FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
Aus Archiv en lernen Banken agieren im Allgemeinen imHier und Jetzt. Doch einige Kreditinstitute beschäftigen sich mittlerweile auch mit ihrer Vergangenheit und arbeiten ihre Rolle imWandel der Zeit auf. D ie Städtische Sparkasse zu Köln ist im Jahr 1826 aus dem Leihhaus der Armenverwaltung des Kölner Minoriten- klosters hervorgegangen. 200 Jahre später nutzt das Nachfolgeinstitut, die Sparkasse Köln Bonn, das Jubiläum, um sich inten- siver mit seiner eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Das Kreditinstitut, bei dem derzeit jeder zweite Kölner und Bonner ein Konto führt, beauftragte den Historiker Jörg Lichter, die Geschichte des Instituts umfassend zu recherchieren und aufzuarbeiten. „Unser Markenver- sprechen ‚Füreinander hier‘ heißt für uns auch, ehrlich mit der eigenen Vergangen- heit umzugehen“, sagt Ulrich Voigt, Vor- standsvorsitzender der Sparkasse Köln Bonn. „Transparenz und Offenheit gehö- ren dabei zu unserem Verständnis von Verantwortung. Das gelingt nur, wenn historische Forschung frei und ohne Ein- flussnahme stattfinden kann.“ Um unab- hängig zu arbeiten, erhielt der Wissen- schaftler uneingeschränkten Zutritt zum historischen Archiv der Bank, das eigens für diese Aufgabe eingerichtet wurde und mittlerweile rund 300 laufende Meter an Unterlagen umfasst. Umbrüche Entstanden ist das Buch „Geld für alle“, in dem deutlich wird, dass die Ent- wicklung der Sparkasse eng mit den poli- tischen, wirtschaftlichen und sozialen Umbrüchen Deutschlands verknüpft ist. „Die Gründung der kommunalen Kredit- institute war eine Reaktion auf die zuneh- mende vorindustrielle Armut in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Menschen, die knapp oberhalb der Armutsgrenze lebten und kein Vermögen besaßen, soll- ten durch die Sparkassen in die Lage ver- setzt werden, in wirtschaftlich stabilen Zeiten kleine Beträge zu sparen und so für mögliche Krisen vorsorgen zu können“, schreibt Lichter in seinem Buch, das im Kölner Greven-Verlag erschienen ist. Die Sparkasse entwickelte sich von den Anfän- gen als reine „Spar-Kasse“ immer mehr in Richtung Universalbank. Auch das Ausleihgeschäft wurde immer wichtiger. So finanzierten die Kredite der Sparkasse den ErstenWeltkrieg mit und halfen auch beim industriellen und privaten Wieder- aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Institut war damals wie auch heute ein Spiegel seiner Zeit: In den Jahren des Wirtschaftswachstums wurden immer mehr neue Zweigstellen gegründet, und auch die Technik zog ins Bankgeschäft ein. So betrieb die Kölner Sparkasse bei- spielsweise ab 1957 den ersten Autoschal- ter für Bankkunden in ganz Deutschland. NS-Zeit In dem Buch wird auch die Rolle des Instituts im Nationalsozialismus kritisch beleuchtet. Als 1933 die Machtergreifung Hitlers erfolgte, ließen sich die Mitarbei- tenden der Sparkasse wie viele andere auch „gleichschalten“, und das Institut half Die rollende Zweigstelle 66 fuhr in den Jahren 1965 bis 1976 rechts rheinische Kölner Stadtteile an, in denen es noch keine Filiale der Sparkasse gab. Es sollte getestet werden, ob sich eine Filiale lohnt. » Transparenz und Offenheit gehören zu unserem Verständnis von Verantwortung. « Ulrich Voigt, Sparkasse Köln Bonn 418 fondsprofessionell.de 3/2026 BANK & FONDS Geschichte FOTO: © HISTORISCHES ARCHIV SPARKASSE KÖLN BONN
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