FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
einenMinijob machen, ist das etwas ande- res: Hier können unerwünschte Arbeits- marktverzerrungen ein größeres Problem darstellen. Ein Ziel der Reformen ist es, mehr Men- schen in den Arbeitsmarkt zu bekommen und den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren. Zugleich bleibt das gesamtwirtschaftliche Umfeld herausfordernd, und KI verändert vieleBranchengrundlegend.IstderArbeits- marktderZukunftüberhauptinderLage,so viele Menschen aufzunehmen? Und adres- sieren die Maßnahmen auch das Problem desFachkräftemangels? Deutschland braucht mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und mehr Wechsel- bereitschaft. In einer Zeit des beschleu- nigten Strukturwandels richtet ein rigi- der Arbeitsmarkt Schaden an, wenn er Menschen auf Biegen und Brechen in den Tätigkeiten hält, in denen sie sich befinden. BereitszumStartderLegislaturperiodehat sichdieBundesregierungmit demSonder- vermögenInfrastrukturundKlimaneutralität sogroßeGeldtöpfegesichertwiewohlkeine Regierung zuvor, um Investitionen anzu- schieben. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz zur Investitionsoffensiveaus? Wie befürchtet hat die Bundesregierung im Jahr 2025 die Investitionen im Kern- haushalt gesenkt und damit letztlich Mit- tel aus Verschuldung für Investitionen zweckentfremdet. Im Rüstungsbereich wird darüber diskutiert, ob das Geld für die Waffensysteme von gestern ausgege- ben wird oder für das, was wir morgen brauchen werden. Drohnen, Marschflug- körper und Luftabwehr haben hohe Prio- rität. Europäische Kooperation könnte die Rüstungskosten erheblich senken, findet aber zu wenig statt. MussdieRegierunghierumsteuern?Fallsja: Wiegroß ist IhreHoffnung, dasssiedas tut? Es ist wichtig, dass die Investitionen in den künftigen Haushalten auch im Kern- haushalt gestärkt werden. Sonst haben wir am Ende höhere Schulden, aber keine sanierte Infrastruktur. Sie sagen es. Die Neuverschuldung des Bundes steigt rasant, nicht zuletzt wegen der erwähnten Sondervermögen und der schwachen Konjunktur. Mit den Schulden steigtdieZinslast.DrohtamEndederfiskal- politische Spielraum immer enger zu wer- den,wenndasWachstumnicht anspringt? Der gegenwärtige finanzpolitische Kurs ist nicht nachhaltig. Ohne entschlossene Schritte zur Eindämmung der weniger prioritären Staatsausgaben wird die Schul- denquote in Deutschland in den kom- menden Jahren immer mehr anstei- gen – und mit ihr die Zinslasten in den öffentlichen Haushalten. Der Internatio- nale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass Deutschland finanzpolitische Konsolidie- rung im Umfang von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) braucht. WelcheMaßnahmenwürdenSiesichaußer- dem wünschen, um Deutschland wieder auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu trimmen – und dabei die Menschenmit- zunehmen? Deutschland braucht wirtschaftspolitische Reformen, die es wieder attraktiver machen, hier zu arbeiten, zu investieren und hier Innovationen umzusetzen. Dazu müssen die Staatsausgaben gesenkt und Steuern, entbehrliche Regulierungen sowie Bürokratielasten abgebaut werden. VielenDank für dasGespräch. JOCHEN HÄGELE FP KURZ-V I TA : Clemens Fuest Clemens Fuest zählt zu den bekanntesten Ökonomen Deutschlands, seit April 2016 leitet er das Münchner Ifo Institut. Er bringt sichmit seinen Vorschlägen immer wieder in diewirtschaftspolitische Debatte ein. » Man hat bei der Renten- reform leider den Fehler gemacht, die Generation der Babyboomer kaum zu belasten. « Clemens Fuest, Ifo Institut MARKT & STRATEGIE Clemens Fuest | Ifo Institut 126 fondsprofessionell.de 3/2026 FOTO: © MATTHIAS KATZMAIR FÜR FONDS PROFESSIONELL
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