FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
bis Zweifachen der realisierten Kerninfla- tion – vor allemweil Pensionskassen einen Aufschlag auf die Lohninflation brauch- ten. Das Quantitative Easing hat diese Beziehung gebrochen, und erst seit 2021 kehrt dieses Phänomen nach und nach wieder zurück. Bei drei Prozent Inflation braucht man als Investor eben fünf bis sechs Prozent Rendite, sonst ist die Sicher- heitsmarge nicht attraktiv genug. GoldisteinbedeutenderBausteinIhresPort- folios.IstesfürSieInflationsschutz,Absiche- runggegenfiskalischeDominanzoderpsy- chologischerDiversifikator? Zunächst einmal halte ich Gold ganz all- gemein für eine Art seltsames Anlagegut. Es hat keinen innerenWert, keinen hand- fest berechenbarenWert. Deshalb kann es imGrunde null oder eben auch unendlich viel wert sein. Gekauft haben wir erstmals im April 2020. Nicht wegen der Inflation, sondern weil der Rentenmarkt seine Auf- gabe nicht mehr erfüllen konnte, ähnlich wie in den 1940er- und den 1970er-Jahren. Tückisch ist: Verglichen mit dem Anlei- henmarkt ist der Goldmarkt geradezu winzig. Schon relativ kleine Zuflüsse wir- ken konvex. Getragen wurde die später folgende Rallye nicht durch die Inflation, sondern von den Notenbanken. Seit Ende 2025 und verstärkt im ersten Quartal 2026 haben wir allerdings viel Gold verkauft, weil der jüngste Anstieg eher vonMomen- tum getragen war, nicht von einer Frage der Preisfindung. Da haben Spekulanten gekauft, während die Notenbanken sich bereits wieder zurückzogen. IhrPerformancemusteristbewusstholprig. WieoffensprechenSiedasan? Vorbehaltlich der Offenlegungspflichten versuchen wir vollständig transparent zu sein, sonst funktioniert es nicht. Wir schreiben lange Briefe, legen alle verfügba- ren Daten offen und sagen auch, was wir tun werden, wenn sich die Lage ändert. Was wir nicht können, ist die Frage von Kunden zu beantworten, welche Rendite ihnen individuell genügt. Unsere Klientel besteht großteils aus Familien, die selbst Unternehmen aufgebaut und mehrere Zyklen durchlebt haben. Für die ist Kapi- talerhalt keine Marketingfloskel. Aber wenn jemand zum Schluss kommt, dass unser Ansatz nicht zu ihm passt, muss er sein Geld anderswo anlegen. Sie haben in Ihrer Jugend den Titel eines Internationalen Schachmeisters erreicht. Waskönnen InvestorenvonSchachspielern überGeduld, DisziplinunddenUmgangmit Fehlern lernen? Im Grunde sind alle drei gleich wichtig. Geduld, weil wir unseren Fonds mit Blick auf drei bis fünf Jahre managen. Wertvolle Einsichten sind nun einmal nicht kosten- los, ihr Preis ist die Zeit. Disziplin benö- tigt man, weil viele Anreize einen immer wieder in eine andere Richtung ziehen. Beim Thema Fehler hört die Analogie allerdings auf. Denn im Schach ändern sich die Regeln nicht, beim Investieren schon. Keine Periode gleicht der vorhe- rigen, die Zahl möglicher Fehler wächst mit jedem Jahr. Ich versuche nur, sie nicht zweimal zu machen. Was ich von exzel- lenten Schachspielern wie Garri Kasparow gelernt habe, ist etwas anderes: Wennman genug Spiele spielt, macht man zwangsläu- fig Fehler und gerät in schwierige Situatio- nen. Aber in einer vermeintlich verlorenen Stellung muss man sich einfach konzent- rieren, hart arbeiten und versuchen, neue gute Ideen zu entwickeln. VielenDank für dasGespräch. HANS HEUSER FP KURZ-V I TA : Edward Dearing Edward J. Dearing ist Aktienportfoliomanager bei MFS Investment Management in London. Seit 2018 verant wortet er die Prudent-Capital-Strategie. Zuvor war der studierte Jurist Aktienanalyst bei MFS und Structured- Credit-Spezialist bei der Deutschen Bank. » Im Schachspiel ändern sich die Regeln nicht, beim Investieren allerdings schon. Keine Periode gleicht der vorherigen. « Edward Dearing, MFS MARKT & STRATEGIE Edward Dearing | MFS 148 fondsprofessionell.de 3/2026 FOTO: © NIGEL DICKINSON FÜR FONDS PROFESSIONELL
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