FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

Spezielle Tools für Finanzplaner werden im Zusammenhang mit der KI-Nutzung kaum erwähnt, offenbar bieten sie kaum KI-Funktionen. Die Umfrage ergab ferner, dass die Hälfte der Finanzprofis lediglich zehn Prozent ihrer Aufgaben mithilfe von KI erledigt, ein weiteres Viertel maximal 25 Prozent der Tätigkeiten. Nur eine Min- derheit setzt noch stärker auf KI. Verschiedene Welten Die noch geringe Nutzung überrascht auf den ersten Blick, hat aber ihre Gründe. Doch von vorn: „Sehr wichtig für Finanz- planer ist, dass die ersten Schritte der Betreuung, vor allem die Dokumenten- auslese und die Datenerfassung, sauber ausgestaltet werden. Das ist der Teil des Beratungsprozesses, der bei Weitem am meisten unnötige Zeit beansprucht und dabei extrem fehleranfällig ist“, berichtet Patrick Alex, Mitgründer des Software­ anbieters Sabia. „Entscheidend dabei ist, dass die Daten sauber sortiert, eingeordnet und speziell für die Prozesse der Finanz- planung nutzbar gemacht werden.“ Nütz- lich seien in diesemZusammenhang auch automatische Transkripte und Zusam- menfassungen von Gesprächen. Zwar ist dieses Auslesen von Doku- menten längst möglich und für viele selbstverständlich geworden. Ein KI-Tool, das diese eben genannten Aufga- ben erledigt und dann selbst- ständig weitere Schritte etwa mit Blick auf die Portfolio- konstruktion initiiert, existiert in Deutschland aber nicht. „Es gibt viele sehr gute Insel- lösungen für bestimmte Auf- gaben“, weiß Sebastian Jersch, Geschäftsführer der auf Finanzplanung und Vermö- gensmanagement spezialisier- ten Neo Consult aus Marburg. „Die einen sind stark imVersi- cherungsbereich und verfügen über Bipro-Anbindungen, andere helfen im Investment- und Depotgeschäft. Hinzu kommen Finanzplanungssysteme und Dokumentenlösungen.“ Das Kernproblem aus Sicht des Praktikers ist, dass diese unterschiedlichen Datenwelten bislang nicht bruchfrei in einer gemeinsamen Kundenakte zusammenlaufen. „Aktuell haben wir es mit einem Flickenteppich an Software zu tun, der konsolidiert werden muss“, ergänzt Alex. Das versuchen dem Softwarespezialisten zufolge allerdings nur wirklich technikaffine Berater, die eher rar gesät sind. Den Experten zufolge lassen sich die verschiedenen Systeme auch nicht so einfach verknüpfen. Die Folge: Bei der eigentlichen Finanzplanung bleibt KI (noch) außen vor. Vorreiter In anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien ist das entsprechende Angebot dem deutschen Markt Exper- ten zufolge um mehrere Jahre voraus. Dort existieren bereits KI-Tools, die etwa Gespräche mit Kunden aufzeichnen, direkt zusammenfassen und analysieren (siehe auch das Interview auf der nächsten Seite). „Die beiden Märkte sind einfach größer“, erklärt Reyers. „In den USA gibt es mehr als 100.000 Berater, die zudem unabhängig und gegen Honorar arbei- ten. Wegen der hohen Nachfrage lohnt es sich für Softwarehersteller eher, spezielle Produkte für diese Zielgruppe anzubie- ten.“ In Deutschland arbeiten dagegen nur gut 1.600 CFPs (siehe auch Seite 342). Hürde Regulierung Auch die Regulierung in Form der Datenschutzgrund- verordnung (DSGVO) und der europäischen KI-Verord- nung gilt als Hindernis. Die DSGVO etwa setzt der Spei- cherung von Daten eines Ver- brauchers enge Grenzen, in vielen Fällen ist eine Löschung gefordert. „Bei einer KI ist völlig unklar, wo die Daten herkommen, verarbeitet und gespeichert werden. Wie soll 348 fondsprofessionell.de 3/2026 FINANZPLANUNG SPEZIAL Künstliche Intelligenz € FOTO: © SEBASTIAN JERSCH | NEO CONSULT Kerngeschäft außen vor Tätigkeiten, für die (sehr) häufig KI genutzt wird* Für Aufgabenwie die Ruhestandsplanung nutzen Finanzplaner kaumKI. *Auswahlaus insgesamt17Tätigkeitsbereichen Quelle:UmfragedesFPSBDeutschland imJuli2026,Teilnehmer:1.046zertifizierteBerater Kundenkommunikation ZusammenfassungvonUnterlagen VorbereitungvonKundengesprächen Marktanalyse/Research Produktauswahlund-vergleich Marketing/Kundenakquise SteuerlicheSzenarien AnalysederfinanziellenSituation EstatePlanning/Nachfolgeplanung Risiko-undAnlegerprofilierung Ruhestands-undLiquiditätsplanung ErstellungvonFinanzplänen 36,0 % 33,3 % 27,0 % 24,8 % 19,1 % 17,1 % 10,3 % 9,0 % 6,2 % 6,1 % 4,8 % 3,7 % Antwortender Finanzplaner » Bei einer KI ist völlig unklar, wo die Daten her- kommen, verarbeitet und gespeichert werden. « Sebastian Jersch, Neo Consult

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