FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

Bei geschlossenen Fonds wird die Rendite typischerweise als IRR ausgewiesen, wäh- rend bei ELTIFs und semiliquiden Pro- dukten häufig annualisierte Renditen oder NAV-Entwicklungen im Vordergrund stehen. Diese Kennzahlen folgen unter- schiedlichen Berechnungslogiken und sind daher nicht ohne Weiteres miteinan- der vergleichbar. Der bei den Private Markets vielbemühte Begriff der Illiquiditätsprämie klingt einer- seits ganz toll, könnte aber auch eine Art Gebrauchtwagenhändler-Trick sein, weil sich eigentlich niemand etwas Konkretes daruntervorstellenkann.Wiegeht es Ihnen damit? Den Begriff halte ich für missverständlich. Er suggeriert, dass man schon Geld dafür bekäme, weil etwas illiquide ist. Eine even- tuelle Mehrrendite kommt jedoch nicht dadurch zustande, dass ein Asset illiquide ist. Private Markets haben aber eine gerin- gere Volatilität, weil ihre Assets nur quar- talsweise bewertet werden. Aber davon abgesehen ist das Ziel von Private Markets schon, eine Überrendite imVergleich zum liquiden Markt zu erzielen. Sind Assets liquide, kann ein Anleger auch mit ihrem Handel oder mit gutem Timing Erfolgeerzielen.FälltdieHandelbarkeitweg wiebeidenPrivateMarkets,dannhängtder Erfolg des Investments am Erfolg der ein- zelnenExits ineinemFonds, dessenUnter- nehmenaberimmerlängerinprivaterHand bleiben.DieBörseistkeinverlässlicherExit- Partnermehr für Privatmarkt-Assets. Wel- che Rolle kommt da den sogenannten Con- tinuationVehicles zu? Sie sind ein weiterer Exit-Kanal, der sich zu etablieren beginnt. Wir sehen immer mehr davon. Für sich genommen ist ein Continuation Fund nicht grundsätzlich gut oder schlecht. Einmal mehr kommt es darauf an, zu welchen Konditionen er angeboten wird, mit welcher Bewertung und mit welchen Möglichkeiten die Limi- ted Partner ausgestattet sind. Wenn das fair gestaltet ist, ist das für beide Seiten – für neue Anleger und solche, die aus- steigen wollen – eine gute Möglichkeit. Deshalb ist es wichtig, dass ein unabhän- giger Berater die Bewertung, die Kondi- tionen und die Optionen für die Anleger genau prüft. Woran erkennt der Berater, ob das fair gestaltet ist oder nicht? Ein guter Berater kann die vorgenomme- ne Bewertung aus externer Perspektive beurteilen und einschätzen, ob die eigene Entscheidung, zu gehen oder zu bleiben, wirklich frei ist. Möglicherweise hängt eine Entscheidung auch von einzelnen Großinvestoren ab, sodass Ergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen können. Wir schauen uns als Berater auch die weitere Fee-Gestaltung an, wann der Investor, der aussteigen will, sein Geld bekommt und wie die alternativen Exit-Optionen in der Zukunft aussehen würden. JetzthabenSiedasPhänomenbeschrieben, ohnedenBegriffdesInteressenkonfliktszu verwenden.Aberdarumgehtesdoch,oder? Ja, der Interessenkonflikt steht vor allem dann im Raum, wenn der bisherige Manager Assets in ein Continuation Vehicle verkauft und auch diesen neuen Fonds managt. Dann muss sehr genau geprüft werden, ob die Interessen der aus- steigenden und der verbleibenden Anle- ger fair austariert sind. Das ist schwierig. Deswegen sollten unabhängige Dritte den Prozess begleiten. VielenDank für dasGespräch. TILMAN WELTHER FP KURZ-VITA: Nicole Grützmacher Die Diplom-Betriebswirtin und Immobilienökonomin Nicole Grützmacher entwickelt und steuert bei Feri das Private-Markets-Angebot für private und institutionelle Kunden. Sie hat mehr als 25 Jahre Erfahrung in den Bereichen Private Equity, Immobilien und Infrastruktur. » Je kleinteiliger man einsteigen kann, umso wichtiger wird das Wissen um die Funktionsweise von Private Markets. « Nicole Grützmacher, Feri SACHWERTE Nicole Grützmacher | Feri 198 fondsprofessionell.de 3/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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