FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan: Was bringt mehr? Mit Zuschuss und steuerlich begünstigt in Fonds investieren: Auf den ersten Blick spricht alles für das Altersvorsorgedepot. Doch nach Steuern kann ein ungeför- derter Sparplan sogar besser abschneiden. Das zeigt eine ver- einfachte Berechnung, die Ansgar Lürwer für FONDS professionell erstellt hat. Lürwer ist Geschäfts- führer von Advision 360, einem Softwarehaus aus Köln, das Vergleichsrechner für Finanzberater und Versicherungsvermittler anbietet. AV-Depot-Sparer: Ein im Jahr 2027 35 Jahre alter Mann mit einem Bruttoeinkommen von 10.000 Euromonatlich, der keine Kinder hat, zahlt bis zumJahr 2059monatlich 150Euro inein AV-Depot ein und bekommt damit die maximale Grundzulagevon540Euro.Damitwürdenjährlich 2.340 Euro in seine staatlich geförderte private Altersvorsorge (Schicht 2) fließen. In der Tabelle unten handelt es sich umKunde 5. Annahmen: DieAktienfonds inseinemDepot erzielen im Schnitt eine jährliche Rendite von sechs Prozent, der Basiszins zur Berechnungder Vorabpauschale wird mit durchschnittlich 2,53 Prozent angenommen, der Sparerpauschbetrag von aktuell 1.000 Euro pro Jahr wird angerech- net. Die Fondskosten betragen 0,2 Prozent. Die steuerliche Teilfreistellung beläuft sich auf 30 Prozent. Der Grenzsteuersatz inder Rentenphase liegt bei 27,2 Prozent. ETF-Sparer: Ein zweiter Spa- rer, für den die gleichen Grund- voraussetzungen gelten, lässt bis zu seinem 67. Lebensjahr monat- lich ebenfalls 150 Euro (jährlich 1.800 Euro) in einen privaten, nicht geförderten ETF-Sparplan (Schicht 3) einfließen. Endbetrag: Nach 32 Jahren punktet auf- grund der Förderung sowie der Steuerstundung der Erträge in der Ansparphase beim Alters- vorsorgedepot zunächst einmal klar das staat- lich geförderte Modell: Dem AV-Depot-Sparer stünde ein Endkapital von 198.108 Euro zur Ver- fügung,beimETF-Anlegerwärenes156.435Euro. WürdeinbeidenBeispielenabdem67.Lebensjahr einAuszahlungsplanbis zumAlter von90Jahren gewählt, und ginge man dabei von einer jährli- chenRenditevondreiProzentaus,könntederAV- Depot-Sparermit einermonatlichen Zusatzrente von948Eurorechnen,derETF-Anlegermitledig- lich 766 Euro – allerdings vor Steuern. Besteuerung: Der AV-Depot-Sparermuss in der Auszahlungsphase alle Einzahlungen nach- gelagert mit seinem im Ruhestand geltenden persönlichen Einkommensteuersatz versteuern, und zwar bis zu einer Höhe von 1.800 Euro pro Jahr, außerdem die staatliche Förderung sowie sämtliche erzieltenErträge. Für denETF-Anleger hingegen fällt dieAbgeltungsteuer auf die erziel- ten Erträge inHöhe von 25Prozent plus Solidari- tätszuschlag(Kirchensteuerwirdnichtangenom- men) an, abzüglich der bereits gezahlten Vorab pauschalen und der steuerlichen Teilfreistel- lung. Damit würde der ETF-Sparer netto auf eine monatlicheSumme von723 Euro kommen. Auch der AV-Depot-Sparer könntediesenBetragerzie- len. Dafür dürften dieKosten für denDepotman- tel allerdings nicht höher liegen als ein Prozent. Übersparen: Der ETF-Anleger zahlt 32 Jahre lang monatlich weitere 375 Euro (jährlich 4.500 Euro) in seinen Sparplan ein. Lässt er sich das angesparte Kapital nach 32 Jahren auszahlen, hätteer auch jetzt dieErträgemit der Abgeltung- steuer plus Solidaritätszuschlag zu versteuern, abzüglich der geleisteten Vorabpauschalen und der Teilfreistellung. Der Sparer, der ebenfalls 32 Jahrelangzusätzlich375EuroseinAV-Depotein- gezahlt hat,müsstebei Auszahlunghingegendie Hälfte der Erträge mit seinem persönlichen Ein- kommensteuersatz versteuern. Nach Steuern kämederETF-AnlegeraufeinKapitalvon331.250 Euro. Auch der AV-Depot-Sparer könnte diese Summe erreichen, dafür dürften die Kosten für den Depotmantel allerdings nur bei 0,55 Prozent liegen. Berücksichtigt man auch die geförderten Beiträge, dürften sich die Kosten für das Alters- vorsorgedepot insgesamt maximal auf 0,61 Pro- zent belaufen, damit das geförderte Modell mit dem nicht geförderten ETF-Sparplan gleichzie- hen kann. Auszahlungsplan: Für Aus- zahlungspläne war die konkrete steuerliche Behandlung des auf nicht geförderte Beiträge entfal- lenden Leistungsanteils in der praktischen Umsetzung bis zum Redaktionsschluss noch nicht in allen Details geklärt. Eine belast- bare Modellrechnung war daher nicht möglich. DieBerechnungenstelleneinvereinfachtesBeispieldar.Individu- ellesteuerliche,rechtlicheundvertraglicheBesonderheitensowie weitereEinflussfaktorenwurdennichtberücksichtigt.Dietatsäch- lichenErgebnissekönnenabweichen.DasBeispielstelltkeine individuelleAnlage-,Steuer-oderRechtsberatungdar. Quelle:Advision360fürFONDSprofessionell Wann sich die staatliche Förderung lohnt Kunde 1 Kunde 2 Kunde 3 Kunde 4 Kunde 5 Kunde 6 Alter: 55 55 55 35 35 35 Bruttogehalt: 5.000 10.000 10.000 5.000 10.000 10.000 Kinder: 0 0 2 0 0 2 Kosten ETF: 0,20% 0,20% 0,20% 0,20% 0,20% 0,20% AVD-Kostengrenze: 0,60% 1,15% 1,70% 0,34% 1,00% 1,00% Nettoentnahme ETF: 149 149 149 723 723 723 Nettoentnahme AVD: 148 148 148 722 722 725 Vergleich eines ungeförderten Sparplans (ETF) mit einemAltersvorsorgedepot (AVD). Was die „AVD-Kosten- grenze“ aussagt? Bei niedrigeren AVD-Kosten lohnt sich das Altersvorsorgedepot, bei höheren der ETF-Sparplan. Annahmen füralleMusterkunden:monatlicherEigenbetrag150Euro,Steuerklasse III,Renteneintrittsalter67Jahre,Rentenphase23Jahre(bisAlter90Jahre),Rendite inderAnsparphase6%,Rendite inderAus- zahlungsphase3%,angerechneterSparerpauschbetrag1.000Europ.a.,BasiszinsderVorabpauschale2,53%p.a. Quelle:Advision360 fürFONDSprofessionell 324 fondsprofessionell.de 3/2026 VERTRIEB & PRAXIS Altersvorsorgedepot
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