FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
W er die Finanzberichterstattung in sozia- len Medien zum Thema Verschuldung verfolgt, muss nervös werden: Die weltweite Ver- schuldung von Staaten, Unternehmen und auch von privatenHaushalten liegt auf Rekordniveau. Darauswirdhäufig abgeleitet, dass Staatsbankrotte und Hyperinflation vor uns liegen. Weil man in der Finanzberatungmit solchen Sorgen konfron- tiert wird, ist es empfehlenswert, sich seriös mit demThema zu befassen. Als Quellen dafür sollte man nicht Youtube-Experten wählen, sondern ernst zu nehmende Institutionen. Wer nach zuverlässigen Fachleu- ten sucht, wird etwa beim Institute of International Finance fün- dig. Der internationale Dachverband der Finanzwirtschaft publi- ziert quartalsweise den Global Debt Monitor. Analysiert werden dafür die Verbindlichkeiten von Staaten, Banken, Unternehmen und Haushalten. Ein Blick in den jüngsten Bericht, der den Stand amEnde der ersten Quartals 2026 berücksichtigt, zeigt tatsächlich eine Beschleunigung der Schuldenproblematik. Zwischen Ende 2025 und Ende März 2026 erhöhte sich die Schuldenlast von 348 auf 353 Billionen US-Dollar. Interessant ist aber nicht die absolute Zahl, sondern die Relation zur globalenWirtschaftsleistung. Der- zeit liegt derWert bei 305 Prozent – Tendenz stagnierend. Ebenfalls hilfreich bei der Beurteilung der Problematik ist der Global Finan- cial Stability Report des InternationalenWährungsfonds, der zwei- mal jährlich aktualisiert wird. Auch der IWF setzt die Schulden in ein Verhältnis zur gesamtwirtschaftlichen Situation. Und schließ- lich sollte man das Schuldenmonitoring der Bank für Internatio- nalen Zahlungsausgleich kennen. Ihr Quartalsbericht versucht, die Dynamik der Marktlage zu erfassen. Eine Einordnung der Schul- den ist nur möglich, wennman sie in Kombinationmit der Liqui- ditätslage (Kreditvergabe der Banken, Leitzinsen etc.), der Entwicklung der Asset-Märkte (Immo- bilien, Aktien, Rohstoffe) sowie derWechselkurs entwicklung betrachtet. Versucht man die Einschätzung der „echten“ Experten auf einenNenner zubringen, sieht der so aus: Staaten gehen nicht bankrott, weil die Schul- denquote einen fixen Prozentsatz des BIP über- steigt, sondernwenn niemandmehr bereit ist, fäl- lige Anleihen zu verlängern, oder wenn die Zins- last die Staatseinnahmen frisst. Die Schuldentrag- fähigkeit vonNationenhängt vomrealenWachstumundderDemo- grafie ab. Liegt das nominale Wirtschaftswachstum höher als die Anleihenzinsen, kann sich eine Schuldenquote stabilisieren. Das ProblemdesWestens: Die Bevölkerung altert, dasWachstum sinkt – und die Zinsen steigen. Das muss aber nicht zumKollaps führen. Statt mit „Währungsreformen“ ist mit „finanziellen Repressionen“ zu rechnen. Indem man die Zinsen unter der Inflationsrate hält, institutionelle Anleger zum Kauf von Staatsanleihen zwingt und eventuell Kapitalverkehrskontrollen einführt, bleibt die Situation unter Kontrolle. Berater sollten daher nicht Weltuntergangsszena- rien diskutieren, sondern Klienten für das wahrscheinlichere Sze- nario wappnen: eine Welt niedrigerer Realrenditen, in der solide Sachwertinvestments und aktives Liquiditäts- und Laufzeiten management über die Rendite entscheiden. Gerhard Führing Mamdouh El-Morsi Gerhard Führing, Mamdouh El-Morsi Schulden berge Die Sorgen angesichts der weltweit rekord hohen Schuldenstände wachsen. Wie groß ist die Gefahr von Staatsbankrotten tatsächlich? 4 fondsprofessionell.de 3/2026 MEINUNG Brief der Herausgeber FOTO: © MARLENE FRÖHLICH | MARLENE.AT
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