FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
in Abhängigkeit vom eingepreisten Real- zins kräftig schwanken. Der eingepreiste Realzins ist die Differenz von nominalem Zinsniveau und eingepreisten Inflations- erwartungen. Steigt er, sinkt der Markt- wert der Linker – und umge- kehrt. Diese Kursschwankun- gen können durchaus heftig ausfallen, da die Anleihen mit geringen Kupons und langen Laufzeiten besonders sensitiv reagieren. Dazu – und das ist der zweite Nachteil – sind Real- zinsanleihen auf den ersten Blick nicht besonders hoch verzinst. Aktuell bietet die inflationsindexierte Bundes anleihe mit Fälligkeit 2033 rund 0,9 Prozent Realrendite, die indexierte Bundesanleihe bis 2046 etwa 1,46 Prozent. Was erst einmal nach wenig aussieht, ist im langjährigen Vergleich allerdings sogar ziemlich üppig: In den 2010er- Jahren, als der Markt phasen- weise eine Deflation einpreiste, war die Realrendite über lange Zeiträume sogar negativ. Zudem sind diese Zinsen real und kommen damit „on top“ zur Teuerungsrate. Beträgt die durchschnitt- liche Teuerung über die Laufzeit also drei Prozent, zahlt der Linker insgesamt 3,9 Prozent an laufenden Erträgen aus – kein allzu schlechtes Geschäft. Die Ausgangssituation für Investoren ist demnach durchaus gut, die Versicherung günstig, um im Bild zu bleiben: „Erstmals seit vielen Jahren können Anleger von einer realisierten Inflation profitieren und gleichzeitig eine nennenswerte positive Realrendite erzielen“, sagt Elida Rhenals, leitende Portfoliomanagerin für infla- tionsindexierte Anleihen bei BNP Paribas Asset Management. Anleger müssten für Inflationsschutz nicht länger bezahlen, sondern werden für dessen Halten ent- schädigt, so die BNP-Expertin. Ohnehin hält sie die Euro-Realzinsen gemessen an der Wirtschaftslage für zu hoch, was den Indexanleihen zusätzliches Kurspotenzial verleihen könnte. Andere Mechanismen Wer aber einen Fonds auf inflations- indexierte Anleihen kauft, sollte sich im Klaren sein, dass der Inflationsschutz einer einzelnen Anleihe sich nicht so einfach in einen Fonds übertragen lässt. Da ein Fonds oder ETF eine Vielzahl von Anleihen mit unterschiedlicher Fälligkeit hält, deren Kurse schwanken können, bietet er keinen abso- luten Inflationsschutz über einen bestimmten Zeitraum. „Der Inflationsschutz geht im Fonds nicht verloren, er wirkt lediglich anders“, erklärt Bantleon-Manager Tobias Frei. An die Stelle des planbaren realen Rückzahlungswerts zu einem festen Termin tritt demnach die kontinuierliche Beteiligung an inflationsin- dexierten Zahlungsströmen. „Kurz- und mittelfristig kön- nen allerdings Veränderungen der Realzinsen die positive Wirkung der Inflationsinde- xierung deutlich überlagern“, 132 fondsprofessionell.de 3/2026 MARKT & STRATEGIE Alternative Investments FOTO: © THOMAS WIELAND I BANTLEON, DWS Neues Niveau Inflationserwartung in Deutschland Mithilfe indexierter Anleihen lassen sich die Inflationserwartungen am Markt messen. Und die sind zuletzt deutlich angestiegen – rund 2,1 Pro- zent Teuerung preist der Markt über die kommenden zehn Jahre ein. Diese Differenz der realen Rendite indexierter zur nominalen Rendite tra- ditioneller Anleihen gleicher Laufzeit wird auch als „Break-Even-Infla- tion“ bezeichnet. Liegt die realisierte Inflation über der Break-Even-Rate, schneiden Linker besser ab; liegt sie darunter, wären traditionelle Anleihen die bessereWahl gewesen. Quelle:MacroMicro 0,0 % 0,5 % 1,0 % 1,5 % 2,0 % 2,5 % 2026 2020 2015 2009 Break-Even-Inflationsrate (10 Jahre) Tobias Frei, Bantleon: „Der Inflationsschutz geht imFonds auf inflationsindexierte Anleihen nicht verloren, er wirkt lediglich anders.“ Lukas Ahnert, DWS: „Vor allemÄnderungen in den Inflationserwartungen sind für dieWertentwicklung der Linker entscheidend.“
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