FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

Chancen. Der ESG-Rahmen, wie er ent- wickelt wurde, ist primär risikofokussiert und hat auch zur Fehlallokation von Kapital geführt. Nehmen Sie Eaton, den Weltmarktführer für Power Manage- ment, oder Xylem, den Weltmarktführer für Wassertechnologie. Etwa die Hälfte des Wassers wird verschwendet, weil zu wenig investiert wurde. Das sind Billio- nen-Dollar-Probleme, die Milliarden-Dol- lar-Chancen für die Unternehmen sind, die sie lösen. Unter der EU-Taxonomie bekommen sie aber kaum Punkte. John: Das KI-Ökosystem ist derzeit stark verflochten,teilszirkulär.Wiequantifizieren Sie bei diesen Interdependenzen Gewinner undVerlierer? Rossbach: Qualitativ betrachtet gilt es zu verstehen, wo ein Unternehmen in der Wertschöpfungskette sitzt und woher sein Wettbewerbsvorteil rührt, um das über kommerziellen Erfolg und Partner­ schaften zu verifizieren. Quantitativ fragen wir nach adressierbaremMarkt, Marktan- teil, Wettbewerbern, Kosten und Gewin- nen sowie – ganz entscheidend – nach dem Kapital, das nötig ist, um das alles zu finanzieren. Wir fokussieren uns auf Unternehmen, die daraus schon heute Umsätze und positive Cashflows erzie- len: Amazon, Alphabet, Meta tun das in enormem Maßstab, weil Nutzerzah- len, Engagement und Erträge von den KI-Investitionen getrieben werden, Nvi- dia, weil es echte GPUs verkauft, die gebraucht werden, und ASML ebenso. Bei der Rechenkapazität gibt es keinen Wett- bewerber für Nvidia, bei der Lithografie keine Alternative zu ASML. John: Gewarnt haben Sie vor systemischen Risiken durch das Wachstum im Private- Credit-Sektor.WiebeeinflusstdasIhreTitel­ selektionamliquidenAktienmarkt? Rossbach: Es ist eine Rahmenfrage. Die großen öffentlichen Märkte haben über Jahrzehnte Kapital mit außerordentlichem Erfolg allokiert, weil sie groß und liquide, aber auch weil sie reguliert sind. Mit strengen Regeln, welche Unternehmen an den Markt dürfen, welche Informatio- nen sie liefern müssen, und mit Rechen- schaftspflichten an jeder Stelle. Private Investments tragen zusätzliche Risiken in Bezug auf Illiquidität, Struktur und oft Leverage, aber auch in Bezug auf Gover- nance und damit auch Compliance und Offenlegung. Große Institutionen können diese Risiken analysieren und tragen. Für Privatanleger sind sie viel größer. Die Erfahrung der letzten 25 Jahre zeigt: Viele dieser Risiken spielen keine Rolle – aber nur solange, bis sie es plötzlich tun, dann aber massiv. Große US-Stiftungsvermögen mussten zuletzt Private-Equity-Positionen mit Abschlägen verkaufen. Privatanleger bekommen ihr Geld aus Immobilien und Private-Credit-Fonds schon jetzt ohne grö- ßere Krise nur gestaffelt zurück, wenn es schiefläuft. John: Angenommen, die globale Inflation bleibt strukturell über drei Prozent. Welche Unternehmen aus Ihrem Portfolio können ihre Margen in diesem Szenario nicht nur verteidigen, sondernausbauen? Rossbach: In einem inflationären Umfeld sind Aktien von qualitativ hochwertigen Unternehmen, die das leisten können, der erprobte Weg, den realen Wert von Vermögen zu erhalten und zu steigern. Ich sehe zwei Gruppen: Die eine sind unsere führenden Konsumunternehmen. Einer der Gründe, warum sie so günstig sind, ist, dass sie in Reaktion auf all diese Einflüsse ihre Aktivitäten in Richtung Innovation zurückfahren mussten. Sie kommen jetzt erst dorthin zurück und bringen relevante neue Produkte mit Preissetzungsmacht mit. Die andere ist Software wie SAP: Wenn die Umsätze robust wachsen, der Burggraben hält, weil » Qualitativ betrachtet gilt es zu verstehen, wo ein Unternehmen in der Wertschöpfungs- kette sitzt und woher sein Wettbewerbs- vorteil rührt. « Christopher Rossbach, J. Stern & Co. 82 fondsprofessionell.de 3/2026 MARKT & STRATEGIE Fondsmanager im Kreuzverhör | Christopher Rossbach | J. Stern & Co. FOTO: © NIGEL DICKINSON FÜR FONDS PROFESSIONELL KREUZ VERHÖR

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