FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
an. Das Netzanschlusspaket soll nun den Zubau stärker an die jeweils vorhan- dene Netzkapazität koppeln und weist dafür bestimmten Gebieten Einspeise- Obergrenzen zu. Weil das die Kosten für ein Engpassmanagement senken würde, könnte, so die Argumentation der Bun- desregierung, der Anstieg der Netzentgelte gedämpft werden. Während Projektent- wickler bisher einen Anspruch auf einen Netzanschluss hatten, sollen mit dem neuen Gesetz die Projekte priorisiert werden, die sich am meisten an den vor Ort verfügbaren Netzkapazitä- ten orientieren („Systemdien- liche Anschlussleistung“). Hauruck-Verfahren Die Bundesregierung be- kennt sich nach wie vor zum – noch von der Ampel-Regie- rung beschlossenen – Ziel, die erneuerbaren Energien so zu fördern, dass sie bis zum Jahr 2030 vier Fünftel des Strom- aufkommens in Deutschland bestreiten können. So sieht der EEG-Entwurf etwa vor, dass das aus- zuschreibende Volumen für Windenergie an Land auf zwölf Gigawatt erhöht wird. Nach Veröffentlichung der beiden Entwürfe haben aber alle relevanten Verbände rebelliert. Woher rührt der Unmut in der Branche? „Es ist nicht die stärkere Marktpreisorientierung, die den Aufschrei auslöst – diese ist grund- sätzlich wünschenswert und richtig –, sondern das Hauruck-Verfahren, in dem dies geschehen soll“, sagt Jörg Busboom, Vorstand des Fondsanbieters Ökorenta. Zwar sind Bestandsanlagen von den Neuerungen ausgenommen, aber es gibt viele Projekte, die unter den alten Bedin- gungen kalkuliert wurden und mit deren Umsetzung bereits begonnen wurde. „Die müssten nun unter neuen Bedingungen fertiggestellt werden und sich trotzdem rechnen. Das kann nicht funktionie- ren. Außerdem kann es nicht sein, dass die Netzbetreiber ihren Einfluss nutzen konnten, den Schwarzen Peter allein der Branche der Erneuerbaren zuzuschieben, obwohl sie selbst einen entscheidenden Anteil am Dilemma unseres Stromsys- tems durch nicht modernisierte und erweiterte Netzkapazitäten haben“, ärgert sich Busboom. Neue Erfolgsfaktoren Die neuen Regeln würden auch die Parameter des wirtschaftlichen Erfolgs der Anlagen neu gewichten. „Bei neuen Pro- jekten werden Standortwahl und verfüg- bare Netzanschlusskapazität noch stärker über die Wirtschaftlichkeit entscheiden. Die stärkere Verlagerung von Netzeng- pass- und Abregelungsrisiken auf die Betreiber kann den Ausbau gesamtwirt- schaftlich bremsen, während bestehende beziehungsweise gut angebundene Anlagen aufgrund knapper Netzan- schlusskapazitäten relativ an Wert gewinnen können“, ana- lysiert Daniel Tubik, Portfolio- manager bei GLS Investment. Neben der Höhe der Erlöse für eingespeisten Wind- und Solarstrom wird künftig erfolgsentscheidend sein, wie gut sich der erzeugte Strom vermarkten lässt. Wichtig ist dann insbesondere, als wie fle- xibel sich ein Projekt erweist, die jeweils vor Ort gegebenen Netzbedingungen bedienen 214 fondsprofessionell.de 3/2026 SACHWERTE Erneuerbare Energien FOTO: © JAN GALKA I GLS INVESTMENT, CHRISTOPH HEMMERICH | FONDS PROFESSIONELL | ÖKORENTA Ökostrom im Überfluss Anteile erneuerbarer Energien (EE) am deutschen Strommix Produzieren Kraftwerke erneuerbarer Energienmehr Strom, als das Netz aufnehmen kann, werden sie gedrosselt. Quelle:Fraunhofer ISE|Stand:31.7.2026 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % Anteil EE an der Last Anteil EE an der Erzeugung 2026 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 2017 Anteil EE an der Erzeugung Anteil EE an der Last Daniel Tubik, GLS Investments: „Standortwahl und verfügbare Netzanschlusskapazität werden noch stärker über dieWirtschaftlichkeit entscheiden.“ Jörg Busboom, Ökorenta: „Es kann nicht sein, dass die Netzbetreiber den Schwarzen Peter allein der Branche der Erneuerbaren zuschieben.“
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