FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

bei der Enteignung deportierter Jüdinnen und Juden. „In kommunalen Unterneh- men wie den Sparkassen war die gewalt- same Machtübernahme der NSDAP im Jahr 1933 leichter durchzusetzen als in der Privatwirtschaft, da die neuen Machtha- ber direkten Zugriff auf die Institutionen hatten“, so Lichter. „In Bonn wurde die Sparkassenleitung bereits im März 1933 gleichgeschaltet: Der bisherige Direktor wurde abgesetzt, verhaftet, angeklagt und durch ein Parteimitglied ersetzt.“ In Köln gab es bis zum Frühjahr 1937 noch eine gewisse Kontinuität an der Sparkassen- spitze, doch dann wurde die Führung auch dort durch regimetreue Parteimit- glieder abgelöst. Erinnerung wachhalten Die rheinische Sparkasse ist kein Ein- zelfall. Bereits mehrere Institute aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor haben ihre Geschichte aufgearbeitet oder sind der- zeit dabei. Dazu zählen beispiels- weise die Frankfurter Sparkasse oder die Sparkasse in Bremen, die ein Gutachten in Auftrag gab, um die eigene Rolle und den Umgang mit Konten der jüdischen Bevölkerung in der NS-Zeit zu untersuchen. Auch die Dortmunder Sparkasse hat geforscht. „Im Keller unseres Zentral- archivs haben wir Akten aus der Zeit des National- sozialismus gefunden. Wir haben diese Unterlagen wis- senschaftlich untersuchen lassen, um unsere Rolle in dieser Zeit transparent dar- zustellen. Die Ergebnisse zei- gen: Auch unsere Sparkasse war damals Teil eines Systems, das Unrecht ermöglichte und unterstützte“, sagt Vorstandschef Dirk Schaufelberger. Die Spar- kasse sieht es als ihre Aufgabe an, diese Geschichte offen anzunehmen und daraus zu lernen. „Die Aufarbeitung zeigt, wie wichtig Haltung, Verantwortung und gesellschaftliches Engagement sind. Diese Werte prägen unser heutiges Handeln. Wir stehen für Demokratie, Vielfalt und Offenheit und setzen uns für eine starke und freie Gesellschaft in Dortmund und Schwerte ein“, sagt Schaufelberger. Die Rückmeldungen zur Aufarbeitung seien positiv: „Viele Menschen begrüßen, dass wir uns ehrlich mit unserer Vergangen- heit auseinandersetzen. Gerade heute ist es wichtig, die Erinnerung wachzuhalten und daraus Orientierung für unser Han- deln zu gewinnen.“ Auch die Sparkasse Oberhessen lässt die Rolle ihrer Vorgän- gerinstitute imNationalsozialismus unter der Leitung des Historikers Eckart Conze von der Universität Marburg untersuchen. 13 Kilometer Akten Doch nicht nur die Sparkassen, auch die Privatbanken beschäftigen sich mit ihrer Geschichte. So hat die ehemalige Dresdner Bank ihre Rolle als Kredit- geber der SS und die Beteili- gung an der Kriegsfinanzierung untersuchen lassen. Auch die Commerzbank und die Bundesbank arbeite- ten ihre Geschichte auf. Besonders intensiv ist die Deutsche Bank unterwegs. Das hauseigene Historische Institut verwaltet mehr als 13 Kilometer an Geschäfts- und Personalakten, Doku- menten, Fotos, Filmen und Wertpapieren der Deutschen Bank und ihrer Vorgänger- institute, wobei der überwie- gende Teil öffentlich zugäng- lich ist. Die dort beschäftig- ten Wirtschaftshistoriker sind organisatorisch dem Unterneh- mensbereich Corporate Affairs 420 fondsprofessionell.de 3/2026 BANK & FONDS Geschichte FOTO: © SILVIA KRIENS PHOTOGRAPHY I SPARKASSE DORTMUND | ALLE HISTORISCHEN FOTOS: © HISTORISCHES ARCHIV SPARKASSE KÖLN BONN „Deutsches Mädel!“ Aus dem Archiv der Sparkasse Köln Bonn Links: Löschblatt aus der NS-Zeit: „Dein Sparen hilft demFührer.“ Rechts: Die Kölner Sparkasse spricht ihre Kunden auf Kölsch an –mit eigenemLogomit Dom, Rhein und Hohenzollernbrücke. » Auch unsere Sparkasse war damals Teil eines Systems, das Unrecht ermöglichte und unterstützte. « Dirk Schaufelberger, Sparkasse Dortmund

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