wir den Fall in den Anlageausschuss, der dann stren- ger entscheiden kann, als es die Agentur nahelegt. Umgekehrt geht das aber nicht, wir können nicht einfach ins Positive übersteuern. Kölsch: Wie sieht glaubwürdiges Engage- mentbeiGLSInvestmentManagementaus? Hauser: Wir verfolgen bei diesem Aspekt zwei Stränge. Statt nur anlassbezogen zu agieren, verfolgen wir jährlich ein über- geordnetes ESG-Thema, auf das wir syste- matisch alle relevanten Portfoliounterneh- men hin untersuchen. Hier ging es zuletzt um Hitzeschutz und entsprechende Unternehmensstrategien zur Anpassung an zunehmende Hitzewellen. Ein gutes Beispiel für anlassbezogenes Engagement bei einzelnen Kontroversen betrifft den dänischen Energiekonzern Ørsted, früher ein Ölkonzern, heute weltweit führend » Für Alkohol gilt eine Toleranz von fünf Pro- zent, weil wir sonst ein Zugunternehmen, das Bier in seinem Bordbistro ausschenkt, pauschal ausschließen müssten. « Andreas Rätzel, GLS Investment Management 104 fondsprofessionell.de 3/2026 MARKT & STRATEGIE Nachhaltig nachgefragt | Andreas Rätzel + Simon Hauser | GLS Investment Management FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL NACHHALTIG NACHGEFRAGT
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