SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026
eine Revolving Credit Facility zur Verfü- gung hält. Das ist weniger kapitalintensiv. Ist es nicht so, dass sich Banken, sobald es umWachstum oder Mergers geht, zurück- ziehenunddanndieAnbieterzumZugkom- men, die ein höheres Risiko eingehen und dafür einbisschen teurer sind? Riebow: Ganz im Gegenteil. Die Banken würden das Geschäft teilweise sogar gern machen. Das Problem ist nur, dass die Finanzierungen ins Korsett der Regula- torik und der Vorgaben passen müssen. Wenn auch nur eine Stellschraube nicht in den Kreditvergabeprozess passt, kön- nen die Banken die Finanzierung nicht machen. Dahingehend ist die Flexibili- tät der privaten Kreditgeber wesentlich höher. Sie können im direkten Gespräch mit demKreditnehmer Planzahlen besser berücksichtigen. Außerdem braucht das Zusammenspiel von Private Equity und Private Debt eine gewisse Geschwindig- keit, die viele Banken einfach nicht mehr mitgehen können. Venc: Für die Risikobe- trachtung kann man sich die historischen Ausfall- raten ansehen. In den USA spricht man über eine Ausfallrate von einem Prozent im langfristigen Mittel über die letzten 20 Jahre. Das ist auf einer Linie mit den syndizierten Krediten und weniger als im High-Yield-Bereich, in dem die Kredite unbesi- chert sind. Und die Erlös- quote bei der Verwertung von Sicherheiten liegt his- torisch bei 60 bis 70 Pro- zent. Diese Zahlen sind vom normalen Bankge- schäft nicht so weit weg. Deshalb glaube ich, dass man die Sorge, dass Kre- ditfonds ein sehr hohes Risiko eingehen, ganz gut entkräften kann. Mohr: Auch im Fall des Defaults sind Fonds etwas flexibler, weil sie unter Berücksichtigung beispielsweise von Zins- anpassungen und Laufzeitverlängerungen maßgeschneiderte Lösungen verhandeln können. Riebow: Im Private-Credit-Bereich besteht die Möglichkeit, frühzeitig zu agieren und dem Kreditnehmer im Zusammenspiel mit dem Private-Equity-Haus Vertragsan passungen anzubieten. Das hilft einem Unternehmen, nicht in den Default zu kommen. Und unsere Daten zeigen, dass die Zahl der Anpassungen von Kreditver- trägen in den vergangenen vier bis zwölf Monaten zwar gestiegen ist, aber die Aus- fallrate ist gleich geblieben. Auch Banken gehen auf die Kreditnehmer ein. In den vergangenen Jahren zeigten sie mitdemImmobilienmarktvielGeduld,denn sonst hätten wir wesentlich höhere Wert- berichtigungenundnochmehr Insolvenzen gesehen.DamithabendieBankenbewiesen, dasssieKreditmanagementwirtschaftsnah betreiben. Hoffmann: Das ist richtig. Der Manager braucht Zuckerbrot und Peitsche, und er muss laufend die Zahlen prüfen, damit er eingreifen kann. Für uns ist das ein wichti- ger Punkt in der Manager-Due-Diligence. Wir beurteilen: Haben die Manager die Ressourcen, um zu reagieren, wenn ein- mal etwas schiefgeht? Denn wir erwarten, dass die Manager Lösungen herbeiführen, damit es keinen Default gibt. Mohr: Es wird häufig über steigende Defaults gesprochen, und auch die Presse berichtet zuweilen alarmistisch. Das muss man ins Verhältnis setzen. Die Kreditausfälle befin- den sich auf einem moderaten Niveau. Wir sehen in den Port- folios, dass die Kreditqualität tendenziell im langfristigen Zeit- strahl ein Stück weit abnimmt. Aber nicht weil die Targets per se schlechter sind, sondern weil das Kreditspektrum weiter und der Wettbewerb intensiver wird. Man kann prüfen, eventuell an der einen oder anderen Stelle die Covenants ein bisschen zu lockern. Gleichzeitig wird ver- sucht, die Kreditwürdigkeit zu verbessern, sodass das Risiko unterm Strich nicht größer wird. Die regulatorischen Vorteile, die der Private-Debt-Markt gegen- » Ein Sector Lending sollte man nicht machen. Man sollte sich die Unternehmen genau anschauen. « Sebastian Venc, Muzinich Sebastian Venc, Leiter des Private-Debt-Geschäfts bei Muzinich&Co. und für Investments in der DACH- und Benelux-Region zuständig. fondsprofessionell.de 2/2026 21
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