FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026
Provisionsverbot vom Tisch Gut zweieinhalb Jahre, nachdemdie EU-Kommission ihren ersten Entwurf einer Kleinanlegerstrategie präsentiert hat, sind die Ver- handlungen beendet. Was das Ergebnis für die Branche bedeutet. E s ist vorbei. Ein Verbot von Provisio- nen ist endgültig vom Tisch. Denn sechs Tage vor Weihnachten haben sich das Europäische Parlament, der Rat und die Kommission auf einen Kompromiss zur EU-Kleinanlegerstrategie (Retail Investment Strategy, RIS) geeinigt. Nach fast einem Jahr intensiver Trilogverhand- lungen wurde damit kurz vor dem Ende der dänischen Ratspräsidentschaft ein SROLWLVFK EHGHXWHQGHV 3DNHW ljQDOLVLHUW Für Finanzanlagen- und Versicherungs- vermittler wird es nach seiner Umsetzung Erleichterungen mit sich bringen – aber DXFK YHUVFKÌUIWH 3ijLFKWHQ Das grundsätzliche Ansinnen der Klein- anlegerstrategie ist klar: Die Regelungen sollen Privatanleger stärker schützen, Ver- brauchern den Zugang zu Kapitalmärk- ten erleichtern und die EU-Finanzmärkte wettbewerbsfähiger machen. Um dieses Ziel zu erreichen, trat die ehemalige EU- FinanzkommissarinMaireadMcGuinness bis zum Ende ihrer Amtszeit unter ande- rem vehement für ein Verbot von Zuwen- dungen in der Finanzberatung ein. Die Branche wiederum blickte fast drei Jahre lang immer wieder beunruhigt nach Brüssel. Nachdem sich Anfang 2023 die Zeichen dafür gemehrt hatten, dass die Kommission ein generelles Provisions- verbot anstreben könnte, kam es im Mai zu einem kurzen Aufatmen. McGuinness verkündete, ein vollständiges Verbot von Zuwendungen sei nicht geplant. Aber: Der RIS-Entwurf, den sie präsentierte, untersagte Provisionen in der Anlagever- mittlung und für die reine Orderausfüh- rung sehr wohl. Mal nüchtern betrachtet Es hagelte Kritik von den Verbänden der Finanz- und Versicherungswirtschaft. Der Währungs- undWirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments (ECON) sprach sich Anfang 2024 gegen das par- tielle Verbot von Zuwendungen aus, wenig später lehnte es auch der EU- Ministerrat ab. Und dann trat nach der Europawahl die Portugiesin Maria Luís Albuquerque die Nachfolge von Mairead McGuinness an. Sie sah die Angelegen- heit ganz pragmatisch und nüchtern. Es sei nicht zielführend, sich auf etwas ]X HLQLJHQ GDV NHLQH $N]HSWDQ] ljQGHW befand sie. Inzwischen ist die Sache besiegelt, und der Verzicht auf ein Provisionsverbot dürfte aus Vermittlersicht das wesentliche Ergebnis der Trilogverhandlungen sein. Allerdings verschärft der erzielte Kom- promiss die Transparenz- und Rechtfer- WLJXQJVSijLFKWHQ LP =XVDPPHQKDQJ PLW Zuwendungen deutlich. So müssen Ver- mittler künftig eindeutig darlegen, wel- chen konkreten Mehrwert eine erhaltene Provision für ihre Kunden hat. Außerdem EU-Finanzkommissarin Maria Luís Albuquerque trat 2024 die Nach- folge vonMaireadMcGuinness an und befand, ein Provisionsverbot sei nicht zielführend, wenn es keine Akzeptanz findet. » Die RIS bringt keine Kleinanleger an die Kapitalmärkte und bringt nur mehr Bürokratie für Aufsicht, Kunden sowie Anbieter. « Thomas Richter, BVI 416 fondsprofessionell.de 1/2026 STEUER & RECHT EU-Kleinanlegerstrategie FOTO: © SIMON WOHLFAHRT | BLOOMBERG.COM
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=