FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

men weiterentwickeln lässt. Uns ist dabei ein partnerschaftliches Miteinander mit engem Austausch wichtig, um die Firma gemeinsam nach vorn zu bringen. Hendrik Leber: Ich bin jetzt 69, und jeder weiß, dass man nicht ewig lebt. Man lässt zudem mit dem Alter nach; das ist ganz einfach so. Also organisiert man recht­ zeitig einen neuen Kapitän für die Firma. Wir haben Acatis schon vor Jahren in eine Familienstiftung eingebracht, damit sie über den Tag hinaus Bestand haben wird. Jemanden auf der Managementseite zu haben, der noch viel Potenzial sieht und zehn Jahre jünger ist, das ist für mich die perfekte Aufgabenteilung. Acatis hat noch so viel Potenzial – gerade im Sparkassen­ bereich, den haben wir noch gar nicht vollständig ausgeschöpft. AberdieInvestmentbrancheklagtdochüber zunehmenden Konsolidierungs- und Kos- tendruck.WiepasstdaszuIhrerZuversicht? Leber: Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass es den Konsolidierungsdruck ja nicht erst seit gestern gibt. Das Thema ETF hat ihn lediglich beschleunigt. Der Druck kommt auch nur teilweise vom Markt und zwingt so einige Teilnehmer durch die Entwicklung auf der Margen­ seite zusammen. Aber auch im Backoffice und in der Administration stecken oft noch zu hohe Kosten. Wir gehören zum Glück laut einem jährlichen McKinsey- Branchenvergleich zu den effizientesten Akteuren in Deutschland und können den Druck bisher gut abfangen. Und meine Motivation ist, mit KI-Hilfe im Prozess noch deutlich effizienter zu wer­ den. Perspektivisch soll das auch kleinere Mandate ab zehn Millionen Euro kosten­ effizient handhabbar machen, was heute noch nicht möglich ist. Wobei gerade Acatis den Druck zuletzt zu spürenbekommenhat.DieverwaltetenGel- der sind von über zehn auf gut acht Milliar- denEurogesunken.Allesnurmarktbedingt? Leber: Das geht ein Stück weiter zurück. Vor gut drei Jahren haben wir ein sehr großes Mandat über mehrere Milliarden Euro verloren, bei demwir genau unseren Stil eines ruhigen, langfristigen Investie­ rens gefahren sind. Dem Kunden wurde das irgendwann zu langweilig, er wurde ungeduldig, und der erste große Brocken floss ab. Hinzu kommt eine einfache Mechanik: Je mehr Geld in Index-ETFs fließt, desto mehr wird von „unseren“ Qualitätstiteln verkauft. Das haben nicht nur wir, sondern auch andere Manager von aktiv gemanagten Mischfonds erlebt. Zudem nehmen viele Anleger aktuell ein­ fach Gewinne mit. Seit etwa einem Vier­ teljahr aber habe ich das Gefühl, dass die Entwicklung sich wieder dreht und neues Interesse entsteht. Was zeichnet heute eine Boutique wie Aca- tisgegenüber denganzGroßennochaus? Schrieber : Das ist vor allem die Schnellig­ keit: Bei der Auflage unseres Acatis Alters­ vorsorgedepot ETFs lag der Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt bei weni­ genWochen. Ich hatte selbst Gelegenheit, ETFs bei sehr großen Häusern aufzulegen, und selbst dort hat das oft zwölf Monate gedauert. Wenn wir bei Acatis ein Kosten­ problem bei den Verwaltungskosten eines Fonds haben, setzen sich die Entscheider zusammen und ändern es einfach. Das betrachte ich als einen echten Vorteil unserer kleineren Struktur. Beim Thema Altersvorsorgedepot sehen wir zudem, wie hart der Wettbewerb schon heute ist. Manche verschenken ihre Leistung praktisch. Wir setzen dagegen auf echten KURZ-V I TA : Hendrik Leber Hendrik Leber, geboren 1957 in Essen, hat in St. Gallen promoviert. Seine Karriere startete er bei McKinsey, später wechselte er zumBankhausMetzler. 1994 gründete Leber in Frankfurt den Vermögensverwalter Acatis Investment, den er seither als Value-Investor führt. » Wir haben Acatis schon vor Jahren in eine Familienstiftung eingebracht, damit sie über den Tag hinaus Bestand haben wird. « Hendrik Leber, Acatis VERTRIEB & PRAXIS Hendrik Leber + Thorsten Schrieber | Acatis 368 fondsprofessionell.de 3/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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