FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
Solides Fundament Viele europäische Fondshäuser sind Teil eines Finanzkonzerns. Manche dieser Töchter standen zum Verkauf. Doch Banken und Versicherer schätzen das Asset-Management-Geschäft wieder. Z uverlässig, aber ein bisschen bieder – so ließe sich der Ruf der Fonds- sparte in einer Bank beschreiben. Denn während die Investmentbanker mit spek- takulären Gewinnen aufwarten und das Privat- wie das Firmenkundengeschäft ein großes Volumen stemmen, nehmen die Asset-Management-Einheiten meist eine Nebenrolle ein. Ihre Bedeutung fällt je nach Konzern und Großwetterlage unterschiedlich aus. In manchen Phasen können sie stabilisierend wirken, wenn andere Segmente in den Krisenmodus verfallen, wie Beispiele aus der Branche zeigen. Manchmal jedoch stellt sich selbst das scheinbar langweilige Asset Manage- ment als Krisenherd heraus. Grundsätzlich wartet das Fondsgeschäft mit mehreren Vorzügen auf. „Das Asset Management ist im Vergleich zu anderen Geschäftsfeldern der Banken eine sehr stabile Ertragsquelle“, erläutert Johann Scholtz, Bankenanalyst der Ratingagentur Morningstar. So schaffe dieser Bereich insbesondere bei Universalbanken einen Ausgleich zu den Zinserträgen und den Kreditausfällen, die sehr konjunkturab- hängig sind. „Zudem erfordert das Asset Management nur wenig Eigenkapital“, ergänzt Scholtz. Das führe dazu, dass das Fondsgeschäft die Eigenkapitalrendite für die Banken erheblich steigert. „Das her- kömmliche Bankgeschäft ist dagegen sehr kapitalintensiv.“ Sprich: Mit vergleichsweise geringem Einsatz erschließen sich die Institute ein Geschäft, das zwar keine großen Sprünge macht, aber auch keine großen Verluste einbrockt – meistens jedenfalls. Ein weiterer Vorzug des Asset Manage- ments ist, dass es sich nahtlos in die Ange- botspalette der Banken und Versicherun- gen einfügt und als Instrument für die Kundenbindung dienen kann. „Dahinter steht folgendes Kalkül: Wenn ein Kunde gleich mehrere unterschiedliche Produkte einer Bank nutzt, ist er weniger geneigt, zu einem anderen Anbieter zu wechseln“, erläutert Scholtz. Denn in vielen euro- päischen Märkten ist der Vertrieb von Finanzprodukten über den Bank- oder Versicherungskanal noch die Norm. Abspaltung aufgegeben Allerdings gab es auch Zeiten, in denen das Fondsgeschäft auf der Kippe stand. „Nach der Finanzkrise gab es in einigen Ländern Bestrebungen, Finanzkonglome- rate aufzuspalten“, berichtet Scholtz. So wurde etwa die niederländische ING in einen Versicherungsbereich, eine Invest- mentsparte und eine Bank aufgeteilt. „Nunmehr sehen die Aufseher jedoch auch Vorteile darin, wenn ein Finanzun ternehmen eine breit gestreute Produkt- palette anbietet“, sagt der Morningstar- Analyst. „Wenn sich ein Geschäftsmodell Bauarbeiter gießen eine Bodenplatte aus Beton. Für Finanzkonzerne birgt das Investmentgeschäft zahlreiche Vorteile. Sie behalten entsprechende Aktivitäten zusehends imHaus oder wollen sie zurückholen. » Das Asset Management ist im Vergleich zu anderen Geschäfts- feldern der Banken eine sehr stabile Ertragsquelle. « Johann Scholtz, Morningstar 390 fondsprofessionell.de 3/2026 VERTRIEB & PRAXIS Fondsanbieter FOTO: © PITB_1 | STOCK.ADOBE.COM
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