FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

Mehrwert, den wir dennoch kostengüns- tig bereitstellen können. Aber habenValue-Strategienwie Ihre lang- fristignochZukunft?Oderwerdensiekünf- tig nur eine Art Zwischenstation sein, wenn Growthgerademalwieder schwächelt? Schrieber : Für uns ist entscheidend, was Value heute tatsächlich bedeutet. Wir suchen gezielt Titel mit Zukunftscharak- ter, nicht nur klassische Burggraben-Werte im Sinne von Warren Buffett. Wenn der Markt wie aktuell momentumgetrieben die teuersten Titel nach oben hebelt, wird die Bewertungsdifferenz zwischen Preis und Wert irgendwann so groß, dass gera- dezu automatisch Korrekturphasen ent- stehen. Und dafür sind wir gut aufgestellt. Viele Anleger haben zudem noch nie erlebt, wie sich eine echte Krise anfühlt, und wissen die Konsequenzen deshalb nicht richtig einzuschätzen. Die nächste Krise wird aber nun einmal unweigerlich kommen, das zeigt jedes Geschichtsbuch. Können Geduld und, wie Sie selbst sagen, eine„gewisseSturheit“tatsächlicheinWett- bewerbsvorteil sein? Leber: Wir sprechen intern oft von der Entdeckung der Langsamkeit. Ein Schnel- ligkeitsspiel um Sekunden, Abwicklung und Kosten werden wir unzweifelhaft nicht gewinnen können. Resultierend aus den Auswertungen von Eugene Fama und Kenneth French läuft Momentum lange gut, bis es irgendwann gewaltig knallt. Durch solche Stressphasen wollen wir ruhig hindurchmarschieren. Zumal unsere Kunden in der Regel ohnehin langfristig Vermögen aufbauen wollen. Wir managen einen Fonds für einen sehr wohlhabenden Anleger, bei dem wir jährlich nur ein bis zwei von 50 Aktien herausnehmen. Das sind Aktien für die Ewigkeit, die man einfach wachsen lässt. ImMoment stellen sich viele die Frage, wie lang der aktuelle KI-Boom an den Börsen nochanhaltenkann.WasantwortenSie? Leber: Künstliche Intelligenz als Treiber an sich wird uns sicher noch zehn, wenn nicht 20 Jahre begleiten. Aber was wir gerade an der Börse erleben, ist nur ein Zwischenschritt. Wir bewegen uns von der sprachlichenWelt der Large Language Models hin zur KI in der physischenWelt, zur Robotik. Und da haben wir sicher noch viele Entwicklungsstufen vor uns. Die eigentliche Frage lautet: Wer bezahlt am Ende dafür? Investitionen von rund 800Milliarden Dollar stehen Erträgen von gerade einmal etwa 80 Milliarden gegen- über, während sich gleichzeitig Abnahme­ verpflichtungen von rund drei Billionen Dollar aufgetürmt haben. Das ist im Grunde wie beim Goldrausch: Ein paar Akteure werden stark bleiben, andere wer- den früher oder später aufgeben müssen. Und nach einer Enttäuschungsphase wer- den schließlich nur wenige große Namen übrig bleiben. Wie in früheren Spekulationsblasen auch, meinenSie? Leber: Absolut! Denn wir wissen doch längst, dass sich das Muster immer aufs Neue wiederholt: Tulpenmanie, Süd- seeblase, später der Kanalboom in Eng- land, den dann die Eisenbahn ablöste, und Anfang der 2000er die New Eco- nomy. Der Anteil einer neuen Branche am Aktienmarkt steigt dabei stark an, erreicht einen Peak, Marktanteile werden in der Spitze teuer erkauft, und es wird massiv überinvestiert. Am Ende lässt sich die Rechnung dann nicht mehr bezahlen, und es folgt der Bruch mit Kollaps und Konsolidierung. KURZ-V I TA : Thorsten Schrieber Thorsten Schrieber ist Bankbetriebswirt mit über 25 Jahren Erfahrung imAsset Management. Er war unter anderembei der Credit Suisse tätig und zuletzt Vorstand bei DJE Kapital. Nun verantwortet er als Co-Geschäfts- führer bei Acatis Vertrieb, Marketing und Strategie. » Wir suchen gezielt Titel mit Zukunftscharakter, nicht nur klassische Burggraben-Werte im Sinne von Warren Buffett. « Thorsten Schrieber, Acatis VERTRIEB & PRAXIS Hendrik Leber + Thorsten Schrieber | Acatis 370 fondsprofessionell.de 3/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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