FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026
liche Rente im Alter ausreicht, um den Lebensstandard zu halten. Privat vorsor- gen sollte man eher zum Vermögensauf- bau.“ Nach einer Ansparphase von bei- spielsweise 20 Jahren wurde das Kapital daher ausbezahlt – und für den Versiche- rer waren Kunde und Geld weg. In den 1990er-Jahren änderte sich die Lage durch die Deregulierung des Versicherungsmarktes, in deren Zuge laut Glissmann verstärkt frei kalkulierte private Rentenver- sicherungen angeboten wur- den. Allerdings bieten diese Policen, wenn sie der heuti- gen dritten Schicht angehö- ren, in der Regel die Option, dass Kunden ihr Kapital nach der Ansparphase ent- nehmen können. Das sei sei- tens der Produktanbieter und ihrer Vertriebswege durchaus gewünscht. „Die Verbraucher möchten Flexibilität – oder zumindest wird ihnen das vom Verbraucherschutz und den Medien eingeredet“, sagt Glissmann. Bitte keine Verrentung Diese Haltung der Kunden an sich wäre kein Problem, wenn die Versicherer denn die richtigen Lösungen für eineWiederan- lage parat hätten, die die Kunden möch- ten. Oft können sie bei Rentenversiche- rungen aber nur zwischen Auszahlung oder Verrentung wählen, bei Lebensversi- cherungen bieten die Gesellschaften nach dem Leistungsfall nur sofort beginnende Leibrenten gegen Einmalbeitrag. „Die Deutschen wollen sich bei ihren Geld- anlagen vielfach nicht endgültig festle- gen, eine rein konventionelle Verrentung würde aber genau eine solche Festlegung mit sich bringen“, beschreibt Glissmann das Dilemma für die Versicherer. Die ablehnende Haltung der Verren- tung gegenüber hat viele Gründe. Der ZRKO KÌXljJVWH ODXW +HHUPDQQ 'LH monatliche Rente aus den Policen wird oft als zu niedrig wahrgenommen, sodass sich viele Verbraucher dafür entscheiden, das Geld für den Konsum zu nutzen oder mit Entnahme- oder Auszahlplänen auf Basis des vorhandenen Kapitals zu wirt- schaften – auch wenn sie Gefahr laufen, dass das Geld dann nicht bis zum Lebens- ende reicht (siehe auch FONDS profes- sionell 3/2023, Seite 262). „Zudem haben viele Senioren bereits eine Absicherung aus anderen Anlagen oder der gesetzli- chen und betrieblichen Rente, sodass für sie Produkte interessanter sein könnten, PLW GHQHQ VLH 9HUPĆJHQ ijH[LEHO XQG steuerschonend an die nächste Generation weitergeben können“, so der Experte der Assekurata. Solche Produkte oder andere auf die Zielgruppe zugeschnittene Lösun- gen bieten viele Versicherer aber nicht. Betreuungsproblem Wichtig ist auch eine enge Betreuung der Kunden. Sie müssen rechtzeitig angespro- chen werden, sonst verplanen sie das Geld anderweitig. Bei vielen Versicherern fehlt es DEHU DQ HLQHU VWUDȬHQ 2UJD - nisation der Betreuungspro- zesse, de facto sind viele Ver- träge unbetreut. „Teil des Pro- blems ist, dass den Versiche- rern die nötigen Daten feh- len, wodurch eine rechtzeitige und zielgerichtete Kundenan- sprache erschwert wird“, sagt Heermann. Dies ist auch ein fondsprofessionell.de 1/2026 265 FOTO: © MARTIN BARGIEL I SWISS LIFE DEUTSCHLAND, BCA Milliardenabflüsse Ausgezahlte Leistungen in der Lebensversicherung DieMittelabflüsse aus deutschen Lebenspolicen sind zuletzt gestiegen, da nun geburtenstarke Jahrgänge in Rente gehen. Quelle:Assekurata(Daten:GDV) 0 20 40 60 80 100 2024 2020 2015 2010 2005 2002 Mrd. Euro Insgesamt Durch Ablauf oder Erleben Matthias Wald , Swiss Life Deutschland: „Wird eine Wiederanlageberatung avisiert, sollte der Austausch zirka ein bis drei Jahre imVoraus beginnen.“ Bastian Roeder, BCA:„ Wir stellen fest, dass viele unserer Vertriebspartner den Ablauftermin aktiv auf demSchirmhaben.“
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